Ausgerechnet am Schauplatz ihres Weltcup-Debüts könnte Mikaela Shiffrin zu Rekordmann Ingemar Stenmark aufschließen. Gewinnt die US-Ski-Heldin in Spindlermühle am Samstag (9.30/12.30 Uhr) beziehungsweise Sonntag (9.15/12.15) beide Slaloms, wäre die schwedische Legende Stenmark mit ihren 86 Weltcup-Erfolgen eingeholt. Obendrein könnte sich Shiffrin vorzeitig und damit noch vor der alpinen Ski-WM schon die kleine Kristallkugel sichern.
Für Shiffrins siebente Torlauf-Kugel ist vorerst aber noch Schützenhilfe vonnöten. Ihre schärfsten Konkurrentinnen Wendy Holdener und Petra Vlhova liegen vier Slaloms vor der Endabrechnung 135 respektive 145 Punkten zurück. Die bisher letzte Ausgabe des Rennens in Tschechien gewann Shiffrin 2019 - vor Holdener und Vlhova.
Katharina Truppe war damals Vierte - eine Platzierung, deren Wiederholung angesichts der jüngsten Leistungen einer Sensation gleichen würde. Die Kärntnerin, die durch ihren dritten Rang von Killington die einzige ÖSV-Podestfahrerin dieser Saison und Beste der Slalom-Wertung ist (10.), hatte wie Katharina Liensberger noch die Tiefschläge der Kronplatz-Rennen abzuschütteln.
Am 12. März 2011 hatte Shiffrin ihren ersten Weltcup-Bewerb bestritten. "Ich kam als dieses wirklich ehrgeizige, nervige, kleine Streber-Mädchen nach Spindleruv und dachte: Hey, ich werde hier meinen ersten Riesentorlauf, mein erstes Weltcup-Rennen gewinnen - genau das werde ich machen", erinnerte sich Shiffrin am Mittwoch. Die damals 15-Jährige verpasste als 43. den zweiten Durchgang, dasselbe passierte am Tag danach. "Was habe mich mir nur dabei gedacht?", fragte sich Shiffrin fast zwölf Jahre später.
Shiffrin verließ Spindlermühle damals um eine wertvolle Erfahrung reicher. "Das ist vielleicht die erste Lektion, die ich gelernt habe: Wir reden nicht darüber, was hätte passieren können, sondern darüber, was tatsächlich passiert ist", erklärte die 27-Jährige. "Nach dieser Regel habe ich den Rest meiner Karriere gelebt: Egal, was hätte passieren können, ich konzentriere mich auf das, was passiert ist. Und lerne daraus, um zu sehen, was ich in Zukunft verbessern kann."