Wien. (sir) Die Olimpia III im Fleimstal ist keine sonderlich anspruchsvolle Skipiste, und doch wird es einigen Läufern vermutlich etwas flau im Magen, wenn sie an diese Piste denken, die sie am Sonntag zu bezwingen haben. Zum besseren Verständnis: Es handelt sich um Skilangläufer, und sie müssen die Olympia III von unten nach oben bezwingen, das ist doch eine entscheidende Erschwernis.

Vor sechs Jahren wurde das Etappenrennen Tour de Ski erstmals ausgetragen und stets endete sie hier, im WM-Ort Val di Fiemme, auf dem "Final Climb", wie das Teilstück offiziell heißt. Dabei müssen Frauen und Männer neun Kilometer bezwingen, das letzte Drittel der Strecke ist der finale, steile Anstieg.

Auf der Olimpia III endeten auch jedes Jahr die Hoffnungen der Norweger, die Tour de Ski zu gewinnen. Weder Petter Northug bei den Herren, noch Marit Björgen bei den Damen haben sich bisher krönen können, wobei Björgen zweimal auf die Tour de Ski wegen anstehender Großereignisse verzichetete und heuer wegen Herzproblemen fehlt.

Doch bei Northug liegt die Sache ein wenig anders, denn der Olympiasieger und Weltmeister will immer alles gewinnen, und mit jedem weiteren Jahr des Scheiterns will er es noch ein bisschen mehr. Deshalb ist der Ehrgeizler in Norwegen auch nicht immer unumstritten.

Doch für die Tour de Ski, die sich medial gegen die Vierschanzentournee und die Alpinen zu behaupten versucht, ist die größer werdende Sehnsucht der Norweger fast schon ein Segen. Sie schafft Dramatik.

Für diese Auflage des Etappenrennens mietete Northug einen Bus, der schon AC/DC auf Tournee begleitet hatte; alles für die bestmögliche Erholung, alles für den Gesamtsieg. Langsam erinnert Northug an Sisyphos: Er versucht es immer wieder - und scheitert auch immer wieder.

Cologna in besserer Position

Nach fünf von sieben Etappen liegt Northug zwar in Führung - jedoch nur 16 Sekunden vor dem Schweizer Dario Cologna. Am Freitag wurde der Norweger über fünf Kilometer klassisch Zweiter, zwei Zehntel vor Cologna, was ihm zusätzlich fünf Bonussekunden für die Gesamtwertung einbrachte. Doch am Samstag muss Northug über 15 Kilometer klassischen Stil weitere paar Sekunden herausholen, denn auf dem Anstieg im Fleimstal ist Cologna für den Norweger wohl nicht zu bezwingen. Zwar hat Northug schon 15 Medaillen bei Großereignissen gewonnen und der Schweizer erst eine einzige, doch Cologna ist eben ein Allrounder und für die Tour de Ski der perfekte Mann. Dreimal hat er sie bereits gewonnen.

Bei den Damen ist die Polin Justyna Kowalczyk sein Pendant mit drei Siegen, und auch sie führt zwei Etappen vor Schluss, allerdings beträgt ihr Vorsprung schon mehr als eine Minute. Vermutlich wird Therese Johaug, der besten Kletterin im Feld, nur Platz zwei bleiben. Wieder kein norwegischer Sieg? Dann eben im nächsten Jahr.