Ruhpolding. Es gibt wahrscheinlich Biathleten, die sich mehr auf diese Titelkämpfe in Ruhpolding gefreut haben als Daniel Mesotitsch. Sicher, die Atmosphäre mit 30.000 Zuschauern sei einzigartig, sagt auch Mesotitsch. Doch ansonsten kann er mit Ruhpolding im Spätwinter nicht viel anfangen. Da ist einerseits die für die WM neuerlich adaptierte Strecke, die dem Kärntner mit ihrem Wechselspiel aus steilen Anstiegen und Abfahrten nicht wirklich liegt. Auch die frühlingshaften Temperaturen, die bei dieser WM herrschen, kommen Mesotitsch nicht wirklich entgegen, alles über minus fünf Grad ist ihm zum Langlaufen eigentlich zu warm.

Dennoch war er am Auftaktwochenende mit Abstand der erfolgreichste Österreicher, zweimal schrammte er mit Rang vier knapp an einer Medaille vorbei. Dabei sind der Sprint über 10 Kilometer und die Verfolgung (12,5 Kilometer) nicht seine Spezialdisziplinen. Er kämpfte trotzdem zweimal um die Medaillen mit. "Zu sagen, ich habe mit dem vierten Platz überhaupt keine Freude, wäre übertrieben, aber bei der WM zählen eben nur die Medaillen", sagt Mesotitsch. Nachdem er schon am Samstag Bronze nur um zehn Sekunden verpasst hatte, verlor er eine Medaille in der Verfolgung erst auf den letzten Metern. Bei zwei Fehlern im Stehend-Schießen wäre sogar mehr möglich gewesen: "Heute war die Chance da, Weltmeister zu werden. Ich habe sie vertan. Wer weiß, wann sie wiederkommt."

Der Lieblingsbewerb des 35-Jährigen, das Einzelrennen über 20 Kilometer, steigt jedenfalls schon am Dienstag (15.15 Uhr/live ORFeins). Da will Mesotitsch Verpasstes nachholen. "Ich glaube schon, dass ich mir eine Medaille schön langsam verdient hätte." Lange genug im Geschäft wäre er jedenfalls, in diesem Winter bestreitet er seine zwölfte Weltcup-Saison. Vier Weltcup-Rennen gewann er bisher, Edelmetall bei Großereignissen gab es bisher nur mit der Staffel.

Später Sparten-Wechsel

Dennoch ist Mesotitsch ein Spezialfall. "So etwas wie mich würde es heute nicht mehr geben", erklärt er. "Ich habe mit 21 Jahren zum ersten Mal ein Gewehr in der Hand gehalten." Ein Umstieg vom Langlauf zum Biathlon im Erwachsenenalter, wie ihn Mesotitsch vollzogen hat, ist heute völlig unüblich geworden. Auch das ist ein Merkmal der zunehmenden Professionalisierung des Sports. Die WM ist ein Gipfelpunkt dieser Entwicklung. Kaum ein Wintersportereignis kann in diesem Winter mit ähnlichem Andrang aufwarten wie die Titelkämpfe in dieser Sportart.

In Deutschland ist Biathlon nicht zuletzt aufgrund der Erfolge des deutschen Skiverbandes mittlerweile mit Abstand der beliebteste Wintersport. Das hat auch international eine Entwicklung in Gang gesetzt, die zu einzigartiger Dichte geführt hat. "Es gibt heute 50 Läufer, die eine Medaille gewinnen können", sagt Mesotitsch. "Das gibt es in keiner anderen Sportart." Er kann auch mit Anekdoten aus der Zeit von vor dem Boom dienen. "Ich bin in Ruhpolding einmal mit fünf Fehlern 15. geworden", erzählt er. Am Samstag landete er ohne Schießfehler nur auf dem vierten Platz. "Früher hat es im Weltcup am Donnerstag immer Athleten-Partys gegeben. Da hat man ein, zwei Bier getrunken und ist am nächsten Tag in den Wettkampf gestartet. Wenn du heute am Donnerstag Party machen willst, wirst du ziemlich alleine sein", sagt er.

Die Professionalisierung hat für die Sportler natürlich auch positive Seiten, für seinen ersten Weltcup-Sieg vor zehn Jahren hat Mesotitsch ein Drittel des nun üblichen Preisgeldes bekommen. Wie lange er weiterlaufen will, weiß Mesotitsch selbst noch nicht. Zwar seien die Olympischen Spiele 2014 ein überlegenswertes Ziel. Doch, "wenn es mich nicht mehr freut, bin ich weg", sagt er. Die ersehnte erste Medaille könnte diesen Prozess unter Umständen beschleunigen.