Lago di Tesero. (art) Als Therese Johaug die Ziellinie überquerte, musste natürlich als Erstes der Körper in den Schnee gewuchtet werden. Dergestaltete Jubelzeremonien sind ja nicht nur bei den Alpinen längst salonfähig - wenngleich Anja Pärsons Bauchflecke eher in beängstigender Erinnerung sind -, sondern haben auch bei den Langläufern Tradition. Dass es sich bei Johaug, die in diesem Moment registriert hatte, dass sie sich soeben zur Weltmeisterin über 10 Kilometer Skating gekürt und dabei auch ihre große Landsfrau Marit Björgen hinter sich gelassen hatte, schlicht um Erschöpfung handelte, braucht man indessen gar nicht erst zu glauben. Wieder in der Höhe, hatte sie immerhin noch die Kraft, wild herumzuhüpfen, und den Atem für ohrenbetäubende Quietschtöne. Die Kameras klickten unaufhörlich, den Medien gefällt’s.

Johaug, Nebenerwerbsmodel und -designerin sowie einst mit einem umstrittenen Video in den Schlagzeilen, in dem sie samt Teamkolleginnen in Unterwäsche tanzte, weiß, wie man sich vermarktet. Und sie ist - nicht nur, aber auch deswegen - ein Segen für den Langlauf, der jahrelang und vor allem bei Großereignissen von der vergleichsweise eher spröde daherkommenden Björgen dominiert wurde. In Oslo vor zwei Jahren war die Grande Dame des Sports mit vier Goldmedaillen die erfolgreichste Titelsammlerin der WM, nur in einem Rennen war es einer anderen Athletin gelungen, ihr Gold abzuluchsen: Es war Therese Johaug über 30 Kilometer.

Nun ist die 24-Jährige drauf und dran, endgültig aus dem Schatten ihrer norwegischen Landsfrau zu treten - wenngleich "Die Königin ist tot, es lebe die Königin"-Rufe eher unpassend sind. Im Val di Fiemme hat Björgen ihrer eindrucksvollen Trophäensammlung immerhin schon zwei Goldmedaillen im Sprint und Skiathlon sowie nun Silber über 10 Kilometer hinzugefügt, was umso bemerkenswerter ist, als sie im Dezember wegen Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus und eine Pause einlegen musste.

Gutes Rennen von Stadlober

Ein freiwilliger Rücktritt kommt für sie noch nicht in Frage, das große Ziel sind die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi. Dass sie dann schon kurz vor ihrem 34. Geburtstag stehen wird, dürfte kein Hindernis sein, im Langlauf schützt ein ansonsten eher gesetzteres Sportleralter nicht vor Siegen. Die meisten erreichen ihre größten Erfolge erst um die 30.

Johaug fällt da freilich etwas aus dem Rahmen. Schon in jungen Jahren galt sie den Norwegern, die ohnehin über ein schier unerschöpfliches Reservoir an Spitzenlangläufern verfügen, als eine Art Wunderkind, bei ihrem ersten Weltcup-Einsatz mit 18 Jahren lief sie als Achte gleich einmal in die Top Ten. Und mit Bronze 2007 machte sie sich zur jüngsten Medaillengewinnerin der WM-Geschichte in dieser Sportart. Deshalb gibt Teresa Stadlober, Österreichs einziger Beitrag in diesem Rennen und gute 26. als Vorbild auch Johaug und nicht etwa Björgen an. Wenngleich die 20-Jährige mit den Erfolgen ihres Idols noch nicht mithalten kann, gibt es durchaus Parallelen: Beide waren mit 19 Juniorenweltmeisterin, beide sind eher zierliche Läuferinnen. "Wir sind vom Typ her ähnlich, sie geht auch nicht so in Richtung Kraft", sagt Stadlober. Die Salzburgerin, die mit ihrem Auftritt zufrieden war ("Ich habe das Tempo gut durchgehalten"), freute sich daher auch mit der neuen Weltmeisterin: "Ich vergönne ihr den Sieg voll - Björgen hat ja eh schon zehn Goldmedaillen."