Altenmarkt. Man könnte auf die Idee kommen, der Sommer von Marcel Hirscher war gewöhnlich. Zumindest für einen Skifahrer und Gesamtweltcupsieger. Trainiert hat er, auf Trainingslager war er, in anderen Sportarten hat er sich ausgetobt, und: "Ich habe das erste Mal Golf gespielt. Bisher habe ich immer gedacht, es ist ein Altherren-Sport, aber es ist eigentlich doch ganz cool." So weit, so unspektakulär.

Doch bei Hirscher ist über den Sommer etwas passiert. Er hat sich, wenn schon nicht neu erfunden, so doch upgedatet. Marcel Hirscher ist nicht mehr nur Gesamt- und Riesenslalom-Weltcupsieger, Marcel Hirscher ist jetzt auch eine Marke. "Mir war wichtig, dass das ganze Paket stimmig ausschaut", sagt der 23-Jährige. Das ganze Paket, das heißt vom Helm bis zum Ski. Und deshalb hat seine Skifirma nun eine exklusive Linie im Marcel-Hirscher-Design herausgegeben.

Die hat der Salzburger am Donnerstag am Atomic-Firmensitz in Altenmarkt im Pongau vorgestellt und weitgehend selbst entworfen. Die Slalom-Ski, die Schuhe und der Helm folgen nun einer von Hirscher selbst erdachten Ästhetik. "Ich habe eine Riesenfreude damit, weil meine Ideen 1:1 umgesetzt worden sind", sagt Hirscher. "Mir war wichtig, dass das Racer-Image auch auf die Ski kommt. Wenn man sich zum Beispiel Motocross-Fahrer anschaut: Da ist alles in einem Design, das taugt mir", erklärt der Weltcup-Sieger.

Alpenidol 2.0

Es ist überflüssig zu erwähnen, dass er im Sommer auch seinem liebsten Hobby, Motocross fahren, nachgegangen ist. Vor knapp einer Woche wurde ein Freund Hirschers, Matthias Walkner, Österreichs erster Motocross-Weltmeister seit 27 Jahren. Es war also ein gutes Jahr für die Draufgänger vom Tennengebirge. Der Kalkstock im Süden der Stadt Salzburg liegt zwischen Walkners Heimatgemeinde Kuchl und Hirschers Heimat Annaberg. So viel sportlichen Glanz hat das Gebirge erst selten gesehen.

Doch Hirscher geht es um mehr, als nur Erfolge zu feiern. "Ich wollte immer mehr als nur Skifahren. Es war mir immer wichtig, dass ich auch so etwas mitgeben kann", erklärt er. Deshalb ist im neuen Design auch ein eigenes Marcel-Hirscher-Logo integriert, das auch von T-Shirts und Hauben prangt. Auch das hat Hirscher selbst entworfen, der Nebenerwerbs-Designer erklärt die Idee: "Meine Initialen sind integriert. Und mit ein bisschen Fantasie sieht man ein kleines Teuferl. Das bin ich vielleicht beim Skifahren auch ein bisschen."

Die Arbeit am Aufbau seiner eigenen Marke hat dem Skifahrer Spaß gemacht. "Kreativ nachdenken habe ich immer ganz gerne gemacht", sagt er. Und: "Die faden Zeiten sind auch im Skifahren vorbei." Bei solchen Worten lacht das Herz des Ausrüsters, der sich von Hirschers Erfolgen und Kreativität einen Verkaufsschub erhofft. Dafür bekommt Hirscher beim Atomic-Medientermin auch seine Privataudienz und darf sich schon zweieinhalb Stunden vor dem Rest des Atomic-Teams präsentieren.

Das selbst entworfene Logo leuchtet selbstredend auch von der neuen Homepage, die zeitgerecht zur Präsentation und vor dem ersten richtigen Schneefall online ging. Dort kann man allerlei Videos, Fotos und Produkte bewundern, und - ganz Alpenidol 2.0 - auch die Fans dürfen ein bisschen mitreden. Auf die Frage eines Reporters, ob denn die zum Symbol gewordene grüne Haube im neuen Design noch Platz habe, sagt Hirscher: "Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, ich werde das die Fans auf Facebook entscheiden lassen. Welche Haube mehr Likes bekommt, wird es dann."

Bei seinem tatsächlichen Arbeitsgerät, den Skiern, lässt sich Hirscher nicht dreinreden. Und verrät, dass die Latten selbst gar nicht so revolutionär sind. "Das Innenleben des Skis ist zu 90 Prozent das alte", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", "denn das hat sehr gut funktioniert. Wir haben nur Kleinigkeiten verändert. Die größte Änderung ist das Design." Aufgrund der Tatsache, als Titelverteidiger im Gesamt-Weltcup in einen Winter mit Heim-WM zu gehen, ist er bemüht, nicht zu große Erwartungen zu wecken. "Die WM ist sehr, sehr weit entfernt für mich", sagt er und spricht davon, zunächst damit zufrieden zu sein, auf Anhieb wieder unter den Top Zehn zu landen. Sein Understatement hat sich Hirscher über den Sommer also behalten. Das Update betraf auch bei Hirscher mehr die Hülle als den Inhalt.