Es war eine Nervenprobe der ganz besonderen Art: Als absoluter Top-Favorit musste Vincent Kriechmayr mitansehen, wie es einen Fahrer nach dem anderen vor ihm aus dem Super-G-Kurs kegelte. Wie also sollte er es nun anlegen, um das ersehnte erste WM-Gold in Cortina d’Ampezzo einzufahren, wie am besten die tückische Schlüsselstelle beim Vertigine-Sprung absolvieren? Der Mühlviertler entschied sich schließlich mit seiner frühen Nummer 5 zu einer ungewöhnlichen Methode und legte im steilsten Abschnitt der Strecke einen 100-Meter-Drift ein ("So etwas bin ich in meinem Leben noch nie gefahren"), um nach diesem Bremsschwung perfekt um die Kurven zu kommen. Das Experiment gelang. Nach dem Super-G-Gold mit sieben Hundertstelsekunden Vorsprung gab es dann auch nach Abfahrts-WM Gold mit exakt einer Hundertstelsekunde Vorsprung. Cortina 2021 waren damit die Spiele des "Vinc" Kriechmayr.

Zwei Jahre später kehrt der nunmehr 31-jährige Oberösterreicher erstmals rennmäßig wieder an die Stätte seiner größten Erfolge zurück. Die beiden Weltcup-Super-G am Samstag und Sonntag sind wiederum die Generalprobe der Speedpiloten für die kommenden Titelkämpfe in Frankreich - am 9. Februar steht in Courchevel der Herren-Super-G auf dem Programm.

Gefahren wird an diesem Wochenende allerdings nicht auf der WM-Strecke Vertigine, sondern auf der traditionellen Damen-Weltcup-Piste Olympia delle Tofane. Zum Wecken der positiven Erinnerungen vor dem Saisonhöhepunkt sollte es für Kitzbühel-Sieger Kriechmayr aber wohl allemal reichen. Allerdings war er zuletzt grippig und musste nach den Kitz-Rennen einen geplanten TV-Auftritt absagen.

"Es ist ein wunderschöner Fleck auf der Welt, es sind schöne Erinnerungen", sagte Kriechmayr. An seine Goldfahrten habe er bei der Anreise aber gar nicht so sehr gedacht. Vielmehr strich er das "unglaublich schöne" Bergpanorama in den Dolomiten hervor. "Natürlich war es ein großer Triumph in meiner Karriere, aber es ist fast zwei Jahre her. Es sind neue Aufgaben vor der Tür, neue Rennen", erklärte der Oberösterreicher. "Für die aktuelle Saison oder die kommenden Rennen spielt das überhaupt keine Rolle."

Odermatt, Danklmaier dabei

Es gibt auch noch zwei weitere "Rückkehrer" in Cortina: Der Schweizer Marco Odermatt kehrt nach einer Woche Verletzungspause im Dolomiten-Nobelskiort wieder ins Wettkampfgeschehen zurück. Abzuwarten bleibt dabei, ob Odermatt die Knieblessur noch behindert, die er sich vergangenen Freitag im Steilhang auf der Streif zugezogen hat. Weil Meniskus und Muskulatur gequetscht waren, ließ der Gesamtweltcup-Führende die zweite Kitz-Abfahrt und den Riesentorlauf in Schladming aus. In Cortina will der 25-Jährige nun wieder starten.

Deutlich länger war die Zwangspause bei Daniel Danklmaier. Der Steirer hatte sich im vergangenen April einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen, bei den Damenrennen vor zwei Wochen in St. Anton war er bereits als Vorläufer im Einsatz. Nach dem Speedtraining in Saalbach-Hinterglemm fiel die Entscheidung, in Cortina das Comeback zu versuchen. "Die Vorfreude ist riesengroß. Es war ein harter Weg zurück, und ich freue mich, wieder bei der Mannschaft zu sein", erklärte der 29-Jährige.

WM-Team im Super G steht

Mit starken Leistungen ist auch der Sprung ins WM-Team noch möglich - schließlich gibt es ja fünf ÖSV-Startplätze. Übermäßig hohe Ziele setzt sich Danklmaier für Cortina aber nicht. "Ich möchte einfach eine gute Leistung zeigen und Spaß am Rennfahren haben." Gelingt ihm kein Husarenritt, dann dürfte das WM-Super-G-Team schon stehen: Marco Schwarz - 19. in Wengen und in Cortina mit dabei - wird so gut wie sicher aufgestellt. So wie die Top-Ten-Fahrer Daniel Hemetsberger (4., 7.), Raphael Haaser (6.) und Stefan Babinsky (9.).