Es gab Zeiten im Skisport-verrückten Österreich, die wünscht man sich vielleicht gar nicht mehr zurück: Etwa, als um die Jahrtausendwende zwar Mehrfachsieg um Mehrfachsieg eingefahren wurde, dann aber beim kleinsten Misserfolg die Stimmung von grenzenlosem Enthusiasmus jäh in zornige Enttäuschung umschlug. Als etwa 1999 Slalom-Olympiasieger Thomas Stangassinger in Kitzbühel nach Halbzeitführung statt den programmierten Sieg am Ganslern zu feiern, am Ende nur auf Rang vier landete, stimmte ein erklecklicher Teil der 30.000 Zuschauer ein Pfeifkonzert an. Da ging es Manuel Feller am Sonntag deutlich besser: Nach seinem Einfädler in Durchgang zwei auf dem Weg zum möglichen Heimsieg war kein Pfiff zu hören - stattdessen gab es von den 20.000 Fans einen ordentlichen Schuss Trost in Form von Applaus. Der 30-jährige Tiroler kann ihn gut brauchen, denn das nächste Highlight steigt ja bereits am Dienstag (17.45/20.45 Uhr) - in Form des Nachtslalom-Klassikers von Schladming.

Sein Kitzbühel-Einfädler tue ihm nicht nur persönlich weh ("Ich weiß nicht, ob ich noch einmal mit so einer Form da herkomme"), sondern vor allem auch leid für die vielen Fans: "Jeder ist voller Euphorie, dann sehen sie mich nicht einmal über die erste Kuppe kommen", bekannte der Fieberbrunner kurz nach seinem bitteren Aus, das dem Schweizer Daniel Yule seinen zweiten Sieg am Ganslern nach 2020 bescherte.

Feller prolongierte damit eine Unserie just in seiner Heimat: In acht Kitzbühel-Slaloms setzte es für ihn fünf Ausfälle - bestes Resultat für den Vizeweltmeister von 2017 war ein fünfter Rang (2018). Er verspüre nun eine Leere, so Feller im Ziel, aber es werde nur einen Tag dauern, bis er das verdaut habe. "Das geht bei mir relativ schnell. Ich blicke nach vorne, es stehen zwei coole Rennen vor der Tür, auf die freue ich mich. Ich werde voll drauflosfahren, in Schladming gilt volle Attacke." Nach dem Planai-Slalom-Klassiker steigt heuer erstmals auch ein Riesentorlauf bei Flutlicht (Mittwoch, 17.45/20.45 Uhr), bei dem Feller ebenfalls zum Favoritenkreis zählt. Nicht nur aus sportlichen Gründen: "Ich bin Spätaufsteher, Nachtrennen liegen mir im Allgemeinen auch sehr", bekräftige er.

"Das Skifahren passt"

Am Montag zeigte sich Feller auch schon wieder gefasster - geholfen habe dabei auch eine Vielzahl an positiven Nachrichten, die er bekommen habe. "Die Leute stehen hinter mir, es haben viele mitgefiebert", betonte er und stellte klar, dass er schon als Junger gezeigt habe, "dass mir ein Ausfall relativ wenig zusetzt. Für mich zählt dann der nächste Tag und das nächste Rennen. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Das Wichtige ist, dass das Skifahren passt."

Und die Leistung im Vorjahr in Schladming weckt gewiss auch positive Energie: Im vergangenen Jahr war der Tiroler nach gerade erst auskurierter Corona-Erkrankung im zweiten Durchgang von Rang 28 auf den dritten Platz gerast. "Die Sache ist, dass das alles fast in Trance passiert ist. Ich war eigentlich fast im Delirium nachher. Im ersten Durchgang hat es mir den Kreislauf zusammengehaut, es war alles mehr Müssen als Wollen", erinnerte er sich. Nun freut sich der 30-Jährige auf das wieder volle Zielstadion. "Die Stimmung ist wahrscheinlich in Schladming noch einmal extremer und beflügelnder."

Zur Abendgestaltung am Sonntag nach Kitzbühel zählte auch ein entspanntes Kartenspiel. "Ich habe mit meiner Mama, meiner Freundin, Sohn Lio und einer Freundin von Lio Schwarzer Peter gespielt. Da hat sich das leider bestätigt, dass das nicht mein Glückstag war", sagte Feller. "Die letzten Jahre bin ich oft zu meinen Kollegen gefahren, jetzt ist es halt die Family. Sie haben mich trotzdem hochleben lassen in Kitzbühel. Schade nur, dass es eher Frustbewältigung war als feiern."

50.000 Zuschauer erwartet

Nach zwei Corona-bedingt mageren Jahren mit kaum Zuschauern am Zielhang werden diesmal im Ennstal rund 40.000 Fans erwartet. 27.500 Tickets wurden aufgelegt, weitere etwa 13.000 Gäste werden in der Weltcupmeile im Herzen der Ski-Metropole erwartet, hieß es seitens der Landespolizeidirektion Steiermark. Dem ersten Nacht-Riesentorlauf von der Planai sollen dann am Mittwoch um die 10.000 Fans live verfolgen.