Erster Stephan Eberharter, Zweiter Hannes Trinkl, Dritter Pepi Strobl - dazu die Ränge 5, 6 und 7 für Rot-Weiß-Rot. Dabei war Hermann Maier gar nicht am Start, da nach seinem Motorradunfall noch verletzt. Dieses Traumergebnis für Österreich bei der legendären Lauberhornabfahrt ist nur 21 Jahre her, scheint aber schon eine Ewigkeit verflogen zu sein. Ob es so etwas in diesem Jahrhundert - ausgerechnet im Herzen des eidgenössischen Skisports (der beste Schweizer kam damals nur auf Rang 12) - noch einmal geben wird, darf bezweifelt werden. Denn anno 2023 könnten die Schweizer bei ihren Heim-Festspielen groß abräumen, während die rot-weiß-rote Speed-Equipe außer Vincent Kriechmayr keinen Siegfahrer mehr aufbieten kann. Der allerdings ist mit zwei Lauberhorn-Titeln ein ganz heißes Eisen für Super G (Freitag) und klassischer Abfahrt (Samstag).

Die längste Abfahrt der Welt ist für den 31-jährigen Mühlviertler so etwas wie die Lieblingsstrecke - 2019 und 2022 war er in Wengen nicht zu schlagen. An seinen Vorjahrestriumph hat er aber nicht nur gute Erinnerungen. Aus der Corona-Quarantäne kommend, war er verspätet und nach den Abfahrtstrainings im Berner Oberland eingetroffen. Einen Lauf - präziser: einen Trainingsstart - schreibt das Regelwerk für den Rennstart aber verpflichtend vor. Daher brauchte es eine Juryentscheidung und einen Fake-Start vor der Abfahrt, um am Rennen teilnehmen zu dürfen. Nach Rang 12 in der ersten Abfahrt, schlug Kriechmayr dann am Samstag zu und verwies Lokalmatador Beat Feuz auf Rang zwei - wohl der Hauptgrund, warum er dann von Schweizer Fans bei der Siegerehrung ausgepfiffen wurde. "Das war vermutlich mein traurigster Sieg", erklärte Kriechmayr nun gegenüber dem "Blick". Zumal vorher niemand protestiert und auch niemand sein Ergebnis auf der verkürzten Abfahrt beanstandet habe - "aber mein Sieg in der Originalabfahrt wurde dann als einer der größten Skandale der Ski-Geschichte bezeichnet. Das hat mir richtig wehgetan." So weh, dass das sogar die Vorbereitung auf die Hahnenkammrennen, wo ihm noch ein Abfahrtssieg fehlt, beeinträchtigt habe.

Alles Schnee von gestern. Apropos Schnee: Der könnte heuer wieder ein entscheidender Faktor werden, denn für Freitag und Sonntag ist weiterer Niederschlag angekündigt - ob als Regen oder Neuschnee, ist nicht absehbar. "Beide Situationen sind nicht vorteilhaft", sagte Kriechmayr, der aber guter Dinge für den Klassiker ist: "Am Samstag soll es super werden." Nach dem Rücktritt von Matthias Mayer ist er nun die Solo-Führungsfigur im ÖSV-Speed-Team, auch wenn er sich gar nicht so sieht. "Wir teilen uns die Aufgabe ganz gut auf. Natürlich werden wir den ‚Mothl‘ schmerzlich vermissen. Er war unser Leader, er ist vorausgegangen."

Im einzigen Training vom Originalstart hielt sich Kriechmayr am Mittwoch dezent zurück - Platz 26 mit 2,35 Sekunden Rückstand auf den Schweizer Niels Hintermann. Doch der Doppelweltmeister von Cortina kennt die 4,4 Kilometer lange Strecke wie seine Westentasche - weshalb "ein Training nicht mehr so entscheidend ist".

Heim-Abschied für Feuz

Ganz besonders emotional wird es am Samstag, wenn Feuz, Gewinner von drei Lauberhornabfahrten, Olympiasieger und Weltmeister, sein letztes Rennen in der Schweiz bestreitet - ehe er dann auf der Streif endgültig Abschied nimmt. "Hoffentlich gibt es am Samstag ein cooles und schönes Rennen. Ich will nochmals schnell sein, sonst hätte ich ja nicht gesagt, dass ich in Wengen und Kitzbühel nochmals fahren will", sagte der 35-jährige aus Emmental, der 2020 zuletzt am Lauberhorn gewonnen hat.