Innsbruck. Die Tournee hat eine triumphale Rückkehr nach Österreich gefeiert. Schön langsam sollte man vielleicht doch darüber diskutieren, den Titel dieser Sprungserie in internationale österreichische Meisterschaften zu ändern. Beim dritten Springen gab es den dritten österreichischen Doppelsieg, in der Tourneegesamtwertung liegen gleich drei Österreicher voran.

Am Innsbrucker Bergisel gewann Andreas Kofler vor Gregor Schlierenzauer, der seine Führung in der Gesamtwertung souverän verteidigte. Es war ein patriotisches Hochamt mit freundlicher Duldung ausländischer Beteiligung. Von den 22.500 Zuschauern hatten nur wenige andere Fahnen als rot-weiß-rote mitgebracht, für nennenswerten Besuch aus dem nahen Deutschland waren die Leistungen der deutschen Springer in den ersten zwei Bewerben zu durchschnittlich.

So konnte sich der nach einem Achillessehnenriss frisch operierte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der sich zum zweiten Durchgang gestützt von Tourneepräsident Alfons Schranz und Tirols Landeshauptmann Günther Platter ganz nach unten in den Kessel des Berg-Isel-Stadions schleppte, an schier grenzenloser Euphorie um seine Sektion nordisch erfreuen.

Zuerst der Pechvogel . . .

Es war nicht nur die überwiegende Mehrheit der Anwesenden patriotisch eingestellt, auch die äußeren Verhältnisse verhielten sich ganz im Sinne der Gastgeber. So zog just zur Entscheidung im zweiten Durchgang eine Schauerfront durch. Sie bescherte Kamil Stoch, dem nach dem ersten Durchgang überlegen Führenden, ebenso widrige Bedingungen wie Daiki Ito, dem letzten verbliebenen Konkurrenten der Österreicher in der Gesamtwertung. Die beiden hatten im zweiten Durchgang keine Chance mehr, Kofler und Schlierenzauer profitierten.

Der Tiroler Kofler, der auf dem Bergisel noch nie auf dem Stockerl gestanden war, hatte sich die guten Bedingungen im zweiten Umlauf aber redlich verdient. Denn im bisherigen Verlauf der Tournee war Kofler, der Titelverteidiger, eher ein Pechvogel. Er hatte zwar nicht ganz so viel Pech wie Simon Ammann, den ein Magen-Darm-Virus so arg schwächte, dass er eher hüpfte als sprang und nach Rang 16 in Innsbruck sogar für das letzte Springen in Bischofshofen am Dreikönigstag absagte.

Doch wenn Kofler bei der Tournee mit dem Wind ein bisschen mehr Glück gehabt hätte, vielleicht würde es nicht 2:1 für Schlierenzauer, sondern 3:0 für seinen Kollegen aus dem Stubaital stehen.

In Oberstdorf wurde der zur Halbzeit führende Kofler von einer Art Luftvakuum zu Boden gesaugt. Bei normalen Bedingungen hätte er da wohl Schlierenzauer zumindest herausfordern können. Und auch in Garmisch, wo selbst der Tourneeführende nicht besonders zufrieden war mit seinen Sprüngen, hatte Kofler Pech mit dem Wind.

. . . nun ein Glückskind

Diesmal, am Bergisel, sollte es anders laufen. Der Wind zeigte sich abermals von seiner ambivalenten Seite, diesmal aber begünstigte er Kofler, der bei guten Verhältnissen im zweiten Durchgang von Rang vier noch zum Sieg sprang. "Die Bedingungen können sich hier immer sehr schnell ändern, und man weiß nie in welche Richtung", sagte Kofler. "Ich hab’ das aber gut wegschieben können."

Schlierenzauer tat das nicht. Die wechselhaften Verhältnisse führten offenbar doch zu einer gewissen Nervosität, schließlich ging es für ihn nicht einfach nur um den Tagessieg und das Verteidigen seiner Gesamtführung in der Tourneewertung. Für ihn war ja auch noch die Million Franken drin, die es für einen Grand Slam, also Erfolgen auf allen vier Schanzen, gegeben hätte.

Koflers Erfolg aber brachte Schlierenzauer um diese Rekordprämie. "Aber die hat mich noch nie interessiert, mein Ziel war immer nur die Tournee. Und da hab’ ich noch immer ein gutes Polster", sagte Schlierenzauer trotzig. Doch vielleicht hat ihn gerade diese Million nervöser gemacht, als er es sonst nach zwei Siegen gewesen wäre, dieses ständige Gerede vom Grand Slam, zehn Jahre nach Sven Hannawald. Am Ende fehlten Schlierenzauer 5,2 Punkte auf Kofler, der Japaner Taku Takeuchi landete überraschend auf Rang drei.

Thomas Morgenstern wurde Sechster und schob sich in der Gesamtwertung auf den dritten Platz vor. "Der Thomas", erklärte Cheftrainer Alex Pointner, "hat bei dieser Tournee noch keinen Fehler gemacht." Aber halt auch ein bisschen Pech gehabt.