Die Beste der Besten: Anna Fenninger (M.) ließ mit Tina Maze (l.) und Lindsey Vonn jene Fahrerinnen hinter sich, die den Skisport in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt haben. - © ap/Brennan Linsley
Die Beste der Besten: Anna Fenninger (M.) ließ mit Tina Maze (l.) und Lindsey Vonn jene Fahrerinnen hinter sich, die den Skisport in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt haben. - © ap/Brennan Linsley

Beaver Creek. (art/apa) Auf den Tag genau zwei Jahre ist es jetzt am Donnerstag her, dass man eine traurige, wütende, enttäuschte Anna Fenninger aus dem Zielraum von Schladming stapfen sah; hadernd mit einem Ausfall zum WM-Beginn, mit den stundenlangen Verschiebungen, mit Wind und Wetter sowie dem Medienrummel einer Heim-WM. Nun startete sie mit Gold in die Titelkämpfe in Vail/Beaver Creek - und zeigt sich auch sonst komplett gewandelt. Die Olympischen Spiele drei Jahre davor in Vancouver, bei denen Fenningers eigene Erwartungen ebenfalls zutiefst enttäuscht worden waren, standen für den Anfang einer Entwicklung, die Schladming-Titelkämpfe, bei denen es nach weiteren Ernüchterungen in Abfahrt und Super-Kombination zum Abschluss immerhin noch Riesentorlauf-Bronze gab, für den Schubser zur rechten Zeit. Fenninger lernte, mit Druck und Nervosität umzugehen, legte im Winter 2014 mit Super-G-Olympiagold und Gesamtweltcupsieg ihre beste Saison nach und fuhr nun zu ihrem zweiten Weltmeistertitel nach jenem in der Super-Kombination 2011.

"Energie für zwei Minuten"

Anders als in Schladming sei sie diesmal viel entspannter vor dem Rennen gewesen, sagte sie nachher und nannte das als ein Rezept für den Erfolg. "Ich habe mir gedacht, es bringt eh nichts, wenn ich nervös bin. Das kostet nur Energie. Und ich habe versucht, meine ganze Energie in diese zwei Minuten hineinzulegen. Das ist mir gottseidank gelungen", erklärte die 25-jährige Salzburgerin. Dass sie die über die vergangenen Jahre betrachtet stärksten Fahrerinnen Tina Maze und Lindsey Vonn mit drei beziehungsweise 15 Hundertstelsekunden hinter sich gelassen hatte - auf dem vierten Rang landete überraschend Cornelia Hütter - mache die Sache besonders speziell, sagte Fenninger.

Genau jene Läuferinnen sind es auch, die ihr nun vor dem zweiten Bewerb, der Abfahrt am Freitag, den Kampf angesagt haben. "Manchmal gewinnt die eine, manchmal die andere", sagte die Slowenien gewohnt trocken in die Mikrofone. Vonn indessen sah man die Enttäuschung an, sich nicht gleich zum Auftakt der Heim-WM und vor den Augen ihres Freundes Tiger Woods ein Denkmal gesetzt zu haben. Zwar gratulierte sie Fenninger gemäß den Branchenusancen ("Sie ist außerordentlich gut gefahren und hat Gold verdient"), machte aber doch hauptsächlich den Wind dafür verantwortlich, "keine Chance" gehabt zu haben. "Ich hoffe, bei der Abfahrt ist besseres Wetter."

"Bin bereit für mehr"

Doch dass Vonn starke Konkurrenz auch aus Österreich haben wird, dürfte ihr spätestens seit Dienstag bewusst sein. Zwar hat Fenninger im Weltcup noch keine Abfahrt gewonnen, aber schon mehrmals ganz oben angeklopft. Und wie erwartet kam sie gut mit der technisch anspruchsvollen Raptor-Piste in Beaver Creek zurecht, zudem hat sie mit dem Sieg schon viel Druck von sich selbst genommen. Zwar wollte sie noch nicht zuviel über Abfahrt, Kombination am Montag und Riesentorlauf am Donnerstag kommender Woche reden und den trainingsfreien Mittwoch erst einmal zum Ausspannen nützen, aber die Situation sei "beruhigend für die nächsten Rennen. Ich bin bereit für mehr". Laut ihrem Trainer Meinhard Tatschl, der innerhalb des heimischen Skiverbandes, mit dem Fenninger nicht immer ein friktionsfreies Verhältnis hat, ihre Bezugsperson ist, darf man in Beaver Creek durchaus noch mehr erwarten. Denn Schwäche habe Fenninger "skitechnisch ganz sicher keine. Sie muss nur das Vertrauen haben, das, was sie drauf hat, auch zu zeigen". Und wenn es noch einer Bestätigung bedurft hatte, so fiel diese am Montag goldig aus.