Die norwegischen Männer geben der Ski-Welt wieder einmal Rätsel auf. Speed-Gigant Aleksander Aamodt Kilde sowie Lucas Braathen und Henrik Kristoffersen haben zusammen mehr als die Hälfte der bisher 20 Weltcup-Rennen gewonnen - und die jüngsten vier in Folge. Darunter das Wengen-Triple mit zwei Kilde-Siegen und dem Slalom-Triumph von Kristoffersen. ÖSV-Rennsportleiter Marko Pfeifer, der das Lauberhorn demgegenüber ohne Stockerlplatz verlassen musste, glaubt vor der Rückkehr nach Kitzbühel aber fest an den Heimvorteil. "Zum Schlagen ist ein jeder", sagte der Kärntner. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir Österreicher dort gut fahren."

Elfmal stand ein Norweger in diesem Weltcup-Winter bereits auf der obersten Stufe des Siegertreppchens, wobei Kilde mit sechs Siegen die unangefochtene Nummer eins ist. Das ergibt eine Quote von 55 Prozent für den Norges Skiforbund. Die Schweiz hat mit sieben Siegen, wovon sechs Marco Odermatt zuzuordnen sind, noch gut dagegengehalten. Österreich steht dank Vincent Kriechmayr, der in Gröden und Bormio gewonnen hat, bei lediglich zwei.

Seine zwei Siege machen den Oberösterreicher aber zum einzigen Konkurrenten, der Kilde in einer Abfahrt bezwungen hat. "Er ist gut drauf, aber er ist nicht unschlagbar", stellte Kriechmayr dementsprechend fest. "Vinc kann mit ihm mithalten", sagte Pfeifer. "Jetzt geht es nach Kitzbühel, und ich glaube, da hat er eine Rechnung offen." Wenngleich Kriechmayr selbst seine Chancen auf einen Streif-Premierenerfolg vor Heimpublikum eher gering einschätzt: "Das wäre schön, aber meine letzten Kitzbühel-Ergebnisse waren jetzt nicht vielversprechend, dass ich mit einem Sieg rechnen kann." Immerhin hat der Mühlviertler 2021 den Super G von der Streif-Alm geholt, der mittlerweile aber nicht mehr ausgetragen wird.

Comeback der Fanmassen

Publikum ist ein passendes Stichwort, denn nach zwei schaumgebremsten Kitz-Ausgaben wegen der Covid-19-Pandemie werden nächstes Wochenende wieder Zehntausende Besucher Kitzbühel unsicher machen. Am Freitag und Samstag sind zwei Abfahrten angesetzt, ehe am Sonntag der Slalom vom legendären Ganslernhang über die Bühne geht.

Die Vorfreude auf ein Kitzbühel-Fest wie früher sei "schon riesig", gab Manuel Feller zu. "Ich freue mich schon auf die Heimrennen. Ich denke auch, dass auch der Wetterbericht ganz gut ausschaut", meinte Johannes Strolz, der am Sonntag in Wengen nach saisonübergreifend fünf Ausfällen in Folge einen zwölften Platz anschrieb.

Während sich der Vorarlberger und Feller ganz auf den Slalom konzentrieren können, ist das für Marco Schwarz noch nicht ganz klar. Nach dem tollen sechsten Platz in Wengen bei seinem Abfahrtsdebüt im Weltcup lockt
nun der Mythos Streif. "Dafür spricht, dass es mich reizen würde", verriet Schwarz. Dagegen spricht das dichte Technik-Programm mit drei Rennen an vier Tagen, da Schladming nicht nur einen Slalom, sondern tags darauf auch einen Flutlicht-Riesentorlauf veranstaltet.

Technik-Breite der Norsker

Auch in den technischen Disziplinen ist Norwegen derzeit eine Macht, der Slalom ragt da noch heraus. Braathen gewann in der laufenden Saison in Val d’Isere und Adelboden, Kristoffersen in Garmisch-Partenkirchen und Wengen. Nur in Madonna di Campiglio, wo Daniel Yule aus der Schweiz triumphierte, war der Sieger kein Norweger. Und sollte das Top-Duo einmal auslassen, gäbe es da noch Atle Lie McGrath, Weltmeister Sebastian Foss-Solevaag, Timon Haugan und Alexander Steen Olsen, den mit 21 Jahren Jüngsten im Bunde.

Das ÖSV-Team hingegen kann bisher auf nur zwei Stockerlplätze von Feller, der in Val d’Isere und Garmisch Zweiter war, verweisen. Schwarz ist daneben der einzige andere, der es konstant in die Top Ten schaffte. "Ich glaube, die Slalom-Mannschaft hat noch nicht gezeigt, was sie kann", so Pfeifer. "Wir hoffen jetzt auf die Heimrennen bei guten Bedingungen, dann sind wir in der Jägerrolle."