Wengen/Cortina. An 15 verschiedenen Weltcup-Orten hat Marcel Hirscher bereits gewonnen. Wengen ist einer der wenigen weißen Flecken auf der Siegeskarte des Salzburger Ski-Stars. "Warum es in Wengen noch nie mit einem Sieg geklappt hat, das verstehe ich auch nicht ganz. Es gibt eigentlich keinen speziellen Grund dafür", meinte der Führende im Gesamt-, Slalom- und Riesentorlauf-Weltcup vor dem Lauberhorn-Slalom am Samstag (10.30/13.30 Uhr/ORFeins).

Wenn Hirscher an den markanten Holzstadl, der in der Mitte der Slalom-Strecke in Wengen thront, denkt, dann muss er schmunzeln. "Bei dem depperten Heustadl hab ich mich schon öfters eingeparkt", sagte der 25-Jährige. Die größten Konkurrenten Hirschers sind gemäß Papierform Titelverteidiger Alexis Pinturault aus Frankreich, die Deutschen Felix Neureuther und Fritz Dopfer, der Norweger Henrik Kristoffersen und der italienische Adelboden-Sieger Stefano Gross.

Dass Hirscher ein gestörtes Verhältnis zum Lauberhorn hat, kann man allerdings auch nicht behaupten. Schließlich stand der dreifache Gesamtweltcup-Sieger auch in Wengen schon dreimal auf dem Stockerl: 2011 und 2013 war Hirscher jeweils Zweiter, 2014 Dritter. "Bisher waren die Schneebedingungen in Wengen meistens alles andere als normal. Meistens war es eine Gatschhupferei", erinnerte sich Hirscher. Diesmal ist für die Nacht von Freitag auf Samstag starker Schneefall im Berner Oberland angesagt, weshalb der Slalom um einen Tag vorverlegt wurde.

Planmäßig fand indes am Freitag die Kombination statt - und obwohl nicht am Start, verlief sie ganz nach Wunsch Hirschers. Denn sein Verfolger im Weltcup, der Norweger Kjetil Jansrud, hätte als Dritter nach der Abfahrt wertvolle Punkte aufholen können, fiel dann allerdings im Slalom aus. Deutlich besser machte es der Schweizer Lokalmatador Carlo Janka, der als Bester nach der (verkürzten) Abfahrt einen überraschend starken Slalomlauf hinlegte und mit 1,31 Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Victor Muffat Jeandet seinen ersten Weltcupsieg seit vier Jahren einfuhr. Bester Österreicher wurde Olympiasieger Matthias Mayer als Vierter, dem nur fünf Hundertstel auf Ivica Kostelić und damit aufs Stockerl fehlten. Mayer ist nach diesem Erfolgserlebnis nun richtig heiß auf den Abfahrtsklassiker am Sonntag (12.30 Uhr), bei dem er zu den absoluten Topfavoriten zählt. "Der vierte Platz gibt mir sehr viel Selbstvertrauen für die wichtigen kommenden Wochen. So kann es weitergehen", sagte Mayer.

Fanchini jubelte in Cortina


Auch bei den Damen in Cortina d’Ampezzo gab es am Freitag ein Siegergesicht, mit dem keiner gerechnet hätte: Die Italienerin Elena Fanchini gewann die erste der beiden geplanten Abfahrten und feierte damit ihren zweiten Weltcup-Sieg nach Lake Louise 2005. Die 29-Jährige verwies auf wegen Nebels im oberen Teil verkürzter Strecke die Kanadierin Larisa Yurkiw und die Deutsche Viktoria Rebensburg auf die Plätze, Anna Fenninger wurde als beste Österreicherin Fünfte. US-Superstar Lindsey Vonn indes landete im geschlagenen Feld: Beim Angriffsversuch auf die Weltcup-Rekordmarke von 62 Siegen der Salzburgerin Annemarie Moser-Pröll kam sie nur auf Rang zehn. "Es war sehr nebelig. Ich habe alles gegeben und viel gekämpft, leider war es nicht genug", meinte Vonn. Überglücklich äußerte sich indes Fanchini, die mit Startnummer 14 keine besseren Bedingungen als die Spitzenläuferinnen hatte. "Vor italienischem Publikum zu gewinnen, ist das Größte", jubelte sie. Am Samstag soll eine weitere Abfahrt über die Bühne gehen, am Sonntag ein Super G.