Krasnaja Poljana. (apa) Was bei der nächtlichen Fahrt vom Flughafen Sotschi in den Gebirgsort Krasnaja Poljana von der Ferne wie munter tanzende Lichter vor einer netten Hügelkette wirkt, entpuppt sich beim Näherkommen als Beginn einer der längsten Baustellen der Welt. Das ehrgeizig anmutende Projekt ist hell erleuchtet. Im 24-Stunden-Betrieb wird an der Fertigstellung der Eisenbahntrasse und Autostraße gebaut, die bei den Olympischen Winterspielen 2014 die beiden Schauplätze am Schwarzen Meer und in den Bergen verbinden und einen schnellen Transport der Zuschauer ermöglichen soll.

Riesige Stahlkonstruktionen und Brückenpfeiler lassen erahnen, wie mächtig die Infrastruktur werden wird. Freilich bleibt das vorerst der Vorstellung überlassen. Denn der Schienenverlauf ist lückenhaft, immer wieder fehlen hunderte Meter lange Verbindungsstücke. Und noch scheint es schwer vorstellbar, dass dies alles in zwei Jahren, wenn die Spiele eröffnet werden, fertig sein soll und auch nicht akkreditierte Personen die Austragungsstätten der Schnee- und Eiskanalbewerbe in den Bergen gut erreichen können. 50.000 Menschen arbeiten vom Olympiapark in Sotschi bis zur Bergstation der Herrenabfahrt an der Entstehung der Winterspiele.

Alles neu macht Olympia

Denn die Zeit drängt. Binnen weniger Jahre musste die Infrastruktur - von den Sportstätten über die Unterbringungen bis zu den Verkehrswegen - aus dem Boden gestampft beziehungsweise in den Berg gesprengt werden. Die Schätzungen über die Gesamtinvestitionen mussten mehrmals nach oben korrigiert werden und belaufen sich nun auf etwa 24 Milliarden Euro. Dazu kam es wegen Korruptionsvorwürfen und finanziellen Engpässen zu Verzögerungen und zwischenzeitlichen Baustopps.

Für die alpinen Ski-Herren, die am Samstag und Sonntag die ersten und einzigen Weltcuprennen vor den Spielen auf den Olympiapisten bestreiten, endete die 48 Kilometer lange Busfahrt vom Flughafen Adler nach Krasnaja Poljana im Hotel Park Inn - und mit der ersten Überraschung: Denn angesichts der publik gewordenen Probleme in der Vorbereitung und der vielen Baustellen hatte man kaum mit einem so eleganten Hotel mit gutem Service und funktionierendem Internet gerechnet. Zumal das Park Inn, in dem fast der gesamte Tross untergebracht ist, als eines von zwei Hotels, die in der Nähe der Gondel-Talstation den Betrieb aufgenommen haben, erst vor knapp zwei Wochen eröffnet wurde.