Oslo. (man) Als die Ski Crosser bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver ihr Debüt im Olympischen Programm gaben, waren sie die heimlichen Stars der Spiele. Die TV-Quoten für die Skirennen mit Körperkontakt waren überraschend gut, die Bewerbe entstaubten das Programm der Spiele mit ihren überwiegend traditionellen Wintersportarten. Ski Cross, so hieß es, könnte dem Skisport den Weg in die Zukunft weisen. Der Weltcup wurde professionalisiert, und als im Herbst 2010 der Privatsender Puls4 in Österreich die Live-
Rechte für die Weltcup-Rennen übernahm, schien sich die für Olympia sprunghaft angestiegene Aufmerksamkeit zu konsolidieren.

Dem ist aber nicht so. Wenn die Ski Crosser am Sonntag in Voss als abschließender Höhepunkt der Freestyle-WM ihre Weltmeister küren, dann geschieht das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dabei handelt es sich um die letzten Titelkämpfe vor der Rückkehr auf die große Bühne, in einem Jahr wird in Sotschi bereits wieder um olympische Medaillen gekämpft.

Viele Zuschauer werden sich in den kleinen Ort in der norwegischen Einöde aber nicht verlieren, Fernsehzuschauer können nur über den Spartenkanal Eurosport 2 dabei sein. Österreichs größte Medaillenhoffnung ist der Silbermedaillengewinner von Vancouver, Weltmeister und Weltcupsieger Andreas Matt, die einzige Saisonsiegerin aus Österreich, Andrea Limbacher, fehlt verletzt. Puls4 hat seine Übertragungen ein Jahr vor Ablauf der Rechte mit Beginn dieses Winters eingestellt. Unter diesen Voraussetzungen ist eine Vertragsverlängerung wenig wahrscheinlich.

Und noch bevor die Sportart unter dem Dach des Internationalen Skiverbands (FIS) tatsächlich den Durchbruch geschafft hat, kommt Ski Cross bei seinen Erfindern in Bedrängnis. Bei den X Games des amerikanischen Sportsenders ESPN, der hochwertigsten Veranstaltung für Trendsportarten, flog Ski Cross nach 15 Jahren gemeinsam mit Snowboard Cross aus dem Programm.

Der Erfolg bei den X Games war ein entscheidender Faktor, um es überhaupt ins Olympia-Programm zu schaffen. Jetzt haben die Macher des Trendsport-Mekkas selbst die Lust verloren. "Für diese Entscheidung gibt es nicht einen einzelnen Grund. Aber wir zeigen das, von dem wir glauben, es ist das Beste für Publikum und Fernsehen", sagte der zuständige Direktor Tim Reed. Die Einsparungen durch den Wegfall des aufwendigen Cross-Kurses dürften ein entscheidender Faktor gewesen sein.

Auch der Gemeinde Oberndorf in Tirol, der einzigen österreichischen Weltcup-Station, wurde das Spektakel zu teuer. Der Bewerb fand heuer erstmals nach zehn Jahren nicht statt. Oberndorf war mit einem Nachtrennen und 5000 Besuchern so etwas wie der Klassiker unter den Ski-Cross-Orten. Der Unfalltod des Kanadiers Nick Zoricic beim Weltcup-Finale vor einem Jahr sorgte zudem in der gesamten Sportart für eine Sicherheitsdiskussion.

So finden sich die Ski Crosser gemeinsam mit den Snowboard Crossern unter dem wenig geliebten Dach des Internationalen Skiverbandes als Mauerblümchen wieder. Der altehrwürdige Verband der Nordischen und Alpinen ist nicht gerade für seine gelungenen Marketingaktivitäten bekannt und scheitert mittlerweile seit Jahrzehnten daran, den Freestylern und Snowboardern einen würdigen Rahmen zu geben. Dass die FIS kein goldenes Händchen für Reformen hat, hat sie im nordischen und Alpinbereich schon oft genug bewiesen, wie die Alpin-Beispiele Super-Kombination und Teambewerb zeigen.

Der kommende Winter ist vielleicht schon eine der letzten Chancen, Ski Cross auch abseits der Olympischen Spiele zu etablieren. Schließlich wird die Aufmerksamkeit aufgrund der Chance auf Olympia-Medaillen während des gesamten Winters höher sein.