Salzburg/Bad Mitterndorf. Die Genesung von Thomas Morgenstern nach seinem fürchterlichen Sturz am Freitag beim Skifliegen am Kulm hat die erhoffte positive Entwicklung genommen. Wie Josef Obrist, Primar des Unfallkrankenhauses Salzburg, am Montagvormittag vor versammelter Presse erklärte, habe es bei Morgenstern nicht nur eine komplette Rückbildung der Gehirnblutung, sondern auch der Lungenquetschung gegeben - die Akutphase sei nun vorbei. Und: Sollte die Genesung weiter so fortschreiten, ist selbst ein Comeback bei Olympia in Sotschi nicht ausgeschlossen; der erste Bewerb findet am 9. Februar auf der Normalschanze statt.

Via Facebook meldete sich Morgenstern bereits wieder zu Wort: "Ich bin unendlich dankbar, das Ganze soweit überstanden zu haben. Und ich bin sprachlos über die vielen Genesungswünsche. So gut es geht, versuche ich, mir möglichst viele davon anzusehen, das gibt mir Kraft."

Morgenstern wurde wegen seiner schweren Kopfverletzungen seit Freitagnachmittag auf der Intensivstation in Salzburg behandelt. Nach einer weiteren Kontrolluntersuchung Montagfrüh waren die Ärzte mit der Entwicklung sehr zufrieden. "Wir können definitiv Entwarnung geben", erklärte Obrist. Die Gefahr einer Gehirnschwellung und weiterer Blutungen sei gebannt, betonte Wolfgang Völckel, der Leiter der Anästhesie und Intensivmedizin.

Klar ist damit auch, dass der dreifache Olympiasieger bei seinem Horrorsturz offenbar tausend Schutzengel hatte - der Aufprall auf Kopf und Nacken aus mehreren Metern Höhe hätte nämlich auch schwere Rücken- oder Wirbelverletzungen zur Folge haben können. In ähnlichen Fällen sind in der Vergangenheit auch schon Querschnittslähmungen passiert. "Wenn man die Geschwindigkeit (mehr als 100km/h, Anmerkung) und die Sturzhöhe berücksichtigt, hätte das auch schlimmer ausgehen können", erklärte ÖSV-Teamarzt Jürgen Barthofer.

Morgenstern soll jetzt noch bis Ende der Woche im UKH Salzburg behandelt und danach in die Klagenfurter Privatklinik Mariahilf verlegt werden. "Dort wird die weitere physische und Neuro-Rehabilitation erfolgen", erklärte Barthofer. Zudem werde eine Aufarbeitung des Sturzes aus sportpsychologischer Sicht durchgeführt. Das dortige Ärzteteam betreut und kennt Morgenstern seit langem und hat ihn auch nach seinem Sturz vom 15. Dezember in Titisee-Neustadt versorgt.

Laut Cheftrainer Alexander Pointner kehrt beim 27-jährigen Kärntner langsam die Erinnerung zurück - Morgenstern wisse etwa nun wieder um den Ausgang der Vierschanzentournee. "An den Sturz kann er sich nicht erinnern, er hat ihn sich aber schon selbst angeschaut. Das gehört zum Genesungsverlauf dazu", erklärte Pointner. "Ich habe mich sehr gefreut, dass ich in seinen Gesichtszügen eine gewisse Erleichterung erkennen konnte." Pointner sieht in der Ursache des Sturzes vom Freitag eine "Verkettung ungünstiger Umstände" - angefangen mit einem leichten Zusammenprall der Skienden unmittelbar nach dem Absprung.

Schlierenzauer wieder stark

Pointner will nun nichts überstürzen, zumal er bis 27. Jänner Zeit hat, sein fünfköpfiges Olympia-Aufgebot zu nominieren. "Wenn ich den Eindruck habe, dass er bereit ist, kann man weitere Entscheidungen treffen. Ich werde Thomas bis zur letzten Möglichkeit einen Platz frei halten. Das hat er sich verdient und das ist ganz wichtig für seine Reha, dass er sich keine Gedanken machen muss. Die Tür steht offen."

Sportlich brachte das Skifliegen am Kulm das Comeback von Gregor Schlierenzauer am Stockerl: Der 24-jährige Tiroler scheint rechtzeitig vor Olympia aus der Formkrise gefunden zu haben, was die Plätze drei und zwei am Samstag beziehungsweise Sonntag bewiesen. "Es gab gute Aha-Erlebnisse, der Weg stimmt. Das nehme ich als Motivation mit für die weiteren Wettkämpfe", betonte der Rekord-Weltcupsieger. "Aber es gibt schon noch große Reserven." Während der Slowene Peter Prevc am Sonntag seinen Premierensieg feierte, war der Japaner Noriaki Kasai der Mann des Kulms: Am Samstag avancierte er 41-jährig zum ältesten Weltcup-Sieger, am Tag darauf stand er mit 201 Metern den einzigen 200er-Flug.