Vail/Beaver Creek. Anna Fenninger, Elisabeth Görgl, Nicole Hosp und Cornelia Hütter kämpfen bei der Alpinski-Weltmeisterschaft 2015 in Vail/Beaver Creek für Österreich um die ersten Medaillen. Dieses erwartete Quartett wurde für den Super-G am Dienstag (19.00 Uhr MEZ) nominiert. Topfavoritin auf der anspruchsvollen "Raptor" ist US-Star Lindsey Vonn, stärkstes ÖSV-Ass Olympiasiegerin Fenninger.

  "Jede unserer Läuferinnen hat aber das Zeug, um Medaillen zu fahren", traut ÖSV-Sportdirektor Hans Pum dem Team, das Dienstag erstmals auch in neuen WM-Rennanzügen auftreten wird, viel zu. Große Hoffnung setzt man vor allem in Fenninger. "Das Ziel ist natürlich auch diesmal Gold", legte sich die Salzburgerin zwölf Monate nach ihrem Olympiasieg in Sotschi die Latte selbst hoch. "Ob das auch funktioniert, weiß man aber im Vorhinein nie."

  In der Tat scheint laut Vorzeichen am Dienstag Gold bereits vergeben zu sein, denn die amerikanische Lokalmatadorin Vonn ist Topfavoritin für den WM-Auftaktbewerb. Für die 30-jährige US-Amerikanerin ist der Auftritt aber in vielerlei Hinsicht besonders. Fast exakt zwei Jahre nachdem sie sich im WM-Super-G von Schladming 2013 so schwer verletzt hat, ist sie erstmals wieder bei einem Großereignis am Start.

  Vonn fährt seit ihrem Comeback vergangenen Dezember in Hochform. Sie hat die jüngsten beiden Weltcup-Super-G in Cortina d'Ampezzo und St. Moritz gewonnen und sich mit derzeit 64 Weltcup-Siegen zur erfolgreichsten Fahrerin aller Zeiten gemacht. "Super, dass ich vor der WM noch einmal gewonnen habe. Das ist gut für das Selbstvertrauen", hatte Vonn damals gemeint.

  Auf der "Raptor" getauften Damen-Piste, die eigens für diese WM aus dem Wald geschlägert wurde, sollte es aber so oder so keine Zufalls-Siegerin geben. Dazu ist die nach einem langen Flachstück für viele fast schon Angst einflößend steile Strecke zu anspruchsvoll.

  Geht man nach dem 2013 durchgeführten WM-Test, müssten Fenninger, Titelverteidigerin Tina Maze (SLO) sowie Tina Weirather (LIE) und Lara Gut (SUI) die Co-Favoritinnen sein. Gut gewann damals in Abwesenheit der verletzten Vonn Abfahrt und Super-G und hat im WM-Winter schon den Super-G in Lake Louise sowie zuletzt die Abfahrt in St. Moritz für sich entschieden.

  Auch Vonn hat in Beaver Creek schon einen Super-G gewonnen. Den allerdings 2011 auf der entschärften Herrenpiste "Birds of Prey", weil man wegen Schneemangels in Europa in Colorado gefahren war. 2013 beim echten WM-Test auf der "Raptor" hatte Vonn wegen ihrer Knieverletzung gefehlt.

  Aus dem starken ÖSV-Team ragen Fenninger (25) und die zu alter Stärke zurückgekehrte Görgl (33) heraus. Görgl hat vergangenen Dezember beim Weltcup in Val d'Isere gewonnen, Fenninger war zuletzt drei Mal in Folge Zweite. Hosp fixierte ihren WM-Startplatz zuletzt als Dritte in St. Moritz und peilt bei ihrer bereits siebenten WM-Teilnahme ihre sechste Einzel- und mit Teambewerb sogar schon achte Medaille an.

  Die mit rot-weiß-rot gefärbten Fingernägeln in die USA eingereiste Bichlbacherin gab sich gelassen und positiv. "Ich liebe diesen Berg. Er ist technisch, steil und man sieht nur ein, höchstens zwei Tore voraus. Hier wird es sicher keine Zufalls-Siegerin geben", meinte Hosp. 2013 hatte sie beim WM-Test Platz drei geerbt, weil Görgl disqualifiziert worden war.

  "Das ist lange vergessen", hat Görgl längst abgehakt, dass sie damals ein zu breiter Ski um Platz zwei gebracht hatte. Österreichs letzte Super-G-Weltmeisterin ist im Auslauf ihrer Karriere in Top-Form, zudem liebt sie die aufgeladene WM-Stimmung. "Aber Lindsey ist in bestechendster Form und hat hier unzählige Male trainiert. Ich kann nur versuchen, einen möglichst guten Job zu machen", meinte Görgl.

  Über elf Jahre jünger ist Görgls steirische Landsfrau Hütter. Die 22-jährige Zeitsoldatin aus der Nähe von Graz bringt die Unbekümmertheit einer WM-Debütantin mit. "Ich habe noch nichts gewonnen und deshalb auch nichts zu verlieren. Keiner erwartet etwas von mir", versprach Hütter, ihrem Spitznamen "Vollgas-Conny" gerecht werden zu wollen.

  Ein Plus für die ÖSV-Damen könnte sein, dass ihr Coach Roland Assinger den Kurs setzt. Auf von den eigenen Trainern ausgeflaggten Super-G's hatten 2010 Andrea Fischbacher und 2014 Fenninger Olympia-sowie 2011 Görgl WM-Gold geholt. "Das kann aber auch in die Hose gehen", warnte Assinger. "Und eine Vonn ist in einer derartigen Überform, dass sie auch durch eine Kurssetzung nicht zu stoppen ist."

  Auch Fenninger geht zuversichtlich in den Auftaktbewerb. "Als Olympiasiegerin weiß man, dass man das Größte schon gewonnen hat und alles danach Zugabe ist", erklärte sie ihre Gelassenheit. Auch für die Weltcup-Gesamtsiegerin ist Vonn die Favoritin. Aber: "Alle schauen auf sie. Es gibt aber nicht nur Lindsey, und niemand kann vorhersagen, was passieren wird", relativierte die Salzburgerin.

  Fenninger war zuletzt die Einzige, die im Super-G halbwegs auf Augenhöhe mit der Amerikanerin geblieben war. "Wir haben eigentlich komplett unterschiedliche Fahrweisen, kommen aber interessanterweise am Ende immer fast zu einem ähnlichen Ergebnis", verglich Fenninger. "Ich bin schon gespannt, welcher Stil hier am Dienstag der bessere ist. Ich hoffe meiner."