Schladming. Es ist jener Bewerb, in dem Anna Fenninger die größten Medaillenchancen hat. Zugleich aber ist der WM-Riesentorlauf der Damen am Donnerstag in Schladming (10/13.30 Uhr) auch jenes Rennen, in dem es die meisten Anwärterinnen auf einem Podiumsplatz gibt. Eine Überraschungsweltmeisterin gilt aber als unwahrscheinlich, zumal der Riesentorlauf auf dem steilen und eisigen Herren-Hang in Szene geht, der schon beim Weltcupfinale vor einem Jahr den Läuferinnen alles abverlangt hat - auch, wenn der Kurs diesmal um zehn Tore kürzer ist.

"Ich erwarte, dass wir eine Medaille holen, obwohl wir auch nur zwei ganz Starke haben. Kathrin Zettel und Anna Fenninger sind absolut im Favoritenkreis. Die anderen sind aber auch nicht so weit weg, es ist auch für sie was möglich", glaubt ÖSV-Damen-Cheftrainer Herbert Mandl. Das ÖSV-Quartett komplettieren nach einer internen Qualifikation die "Eis-Liebhaberin" Elisabeth Görgl und Teamweltmeisterin Michaela Kirchgasser. Während es die beiden im Weltcup nur einmal unter die Top-Ten geschafft haben, gelang Fenninger in dieser Disziplin am Semmering ein Weltcup-Sieg - auch Zettel gilt mit zwei zweiten Plätzen als seriöse Medaillen-Anwärterin. Insgesamt kommen für Mandl gleich sieben bis acht Läuferinnen für Gold infrage, für die Medaillen an die zehn. "Da herunter musst du echt Skifahren können", weiß er.

Die große Favoritin auf Gold ist und bleibt allerdings Tina Maze: Die Slowenin ist in ihrer Paradedisziplin nicht nur Titelverteidigern, sondern hat den Weltcup mit vier Siegen en suite bisher dominiert; und nach dem Weltmeistertitel im Super G und Silber in der Super-Kombination kann die 29-Jährige einigermaßen locker ins Rennen gehen - zumal sie am Dienstagabend auch den Teambewerb ausgelassen hat. Spannend wird allerdings sein, wie sie die Enttäuschung über die Pleite in der Abfahrt (Rang sieben) und den knapp verpassten, fix eingeplanten Kombinations-Weltmeistertitel wegstecken kann. Immerhin fehlt der Slowenin noch eine Goldene, um ihr persönliches Ziel für Schladming zu erreichen.

Fenninger entfloh Rummel


Mit derlei Luxusproblemen darf sich Fenninger in Schladming nicht herumschlagen - nach zwei Ausfällen und der Enttäuschung in der Abfahrt kämpft die Salzburgerin in ihrer stärksten Disziplin um die letzte Chance auf Edelmetall. "Normal sollte mir der Hang liegen. Meine Technik passt", macht sich die 23-Jährige Mut. Den Strapazen der Heim-WM entfloh die Salzburgerin zuletzt für zwei Tage Richtung Heimat, um die Akkus wieder aufzuladen. "Das Schlechteste wäre, dass ich mich von dem runterziehen lasse, das darf ich auf keinen Fall machen. Deswegen bin ich heimgefahren und habe versucht, wieder einen Knopf zu finden, der Reset heißt, um da weiterzumachen, wo ich war - und das ist gut skifahren. Ich hoffe, ich habe ihn gefunden." Außer Fenninger gewannen heuer auch die deutsche Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg und die US-Amerikanerin Lindsey Vonn einen Weltcup-Riesentorlauf, Letztere ist nach ihrer Knieverletzung aber bereits abgereist. Die Französin Tessa Worley muss man ebenfalls auf der Rechnung haben.

Auch Zettel ist dem WM-Rummel zwei Tage entflohen - und bleibt nun zurückhaltend: "Eine Medaille ist nicht unmöglich, ich mache mir aber keinen Druck. Sicher wünscht sich Österreich Medaillen, aber das ist kein Kinderspiel."