Beim letzten Weltcupspringen diesen Samstag in Willingen (16 Uhr, live ORF eins) ist er noch nicht dabei. Die ersten Sprünge nach seinem schweren Sturz am Kulm am 10. Jänner hat Thomas Morgenstern aber schon wieder absolviert. Der rekonvaleszente Kärntner ist am Freitag in Oberstdorf mehrmals über den Bakken gegangen. Das Training ist reibungslos verlaufen, auch wenn Morgenstern nachher gestand: "Die Anspannung beim ersten Sprung war schon groß. Ich habe nach dem Freizeichen noch nie so lange am Balken gewartet."

Umso größer war dann die Erleichterung nach dem ersten Telemark: "Juhu, ich lebe noch", sagte Morgenstern grinsend im Auslauf. Mit seiner Leistung war er nach dem überstandenen Schädel-Hirn-Trauma und der Lungenquetschung auf jeden Fall zufrieden. "Natürlich sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Aber kaum war ich in der Spur, habe ich ein vertrautes Gefühl gespürt", meinte der 27-Jährige.

Der dreifache Olympiasieger will das Training für Olympia diesen Samstag fortsetzen. Mit dabei ist wie schon am Freitag Trainer Heinz Kuttin, der ihm auch dabei half, sein ganzes System neu einstellen zu müssen. Neue Sprungski und neue Schuhe stellten zunächst eine große Herausforderung dar. "Am Ende hat es gut funktioniert. In Summe bin ich zufrieden und sehr dankbar für diesen Tag", meinte Morgenstern nach seinen Trainingssprüngen in Oberstdorf.

"Habe nach dem Aufwachen im Krankenhaus an Sotschi gedacht"

Nach seinem Trainingssturz am 10. Jänner war Morgenstern drei Tage auf der Intensivstation des Unfallkrankenhauses Salzburg gelegen. Danach konnten die Ärzte von einer positiven Entwicklung berichten, die Gehirnblutung habe sich komplett zurückgebildet, hieß es. Nach sechs Tagen konnte der dreifache Olympiasieger das Unfallkrankenhaus Salzburg verlassen und wurde zu Regeneration und Rehabilitation in die Privatklinik Maria Hilf nach Klagenfurt verlegt.

"Schon als ich nach dem Sturz im Krankenhaus aufgewacht bin, habe ich an Sotschi gedacht", erläuterte der Zweitplatzierte der Vierschanzen-Tournee. "Mit diesem Ziel vor Augen konnte ich mich voll und ganz auf die Regeneration konzentrieren. Die Heilung ist überaus positiv verlaufen, auch weil ich von allen Seiten die Zeit und das Vertrauen bekommen habe. Schließlich gab es von den Ärzten, der Psychologin, den Trainern und vom ÖSV grünes Licht."

Die Entscheidung sei bei ihm allein gelegen und ihm relativ leicht gefallen. "Ich habe einfach auf mein Gefühl gehört. Ich fühle mich bereit und werde in Sotschi mein Bestes geben." Am Sonntag will Morgenstern daheim regenerieren, am Montag stehen in Klagenfurt Training und Therapie auf dem Programm. "Am Dienstag sitze ich dann schon im Flugzeug Richtung Sotschi."