Ruhpolding. "Druck", sagt Magdalena Neuner und zuckt mit den Achseln, "Druck ist so ein Wort, so etwas Künstliches. Das darf man nicht immer so negativ sehen." Neuner sitzt bei der Biathlon-WM in Ruhpolding im Pressezentrum und spricht über ihre letzten Titelkämpfe, eine WM in ihrer engeren Heimat Bayern. Die 25-Jährige ist eine der erfolgreichsten Biathletinnen der Geschichte und beendet nach dieser Saison, nach ihrem sechsten vollen Weltcup-Winter, ihre Karriere.

Und da man das mit dem Druck nicht immer so negativ sehen darf, sprach sie im Vorfeld auch sehr offen über ihre Ziele bei der Heim-WM. Man kann nicht sagen, dass sie versucht hätte, die Erwartungen zu dämpfen: "Mein persönliches Ziel sind sechs Medaillen, aber ich hoffe, dass ich sechs Goldmedaillen gewinnen kann. Ich glaube, das ist realistisch. Ich habe bisher eine sehr gute Saison gehabt", sagte sie selbstsicher.

Das mit den sechs Goldmedaillen wird sich nach der Mixed-Staffel am Donnerstag nicht mehr ausgehen, Deutschland holte Bronze. Neuner führte ihre Mannschaft in ihrem Lauf von Rang sechs auf zwei, an der Reaktion ihrer Kollegen erkennt man die Bedeutung Neuners. "Ich bin froh, dass ich Magdalenas Medaillenziel nicht zerstört habe", sagt Arnd Peiffer, der von Platz eins als Schlussläufer noch auf Rang drei zurückfiel. Neuner sagt: "Ich habe gesagt: Arnd, jetzt habe ich endlich meine allererste Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften." Bei anderen mag das arrogant oder größenwahnsinnig klingen, bei der Bayerin wirkt es nachvollziehbar. "Ich habe bei der WM vor einem Jahr fünf Medaillen gewonnen und will mich immer steigern." Sollte es doch nicht so kommen, sei das aber auch nicht weiter tragisch. "Das Wichtigste für mich ist, dass ich nach jedem Wettkampf sagen kann, alles gegeben zu haben."

Keine Lust auf Olympia

Denn auf der Jagd nach Erfolgen braucht Neuner nicht mehr wirklich zu sein. Zweimal gewann sie Olympiagold, zehnmal schon war sie Weltmeisterin. Dazu kommen 32 Einzel- und zwei Gesamt-Weltcupsiege, auch in diesem Winter führt sie die Gesamtwertung wieder an. Zweimal wurde sie schon zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt, doch es ist nicht das Sättigungsgefühl des Erfolges, das sie zu dem Entschluss brachte, ihre Karriere relativ jung zu beenden. "Zum einen sehne ich mich nach Normalität, nach ein wenig mehr Ruhe und danach, einfach mal die Dinge machen zu können, die ich in meinem Sportlerleben nie machen konnte; zum anderen bin ich sehr motiviert, neue Dinge auszuprobieren", schrieb sie kurz nach Saisonbeginn auf ihrer Homepage.