Am Freitag erfolgt nicht nur der Startschuss zu den 83. Hahnenkammrennen mit der ersten von zwei Abfahrten auf der Streif (11.30 Uhr/ORF 1), sondern auch zu einem besonderen Skisport-Reigen in Österreich - mit fünf Weltcuprennen innerhalb von sechs Tagen. Denn nach dem Spektakel in der Gamsstadt folgt am Dienstag der Flutlichtklassiker in Schladming samt einem Nacht-Riesentorlauf auf der Planai tags darauf. Fünf Chancen also für die Heimnation, die bisherige Sieglosigkeit im neuen Jahr abzuschütteln. Großer Favorit auf der Streif ist zunächst aber Seriensieger Aleksander Aamodt Kilde, wiewohl er sich im Donnerstagtraining im Karussell die Hand lädiert hat.

Der Norweger gewann heuer die Abfahrten in Lake Louise, Beaver Creek, Gröden und Wengen, Doppelweltmeister Vincent Kriechmayr die beiden restlichen in Gröden und Bormio. Der Schweizer Marco Odermatt - als dreifacher Zweiter - kam seinem ersten Karriereerfolg in der Königsdisziplin schon sehr nahe - er ist gleichsam reif für einen Streif-Triumph, zumal er im oberen Abschnitt Fabelzeiten zu fahren vermag. Von den zwei Abfahrten vor einem Jahr auf dem Hahnenkamm ging eine an Kilde und eine an Beat Feuz, der sich in Kitzbühel von der großen Bühne verabschieden wird.

"Wenn man meine letzten Kitzbühel-Ergebnisse anschaut, gehöre ich sicher nicht zu den Favoriten. Da kann ich mich nur selbst überraschen", sagte Kriechmayr, der die ÖSV-Hoffnungen trägt. "Die hundertprozentige Überzeugung ist mir ein bissl abgegangen, aber die braucht es da runter." Allerdings: 2020 war er hinter Matthias Mayer Zweiter in der Abfahrt, im Jahr darauf holte er sich den Super G. 2021 war er in der Abfahrt aber nur 9. und 17., im Vorjahr zweimal 13.

Im Abschlusstraining am Donnerstag hielten sich die Top-Akteure allesamt zurück beziehungsweise fuhren aufrecht über die Ziellinie. So auch Österreichs Bester Otmar Striedinger (Platz3 /+0,15 Sekunden) - 2019 schon Streif-Dritter -, andernfalls hätte er wohl die Bestzeit des Franzosen Cyprien Sarrazin (1:56,89 Minuten) geknackt. "Es war eine solide Fahrt, ich habe mich sehr wohl gefühlt. Es ist gut, wenn man vorn dabei ist und wenn man weiß, dass man mithalten kann. Aber ernst wird es erst morgen", kommentierte der Kärntner.

Zweitbester Österreicher auf dem Papier war Daniel Hemetsberger, der als Zwölfter 0,76 Sekunden zurücklag. "Ich bin guter Dinge, die Strecke ist in perfektem Zustand, ich fühle mich gut", erklärte der Oberösterreicher, im Vorjahr als Dritter auf dem Siegerfoto. "Skifahrerisch bin ich gleich gut drauf wie letztes Jahr. Wenn man einer der Leistungsträger sein sollte, sollte man auch die Leistung bringen."

ÖSV-Männer-Rennsportleiter Marko Pfeifer hofft, dass einer aus dem verbliebenen Trio an ÖSV-Topfahrern sticht. "Bei einem Sieg muss alles zusammenstimmen, da darf man zur Zeit von oben bis unten keinen Fehler machen. Wir sehen das alle bei Odermatt und Kilde, die geben von oben bis unten Gas. Das, was Vinc in Gröden und Bormio hinbekommen hat."

ÖSV-Damen in Cortina zurück

Auch bei den rot-weiß-roten Rennläuferinnen regiert momentan das Prinzip Hoffnung: Im Abschlusstraining für die beiden Abfahrten in Cortina d’Ampezzo am Freitag (10.15 Uhr) und Samstag (10 Uhr) gehörten sie nämlich nicht zu den Schnellsten. Die Italienerin Sofia Goggia machte am Donnerstag in 1:35:00 Minuten schon ein wenig Ernst, die dreifache Saisonsiegerin war auf der Tofana gleich 1,7 Sekunden schneller als das bestplatzierte ÖSV-Duo Stephanie Venier und Nina Ortlieb (beide 15.).(may)