Lago di Tesero. Man möchte es kaum glauben in einem Land, in dem der Sportchauvinismus bisweilen seltsame Blüten treibt. Aber manchmal gibt es sie doch, diese Momente, deren historische Komponente bei aller Euphorie sogar ein bisschen untergeht. Der 26. Februar 1999 war ein solcher Tag: Christian Hoffmann sprintet den Norweger Thomas Alsgaard auf der Ziellinie der WM nieder, die 40.000 Fans in Ramsau wacheln aufgeregt mit den rot-weiß-roten Fahnen, die TV-Kommentatoren hyperventilieren. Österreich ist Staffel-Weltmeister im Langlauf, ist - und das ist es vor allem, was zählt - Sieger über die als unschlagbar geltenden Norweger.

Bis heute ist das seitdem keiner anderen Staffel bei Weltmeisterschaften gelungen. In den darauf folgenden Jahren waren die Norsker wieder souverän, teilweise so souverän, dass es für die Konkurrenz schon unlustig wurde. Vor zwei Jahren in Oslo sorgte etwa Petter Northug als Schlussläufer für verzwickte Mienen, als er bei großem Vorsprung kurz vor dem Ziel quer stellte und seelenruhig über die Linie stapfte. Es war ein Affront gegen den schwedischen Erzrivalen. Nicht ganz so schlimm war es an diesem Freitag im Val di Fiemme, doch wieder zog Northug im Finale am Schweden Calle Halfvarsson vorbei und glitt ohne weitere Anstrengung über die Linie. Northug ist damit neunfacher Weltmeister und schloss damit zum bisher erfolgreichsten männlichen WM-Teilnehmer, seinem Landsmann Björn Daehlie, auf. Am Sonntag über 50 Kilometer ist er Titelverteidiger.

Der Glanz der österreichischen Goldmedaille hat dagegen mittlerweile nicht nur den Staub von 14 seitdem vergangenen Jahren, sondern auch erhebliche Kratzer abbekommen. Es war die Zeit von Cheftrainer Walter Mayer, der mittlerweile wegen Verstößen gegen das Anti-Doping-Gesetz, wenn auch zu einem späteren Zeitpunkt, erstinstanzlich verurteilt ist, und des 2011 ebenfalls wegen Dopings gesperrten Christian Hoffmann.

Doping. Dieses Stichwort hat freilich nicht nur dem österreichischen Langlauf nachhaltigen Schaden zugefügt, der erst langsam wieder behoben wird. Es begleitet vielmehr den gesamten Sport schon lange, auch während der am Sonntag mit dem krönenden Höhepunkt der 30- und 50-Kilometer-Rennen bei Damen und Herren zu Ende gehenden WM war es wieder allgegenwärtig.

Vorwürfe gegen Daehlie

Zwar gab es keine positiven Dopingtests, doch eine in Schweden ausgestrahlte Dokumentation sorgte für Unmut beim Erzrivalen. In der Sendung wurden schwere Vorwürfe gegen Stars der Neunziger gerichtet, vor allem die Anschuldigungen gegen den vielfachen Olympiasieger und Weltmeister Björn Daehlie, der in Norwegen im Rang eines Nationalheiligen steht, trafen die stolze Langlauf-Nation mitten ins Herz.