Titisee-Neustadt. Die Freude über den Sieg beim Skisprung-Weltcupbewerb am Samstag in Titisee-Neustadt währte nicht lange. Thomas Morgenstern stürzte 24 Stunden später nach der Landung bei 141 Meter schwer und wurde mit Schmerzen im Brustkorb und an der Hand zu genaueren Untersuchungen in die Uniklinik Freiburg geflogen.

Das Schicksal des Kärntners überschattete die spannende Konkurrenz, die sich der polnische Weltmeister Kamil Stoch sicherte. Gregor Schlierenzauer belegte als bestplatzierter Österreicher den achten Rang. Der Pokalverteidiger behielt damit die Weltcup-Führung vor dem nun 42 Punkte zurückliegenden und am Sonntag ex aequo achtplatzierten Deutschen Severin Freund. Dieses Duo war im ersten Durchgang nach dem Sturz Morgensterns noch am Ablauf gestanden.

Kurz Bewusstsein verloren

Morgenstern hatte am Samstag seinen ersten Sieg seit fast zwei Jahren und den insgesamt 23. gefeiert. Die Freude und Erleichterung beim Schützling von Stützpunkttrainer Heinz Kuttin war wenige Wochen vor dem ersten Saisonhöhepunkt entsprechend groß. Auch im zweiten Bewerb flog der Kärntner sehr weit, bei der Landung bei der drittgrößten Weite touchierten aber die Skienden, der linke, schief aufkantende Ski zog weg und Morgenstern hatte keine Chance, den Sturz zu vermeiden.

Er überschlug sich seitlich mehrfach und verlor offenbar kurz das Bewusstsein. Im Schock rappelte sich Morgenstern auf, fiel aber nach ein paar Schritten wieder in den Schnee. Bei der Erstversorgung im Sanitätszelt an der Schanze war der Kärntner ansprechbar, verspürte nach Aussage von Cheftrainer Alexander Pointner aber starke Schmerzen. Der Ski verursachte zudem Cuts im Gesicht des dreifachen Olympiasiegers.

Entwarnung nach ersten Untersuchungen

Nach den Untersuchungen Morgensterns im Spital in Villingen-Schwenningen gab es von ÖSV-Seite Entwarnung. Erste Diagnosen ließen vermuten, dass der Kärntner relativ glimpflich davongekommen sei, hieß es in einer Aussendung.

Bei der Computertomographie wurden schwere Prellungen und Blutergüsse am ganzen Körper und ein Fingerbruch an der rechten Hand diagnostiziert. Dazu erlitt der Skispringer des SV Villach Cuts und Abschürfungen im Gesicht. Morgenstern sollte noch in der Nacht ins Klagenfurter Privatkrankenhaus Altis überstellt werden. Dort wird er am Montag nochmals genau untersucht. Danach wird es erste Aufschlüsse über die Dauer der Zwangspause geben.

"Danach sind alle Lichter ausgegangen"
"Ich kann mich nur noch erinnern, wie Klitschko zu einem Schlag ausgeholt hat. Danach sind alle Lichter ausgegangen", wurde Morgenstern zitiert, dem schon wieder zum Scherzen zumute war. "Ich habe überall am Körper ziemlich heftige Schmerzen, hoffe aber, dass es wirklich nichts Gröberes hat. Ich kann mir aber vorstellen, dass die nächsten Tage ziemlich mühsam werden könnten."

Für Cheftrainer Alexander Pointner war es vor allem wichtig, dass Morgenstern keine schweren Verletzungen erlitten hat. Man müsse nun abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. "Thomas hat in den letzten Monaten zahlreiche Prüfungen gemeistert und steht jetzt gefestigt mit zwei Beinen im Leben. Er wird auch diese Situation meistern, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Jetzt wünschen wir ihm eine möglichst schnelle Genesung", erklärte Pointner.