Sotschi. "Cool, super cooles Gelände, das ist eine hammermäßige Abfahrt." ÖSV-Herrenchef Mathias Berthold hat sich nach den ersten Trainingsläufen auf der Olympiapiste für 2014 kaum einkriegen können. Am Samstag und Sonntag (jeweils 9 Uhr/MEZ) stehen eine Abfahrt und ein Super G in dem neu gebauten Kaukasus-Ressort auf dem Programm.

Bei Bode Miller hörte sich das Zwischenresümee genau anders an: "Das wäre eine sensationelle Abfahrt, aber es ist genau das Gegenteil", sagt der US-Amerikaner. Das Gelände sei zwar ideal, doch zu viele Tore würden die Abfahrt zu einem Super G machen, die Strecke sei keine Herausforderung und überhaupt müsse man gar kein Risiko mehr nehmen. "Heute fahren alle gleich, sehen gleich aus."

Dennoch gibt es natürlich schnellere und langsamere Fahrer, wobei die Trainingsschnellsten Hannes Reichelt und Georg Streitberger zu den schnelleren bei den bisherigen Läufen zählten, Bode Miller hingegen war langsamer, klassierte sich bei keinem der beiden Läufe in den vorderen Rängen. Doch das ist Training, im Rennen ist Miller stets ein gänzlich anderer.

Gigantisches Projekt

Im Mittelpunkt des Skiwochenendes stehen diesmal aber ohnehin nicht unbedingt die Fahrer. Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen, die unter großen Getöse 2007 an Sotschi vergeben worden waren, sind es vor allem die großen Baustellen in Krasnaja Poljana, dem Skiressort, und Sotschi, die für Aufsehen sorgten.

Ein Projekt so gigantischen Ausmaßes geht immer auf Kosten von Mensch und Natur, das war allen klar. Familien wurden für die Erbauung des 1200 Hektar großen Olympiaareals an der Schwarzmeerküste zwangsenteignet und umgesiedelt. Derzeit beherrschen Kräne und Bagger die Szenerie einer der größten Baustellen der Welt. Fertig werden wird man aber auf jeden Fall, versichert ein Sprecher der Baufirma, die Olympiastadion und Eiskunstlaufhalle errichtet. "Es ist nur eine Frage, wie viele Leute arbeiten", meint er. Derzeit sind es bei den großen Hallen jeweils zwischen 500 und 700 Menschen.

Nicht für die Ewigkeit

Das Athletendorf steht direkt am Meer, Mediencenter für 17000 Personen, Hotels für das IOC, die olympische Familie und Journalisten existieren auf den Plänen und teilweise im Rohbau. Kernstück ist aber der 250 Hektar große Park mit den im Kreis angeordneten Olympia-Anlagen, deren Bau zügig voranschreitet und heuer abgeschlossen werden soll. Noch 2012 sollen Testbewerbe stattfinden. Die Eröffnung des Olympia-Stadions, das 2018 auch Schauplatz der Fußball-WM sein wird, ist 2013 geplant. Das Dach kann geschlossen werden.

In 27 Minuten ist man mit dem Zug von Sotschi im 48 Kilometer entfernten Skiressort. 24 Milliarden Euro kostet das Projekt Olympia, die Errichtung der Infrastruktur macht einen Großteil davon aus, wobei die Sportstätten die Prestigeobjekte sind. Die Hallen für Eiskunstlauf, Curling sowie eine der zwei Eishockeyarenen sind so konzipiert, dass sie nach den Spielen abgebaut und woanders wieder aufgestellt werden können. Noch wird das Gesamtbild von Gerüsten, Baukränen, Stahlpfählen und Schutthaufen geprägt. Um gepflasterte und saubere Wege, Grünflächen mit Blumen und Verschönerungen durch Skulpturen wird man sich erst kümmern, wenn bei den Sportstätten der letzte Schliff vollzogen ist.