Bad Mitterndorf. Thomas Morgenstern wird weiter vom Pech verfolgt: Der dreifache Olympiasieger stürzte am Freitag im zweiten Trainingsdurchgang für den Skiflug-Weltcup am Kulm im steirischen Bad Mitterndorf neuerlich schwer. Morgenstern zog es kurz nach dem Absprung den linken Ski weg, er verlor die Kontrolle und fiel aus mehreren Metern Höhe auf Rücken und Kopf. Nach kurzer Bewusstlosigkeit konnte er bei der Erstversorgung Arme und Beine bewegen und war ansprechbar. Dabei erlitt er eine schwere Kopfverletzung und eine Lungenquetschung. Laut dem behandelnden Arzt Josef Obrist, Primar am Salzburger Unfallkrankenhaus, sei der Kreislauf des Olympiasiegers stabil. "Er befindet sich durchaus in kritischem Zustand und muss ständig überwacht werden", sagte Obrist. Es bestehe aber keine Lebensgefahr.

Morgensterns Sportkarriere verläuft im Olympia-Winter wie auf einer Achterbahn. Am 14. Dezember feierte er in Titisee-Neustadt seinen ersten Sieg seit fast zwei Jahren, tags darauf stürzte er nach dem Aufsprung schwer. Von den Blessuren - schweren Prellungen und Blutergüssen sowie einem Fingerbruch - erholte er sich rasch und schaffte ein erfolgreiches Comeback bei der Vierschanzentournee, wo er hinter Thomas Diethart Zweiter wurde. Nun war er mit großen Erwartungen zum Kulm gekommen, wo er 2006 bei der Skiflug-WM Bronze geholt hatte. "Ich bin selten in meiner Karriere mit so gutem Selbstvertrauen zum Skifliegen gekommen wie jetzt", hatte der Kärntner noch am Donnerstagabend im Teamhotel in Tauplitz versichert. Vielleicht mit zu viel Selbstvertrauen, das ihn zu hohes Risiko eingehen ließ, wie Skisprung-Experte Armin Kogler als Ursache für den Sturz annahm. Denn eine tückische Windbö, der beim Skifliegen schon viele zum Opfer gefallen sind, dürfte diesmal nicht schuld an dem Horrorsturz gewesen sein.

Im ersten Trainingsdurchgang erreichte Morgenstern mit 196,5Metern die zweitgrößte Weite, doch beim zweiten Versuch um 13 Uhr passierte es: "Wir müssen es erst analysieren, aber offenbar haben sich die Ski kurz berührt. Da werden so große Kräfte frei, die man nicht mehr regulieren kann. Da sind der Athlet und der Trainer machtlos", sagte ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner. Morgenstern schlug rücklings am Ende des Vorbaus auf und stürzte sich überschlagend den steilen Aufsprunghügel hinunter. Dabei verlor der 27-Jährige das Bewusstsein; bei der Erstversorgung war Morgenstern aber wieder ansprechbar. "Er konnte Arme und Beine bewegen und hat mich gefragt, was passiert ist", sagte Physiotherapeut Herbert Leitner. Morgenstern wurde zu Untersuchungen ins Salzburger Unfallkrankenhaus gebracht.

Fast nebensächlich das Ergebnis der Qualifikation: Der slowenische Skiflug-Weltmeister Robert Kranjec war der Weiteste (194,5), bester Österreicher wurde Wolfgang Loitzl als Vierter (189).