Der neue Liebling der Massen: Garmisch-Sieger Thomas Diethart kommt als Vierschanzentournee-Leader zu den beiden abschließenden Springen nach Österreich. - © ap/Kerstin Joensson
Der neue Liebling der Massen: Garmisch-Sieger Thomas Diethart kommt als Vierschanzentournee-Leader zu den beiden abschließenden Springen nach Österreich. - © ap/Kerstin Joensson

Innsbruck. Zur Halbzeit der 62.Vierschanzentournee ist der Kampf um den begehrten Titel zu einem Dreikampf geworden. Dabei hat man mit allen drei Anwärtern auf den Gesamtsieg vor dem Beginn der Tournee nicht unbedingt rechnen dürfen: nicht mit dem von einem Sturz noch gezeichneten Kärntner Thomas Morgenstern; nicht mit dem zu wenig konstanten und bei der Tournee stets glücklosen Schweizer Simon Ammann; und schon gar nicht mit dem bis zu den Springen in Engelberg völlig unbekannten Thomas Diethart aus Niederösterreich.

Doch nach dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen sieht es anders aus. Diethart führt 11,5 Punkte vor Morgenstern und 13 vor Ammann. "Ich hätte darüber gelacht und gesagt, schön wäre es", meinte der Sensationssieger Diethart nach seinem ersten Weltcupsieg im erst sechsten Antreten. Auch er selbst hätte sich nicht erträumt, dass er mit zarten 21 Jahren einen derartigen Höhenflug erleben würde. Noch vor wenigen Tagen war schon seine Nominierung ins ÖSV-Team die große Überraschung gewesen. Nun hat Diethart gar die Chance, bei seiner ersten vollen Tournee gleich den Sieg zu holen und dem bereits aus dem Rennen um den dritten Titel en suite ausgeschiedenen Gregor Schlierenzauer nachzufolgen.

"Momentan funktioniert alles. Es läuft einfach und macht einen Riesenspaß", wiederholt Diethart gebetsmühlenartig. Immer wieder muss er der rätselnden Fachwelt erklären, wie eine solche Leistungsexplosion möglich ist. Selbst Skisprung-Legende Toni Innauer, der als ZDF-Experte die Tournee begleitet, war erstaunt. "Er ist in jeder Hinsicht ein Weltklassemann im Moment, so etwas gibt es nur im Skispringen."

Selbst die Aussicht auf noch weit größere Aufmerksamkeit und damit Druck bei den kommenden beiden Springen in der Heimat macht ihm keine Angst. "Ich freue mich auf Innsbruck. Die Schanze liegt mir und ist seit heuer meine Heimschanze", meint der vor kurzem nach Matrei übersiedelte Tullnerfelder. Er glaubt sogar fest daran, den Lauf fortsetzen zu können: "Wenn ich so locker bleibe, wie ich momentan bin, ist sicher noch einiges drinnen."

"Favoritenrolle nicht leicht"


Die Gegner sind allerdings nicht nur an Jahren, sondern auch an Erfolgen weit erfahrener: Insgesamt sieben Olympia-Goldmedaillen haben Simon Ammann (vier Mal im Einzelbewerb) und Thomas Morgenstern (ein Mal im Einzel, zwei Mal im Team) schon gewonnen.

Vor allem Morgenstern hat nach seinem Krisenjahr und dem schlimmen Sturz in Titisee-Neustadt wieder Lunte gerochen. "Es ist auch für mich sehr emotional. Speziell nach dem Sturz war es wichtig, dass ich so schnell wie möglich wieder auf die Schanze komme, damit ich gewisse Ängste bekämpfen kann", so Morgenstern. Garmisch sei nicht unbedingt seine Lieblings-Schanze, dennoch sei es vom ersten Sprung weg gut gegangen. "Es baut sich von Sprung zu Sprung mehr Sicherheit auf. Und jetzt kommen in Innsbruck und Bischofshofen Schanzen, die mir taugen. Es wird eine spannende zweite Tourneehälfte."

Doch dem sechsten Tournee-Sieg en suite eines ÖSV-Adlers könnte Ammann in die Quere kommen: Der kleine Mann aus Unterwasser könnte diesmal endlich seinen Traum wahr machen und die ihm noch fehlende Tournee gewinnen. "Es war sehr wichtig, dass ich aufs Podest gekommen bin. Hier kommt immer ein Österreicher daher, diesmal waren es zwei", sagte der Schweizer, der sich bewusst ist, dass es gegen die "zwei Thomas" aus Österreich schwer werden wird.

Ammann warnte allerdings psychologisch nicht ungeschickt: "Wenn man in der Favoritenrolle ist, dann ist das nicht so einfach, wie man sieht." Denn nach seinem Auftaktsieg in Oberstdorf war er der Top-Favorit gewesen.

Allerdings ist fraglich, ob das dritte Springen wirklich am Bergisel stattfinden kann, denn für Samstag ist ein Föhnsturm mit bis zu 100 Stundenkilometern angesagt. Bereits 2008 musste der Bewerb wegen zu starken Windes nach Bischofshofen verlegt werden, wo erstmals zwei Springen ausgetragen wurden. Die möglichen Alternativen im Falle einer Absage sollten am Donnerstagabend in einer Mannschaftsführersitzung besprochen werden.