Beaver Creek. (may/apa) Vielleicht Olympiasiegerin Anna Fenninger? Vielleicht Elisabeth Görgl, die Routinierin, die sich schon vor vier Jahren Super-G-Gold umgehängt hat?
Oder vielleicht Lara Gut, die es bei Großereignissen zwar schon auf vier Medaillen gebracht hat, aber keine davon gülden glänzend? Die Frage vor dem Auftaktbewerb der 43. alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Vail/Beaver Creek dreht sich nicht nur darum, wer Gold, Silber und Bronze erobert, sondern vielmehr noch, wer es eigentlich schaffen will, sie zu besiegen.

Gemeint ist Lindsey Vonn, die am Dienstag (19 Uhr MESZ/ORFeins) als große Favoritin in den Super G geht, zumal sie diesen Bewerb nach ihrer langen Verletzungspause fast schon wieder nach Belieben dominiert: Zwei von vier Rennen (darunter die beiden bisher letzten in Cortina und St. Moritz) hat die Neo-Rekordweltcupsiegerin gewonnen, in Lake Louise kam sie im Dezember auf Platz zwei. Schafft sie tatsächlich das erwartete Gold, dann wäre sie 26 Jahre nach Tamara McKinney (1989 in der Kombination von Vail) die erste US-Amerikanerin, die auf US-Boden Ski-Weltmeisterin würde. Und es wäre ihr dritter WM-Sieg nach dem Speed-Double von Val d’Isère 2009.

Kurssetzer als gutes Omen

Diese Party wollen vor allem die vier Österreicherinnen kräftig verderben: "Wir haben zwei, drei, vielleicht sogar vier Medaillenkandidatinnen am Start", meint Damenchef Jürgen Kriechbaum selbstbewusst. Außer Fenninger und Görgl gehen die Sotschi-Bronzene Nicole Hosp und WM-Debütantin Cornelia Hütter (22) ins Rennen. Auch Letzterer traut der Damenchef auf der anspruchsvollen Raptor-Piste von Beaver Creek eine Überraschung zu: "Sie verkörpert die pure Angriffslust. Ich hoffe, sie bringt es rüber und färbt dabei auf die anderen ab."

Doch auch Überraschungen können nie ausgeschlossen werden - erst recht, wenn das Wetter mitspielt. Denn nach wochenlangem Schönwetter hat sich pünktlich zu Beginn der Titelkämpfe Schneefall angekündigt. "Damit ändert sich auch die Piste immer wieder stark, das kann schlagartig viel ausmachen", meint Kriechbaum. Auch vor zwei Jahren in Schladming mussten die Ski-Fans beim Damen-Super-G wegen hartnäckigen Nebels stundenlang ausharren - dann stürzte Vonn schwer, Tina Maze holte sich den Titel und die unbekannte Italienerin Sofia Goggia verpasste in der Gunst der Stunde Bronze nur um fünf Hundertstel.

Damals spielten Fenninger vor heimischer Kulisse die Nerven einen Streich - Ausfall. Diesmal will es die längst gereifte Gesamtweltcupsiegerin besser machen. Oder so gut wie bei Olympia: "Das Ziel ist natürlich auch diesmal Gold. Ob das funktioniert, weiß man aber im Vorhinein nie", erklärte die 25-jährige Salzburgerin.

Ein gutes Omen ist, dass mit Roland Assinger wieder ein ÖSV-Coach den Kurs ausflaggen darf; denn zuletzt gab es immer dann, wenn der ÖSV einen Super G setzte, Gold - so war es bei Olympia 2010 und 2014, so war es bei der WM 2011 in Garmisch. Die damalige Titelträgerin ist auch diesmal wieder Anwärterin auf eine Medaille, wenngleich es der Eis-liebenden Görgl in Vail zu weich sein könnte. Dennoch ist sie voll motiviert: "Ich freu mich schon, dass es los geht." Sie hat Vonn vor Weihnachten in Val d’Isère schon besiegt - da fiel der US-Superstar freilich aus. "Lindsey ist in bestechendster Form und hat hier unzählige Male trainiert", relativiert die 33-Jährige. "Aber", ergänzte Fenninger, "niemand kann vorhersagen, was passieren wird."