Barcelona.(art) Seefeld, eine idyllische Gemeinde in den Tiroler Bergen, uriger Charme und mit mehr als 8000 Gästebetten ungefähr 5000 mehr als Einwohner. Nicht dass der Ort sich über einen Mangel an touristischer Auslastung beklagen könnte. Doch in fünf Jahren werden sich noch einmal um Etliches mehr Besucher zwischen Wettersteingebirge und Karwendel einfinden. Dann finden nämlich nach 1985 wieder nordische Skiweltmeisterschaften hier statt. Am Donnerstag bekam Seefeld auf dem 49. Kongress des internationalen Skiverbandes FIS in Barcelona den Zuschlag – und damit den Vorzug gegenüber dem kasachischen Almaty, das dafür Favorit auf die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022 ist, Oberstdorf und Planica. Die alpine Ski-WM 2019 wird wiederum in Aare in Schweden in Szene gehen.

"Ein unglaublicher Erfolg", jubelte denn auch Seefelds Bürgermeister Werner Frießer. Und ÖSV-Pressechef Josef Schmid erläuterte die Strategie seines Präsident Peter Schröcksnadel: "Wir haben darauf gehofft, dass die drei Stimmen für Planica in der Entscheidung uns zufallen werden und zu unseren sechs dazukommen." Die Rechnung ging tatsächlich auf.

Dass die Wahl ausgerechnet auf Seefeld fiel, mag angesichts der touristischen und sportlichen Tradition der Gemeinde nicht ganz überraschend klingen, ist es aber bei näherer Betrachtung doch. Schließlich stehen Oberstdorf und Planica schon länger in der Warteschlange, für die Deutschen hätte zudem das Lobbying des internationalen Olympia-Chefs Thomas Bach gesprochen, für die Slowenen die Renovierung der Großschanze, die erst im März beim Weltcupfinale eingeweiht worden war.

Infrastruktur als Vorteil

Doch auch in Seefeld ist der Großteil der Infrastruktur vorhanden: Jährlich kommt hier der nordische Weltcup vorbei und erfreut sich neben der Tiroler Gastfreundlichkeit vor allem an der Schneesicherheit in Seefeld, das gerne auch als "Sibirien Tirols" bezeichnet wird, und der großteils reibungslosen Organisation. Für die Großschanzenbewerbe muss man zwar ins etwa 30 Kilometer entfernte Innsbruck auf den von der Vierschanzentournee bewährten Bergisel ausweichen, zudem müssen Flutlichtanlagen und mobile Tribünen für die Titelkämpfe errichtet werden, doch die Investitionen dafür werden sich – anders als bei vielen anderen Großveranstaltungen – in überschaubaren Grenzen halten.

Das Veranstaltungsbudget ist mit 17 Millionen Euro veranschlagt, die großteils durch das Geld aus Fernsehübertragungen wieder hereinkommen sollen, in die sportliche und öffentliche Infrastruktur sollen 12 Millionen fließen. "Wir haben ein geniales Konzept", hatte Bürgermeister Werner Frießer schon vor der Vergabe erklärt und vor allem die gute Erreichbarkeit durch die Flughäfen Innsbruck und München sowie die Bahn hervorgestrichen. Und auch die hohen Funktionäre dürfen sich freuen: Die Dichte an Vier- und Fünfsternehotels ist in der Region, die sich wenig bescheiden auch "Olympiaregion Seefeld" nennt, weil hier schon bei den Innsbrucker Spielen 1964 und 1976 Bewerbe stattfanden, so hoch wie in wenigen anderen Gebieten Österreichs.

Machtkampf um Alpin-WM

Der Zuschlag für Seefeld hat indessen auch noch weiterreichende Konsequenzen für den heimischen Wintersport: Für den Fall, dass man durchgefallen wäre, hatte der österreichische Skiverband nämlich bereits angekündigt, sich für 2021 erneut bewerben zu wollen – was wiederum eine ebenfalls angestrebte Kandidatur für das Prestigeprodukt Alpin-WM über Jahre hinaus verhindert hätte, da eine gleichzeitige Austragung von nordischen und alpinen Titelkämpfen laut den Usancen der FIS seit einigen Jahren praktisch ausgeschlossen ist. Nun aber werden die Interessenten für Alpin-Weltmeisterschaften in den Startlöchern scharren. Saalbach/Hinterglemm, Veranstalter der WM 1991, gilt österreichweit als seriösester Anwärter, aber auch St.Anton will nach 2001 noch einmal an die Reihe kommen. Der Kampf um 2019 ist geschlagen – der Machtkampf um 2021 beginnt aber damit erst so richtig.