• vom 14.11.2014, 21:40 Uhr

Ski


Slalom-Weltcup

Zu Besuch bei Ferdl




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  • Marcel Hirscher startet im finnischen Levi als Topfavorit in die Slalom-Weltcupsaison.



Levi. (rel) Ferdl heißt das Rentier. Und es ist wieder ein Stück gewachsen, seit es Hirscher im Vorjahr in Lappland zurückgelassen hatte. Dass er sein Patentier, das der Skistar durch den Sieg beim Weltcup-Slalom im finnischen Levi gewonnen hatte, heuer einen Besuch abstatten würde, verstand sich von selbst, gilt doch das Poro (finnisch für Rentier) bei den im hohen Norden Finnlands lebenden Samen als Statussymbol.

Und läuft für den Österreicher beim ersten Slalom der Saison am Sonntag (10/13Uhr/live ORFeins) in Levi alles nach Plan und siegt Hirscher erneut, könnte Ferdl sogar Gesellschaft bekommen. Die Chancen sind mehr als intakt. Vier Tage hatte der Kugelgewinner auf der Kunstschneepiste im schwedischen Kabdalis trainiert, ehe er am Donnerstagnachmittag die fünfstündige Autofahrt durch die Ebenen Lapplands nach Levi antrat. Denn Berge, wie man sie aus Mitteleuropa oder Amerika kennt, sucht man in dieser Region vergeblich. Haltitunturi, der höchste Berg Finnlands, misst lediglich 1324 Meter, das Hügelpanorama von Levi mit seinen 800 bis 2500 Meter langen Minipisten nur wenige hundert. Schnee gibt es hier, unweit des nördlichen Polarkreises, um diese Jahreszeit dafür schon in Hülle und Fülle.

Marcel Hirscher auf Tuchfühlung mit Rentieren. Seit 2013 ist er auch Pate eines Poros.

Marcel Hirscher auf Tuchfühlung mit Rentieren. Seit 2013 ist er auch Pate eines Poros.© epa/Ratilainen Marcel Hirscher auf Tuchfühlung mit Rentieren. Seit 2013 ist er auch Pate eines Poros.© epa/Ratilainen

Wie auch immer, Hirscher ist für das Kräftemessen bereit. 2013 hatte er hier vor Landsmann Mario Matt und dem Norweger Henrik Kristoffersen den Slalom gewonnen - freilich ohne zu ahnen, dass er nur wenig später mit denselben Athleten bei den Olympischen Spielen in Sotschi, diesmal mit Matt zur Linken, auf dem Stockerl stehen würde. Eine Konstellation, die sich am Sonntag ein zweites Mal wiederholen könnte. Anstatt sich mit der Goldmedaille in die Ski-Pension zu verabschieden, möchte es Matt in Levi noch einmal wissen. Der Grund für diesen Eifer liegt nahe. Nach zweimal WM-Gold (2001 und 2007) und einmal Olympia-Gold bleibt ihm eigentlich nur noch eine Herausforderung übrig: der erstmalige Gewinn des Slalom-Weltcups. Er selbst ist in dieser Frage realistisch. "Der Gewinn der Slalomkugel ist ein Thema, das man nicht planen kann", meinte er vor wenigen Tagen. "Das kann man nicht als Ziel haben. Man muss sich auf jedes Rennen einzeln konzentrieren, und im März sieht man dann, wo man steht."


Sehen, wo sie stehen, möchten in Levi auch die übrigen Starter im ÖSV-Team, darunter Reinfried Herbst, Manuel Feller, Marc Digruber, Wolfgang Hörl und Michael Matt. Allerdings werden am Sonntag die Augen nicht nur auf sie, sondern auch auch zwei weitere Sportler gerichtet sein: Benjamin Raich, den überraschenden Vierten beim Riesentorlauf in Sölden, sowie auf Marco Schwarz, der im zarten Alter von 19 Jahren in Levi sein Weltcup-Debüt geben wird. "Marco hat sich in der Vorbereitung sehr gut präsentiert, auch ist er technisch sehr gut", lobte der sportliche Leiter der ÖSV-Herren, Andreas Puelacher, die Qualitäten des jungen Rennläufers. Schwarz sei "ein zielstrebiger und ehrgeiziger Bursche, der sich gut in das Team eingefügt" habe, sagte er.

In Acht nehmen müssen sich die Österreicher dennoch - vor allem vor den Teams aus Norwegen und Schweden. Davon ist zumindest Hirschers Coach Michael Pircher überzeugt. "Der Andre Myhrer ist auf dem flachen Hang in Levi stark einzuschätzen", meinte er. Und: "Es ist anzunehmen, dass es die meisten, die vergangenes Jahr stark waren, nicht verlernt haben. In Levi gibt es immer sehr gute Pisten, da ist auch für junge Leute und Fahrer mit Startnummern weit hinten etwas möglich", erklärte Pircher.

Mit der Einschätzung liegt der Coach wohl auch mit Blick auf die ÖSV-Damen, die bereits am Samstag (10/13 Uhr/live ORFeins) in Levi an den Start gehen werden, nicht falsch. Was die Favoritenrolle betrifft, wird hier die Vorjahresgewinnerin Mikaela Shiffrin als heißer Tipp gehandelt. Während die US-Amerikanerin noch mit dem Jetlag zu kämpfen hat, fanden Österreichs Skidamen zuletzt im schwedischen Gällivare beste Trainingsbedingungen vor.

"Ich gehe davon aus, dass Mikaela wieder ihre großen Techniken ausspielt und ganz klare Favoritin ist", meinte etwa Kathrin Zettel im Hinblick auf den ersten Slalom seit dem Rücktritt der lange dominierenden Marlies Schild. "Ich hoffe, dass wir hintennach eine Rolle spielen." Größere Erwartungen an Levi hegt dafür Nicole Hosp: "Mein Ziel ist, dass ich wieder Rennen gewinnen kann. Darauf habe ich hingearbeitet", sagte sie am Freitag. Vielleicht wird es ja noch etwas mit dem Sieg? Und ein Rentier gäbe es dann immerhin noch dazu.




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Dokument erstellt am 2014-11-14 17:29:06



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