• vom 10.10.2014, 16:25 Uhr

Ski

Update: 10.10.2014, 18:12 Uhr

Interview

"Ich bin nicht berühmt"




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Von Christoph Rella

  • Die US-Skirennläuferin Mikaela Shiffrin möchte beim Weltcup-Auftakt am 25. Oktober in Sölden durchstarten.

"Ich bin in Europa viel bekannter als in den USA. Dort habe ich meine Ruhe", sagt Shiffrin.

"Ich bin in Europa viel bekannter als in den USA. Dort habe ich meine Ruhe", sagt Shiffrin.© apa/JFK "Ich bin in Europa viel bekannter als in den USA. Dort habe ich meine Ruhe", sagt Shiffrin.© apa/JFK

Mikaela Shiffrin ist Slalom-Weltcupsiegerin, Olympiasiegerin und Weltmeisterin. Mit ihren 19 Jahren zählt die Amerikanerin damit zu den jüngsten und erfolgreichsten Skirennläuferinnen der Welt. Im Interview verrät sie, was sie noch vorhat, warum sie gern in Sölden ist und was sie von Lindsey Vonn und Marlies Schild hält.

Wiener Zeitung:Sie haben mit Ihren 19 Jahren so gut wie alles gewonnen. Was bleibt da noch?


Mikaela Shiffrin: Es ist großartig, fast schon surreal. Ich habe ja immer davon geträumt, Rennen zu gewinnen und bei einer WM oder bei Olympia eine Medaille zu holen. Nie habe ich mir aber vorgestellt, dass einmal Straßen nach mir benannt werden und ich zu großen Ehrungen eingeladen werde. Das ist so wunderbar, das Tüpfelchen auf i. Das hat zwar mit Skifahren nichts zu tun, aber es fühlt sich gut an und gibt Kraft. Es sind dies Erinnerungen abseits des Sports, die ich gern behalte.

Das nächste große Ziel ist wohl die WM in Beaver Creek 2015?

Ich hoffe, dass ich meinen Titel verteidigen kann. Wir werden sehen, wie es im Riesenslalom geht, aber ich arbeite hart daran. Sicher wäre es toll, in meinem Heimatdorf eine Goldmedaille zu gewinnen, da ginge ein Traum in Erfüllung, aber es werden viele großartige Rennfahrerinnen dabei sein.

Es hieß, dass Sie bei Olympia 2018 fünf Goldene gewinnen wollen. Ist das nicht zu ambitioniert?

Es ist sehr ambitioniert. Aber ich habe das nicht offiziell gesagt, sondern um drei Uhr Früh nach dem Slalom in Sotschi. Ich war damals sehr müde, so was würde ich niemandem sagen, weil es lächerlich ist. Was ich damit sagen wollte, war, dass ich einfach meine Chancen nutzen möchte. Wenn ich schon bei fünf Rennen antrete, dann möchte ich natürlich dabei sein und gewinnen.

Sie wollen heuer auch in der Abfahrt und im Super G antreten?

Nicht in der Abfahrt, aber ein wenig Super G schon. Es kommt darauf an, wie sich die Dinge entwickeln. Es gibt noch einiges, das ich vorher zu Ende bringen muss, auch im Riesenslalom.

Letztes Jahr haben Sie mit dem sechsten Platz in Sölden Ihr bestes Ergebnis im Riesenslalom erzielt.

Ich mag den Berg, und ich liebe den Ort. Früher habe ich mich vor so steilen Pisten gefürchtet, es ist dort so steil, dass es wieder beinahe flach ist, wenn Sie verstehen, was ich meine. Aber das ist vorbei. Jetzt freue ich mich auf das Rennen, und hoffentlich wird es mehr als nur der sechste Platz.

Denken Sie auch schon an den Gesamt-Weltcup?

Ich dachte daran schon in der vergangenen Saison. Ich bin eben ehrgeizig, aber manchmal bleiben meine Träume unerfüllt -das gehört aber dazu. Ich weiß nicht, ob ich es heuer schaffen kann, wenn ich aber in jedem Rennen mein Bestes gebe, habe ich Chancen.

Wie lief bisher das Training?

Wir trainieren am Rettenbach-Gletscher, aber nicht nur da. Wir wechseln immer wieder den Ort und kommen wieder zurück. Drei Wochen nur an einem Berg, das kann ganz schön lang werden.

Was haben Sie von Sölden und Österreich vermisst?

Frittatensuppe. Ich hatte heute wieder eine, und sie hat sehr gut geschmeckt. Jedes Mal, wenn ich zurückkomme, kriege ich wieder mit, was ich alles vermisst habe. Ich liebe das Herbstwetter, wenn die Sonne alles so in einem goldenen Licht erscheinen lässt. In den vergangenen Wochen habe ich mich schon auf meine Rückkehr gefreut. Der Schnee, die Sonne, der Ort - es ist so schön hier.

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man so berühmt ist?

Ich bin nicht berühmt. Es kennen mich einfach nur viele Leute, auch durch meinen Facebook-Auftritt. In Europa bin ich aber viel bekannter als zum Beispiel in den USA, was ich eigentlich sehr angenehm finde, weil ich dann nach Hause kommen kann und meine Ruhe habe.

Daran haben auch Ihre Erfolge in Sotschi nichts geändert?

Ein wenig schon. Ich habe jetzt noch mehr Follower auf Facebook (lacht). Olympia ist schon interessant. Es ist ein derartig großes Ereignis, aber kaum ist alles vorbei, sind alle weg - und es ist wie im Winterschlaf. Und dann kommt es vor, dass ich im Supermarkt oder am Flughafen erkannt werde und mich Leute um ein gemeinsames Foto oder ein Autogramm bitten. Da fühle ich mich immer sehr geschmeichelt. Andere zeigen auf mich und flippen gleich aus: "Oh mein Gott, eine Olympiasiegerin!"

Lindsey Vonn ist jetzt wieder zurück und hat angekündigt, dass sie bei Olympia wieder antreten wird. Fürchten Sie ihre Konkurrenz?

Ich hoffe, dass es einen Konkurrenzkampf geben wird, nicht in einer unguten Art. Sie ist eine großartige Skifahrerin, sie hat die Abfahrt auf ein komplett neues Niveau gehoben, auch weil sie auf Kursen fährt, die eigentlich nur Männer fahren. Genauso wie ich fünf Medaillen gewinnen möchte, will sie das ja auch. Ich finde, niemand sollte sich davor fürchten, Ehrgeiz zu zeigen. Wenn ich bei den Olympischen Spielen antrete, dann ist das mein Ding, und sollte Lindsey eine Medaille gewinnen, dann werde ich mich genauso für sie freuen. Ich entwickle da sicher keine Feindseligkeit.

Stehen Sie sich nahe?

Wir haben derzeit nicht so viel Kontakt. Sie ist aber auch sehr beschäftigt. Es wäre wohl nicht fair von mir, wenn ich ihr jetzt auch noch Zeit stehle. Ich kenne das ja, wie das ist, wenn jeder deine Zeit beansprucht.

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Schlagwörter

Interview, Mickaela Shiffrin

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2014-10-10 16:29:04
Letzte Änderung am 2014-10-10 18:12:08



Ski-WM 2019 in Aare

WM-Programm



WM-Ergebnisse



Medaillenspiegel

Nation G S B Gesamt
1. Norwegen 2 1 1 4
1. Schweiz 2 1 1 4
3. USA 2 0 2 4
4. Frankreich 1 1 1 3
4. Italien 1 1 1 3
4. Slowakei 1 1 1 3
7. Slowenien 1 1 0 2
8. Österreich 0 3 2 5
9. Deutschland 0 1 0 1
9. Schweden 0 1 0 1


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