Die Physik schlägt zurück

Doch während viele ihn abschrieben, fuhr Miller immer weiter, mal mit seinem eigenen Team, dann wieder mit dem Verband, mal mehr erfolgreich, mal weniger, mal mit privat begründeten, mal mit verletzungsbedingten Pausen. Zuletzt waren es anhaltende Rückenbeschwerden samt Bandscheibenoperation, die ihn die gesamte Saison kein Weltcup-Rennen hatten bestreiten lassen.

Doch wieder kehrte Miller zurück, einmal sollte es noch gehen, die Heim-WM in Beaver Creek, wo er sich mit Fans und Medien mittlerweile so gut wie möglich ausgesöhnt hatte, sollte der krönende Abschluss sein. Dabei ging es ihm längst nicht mehr nur um Siege. Natürlich wollte er Medaillen - in Sotschi 2014 holte er noch Super-G-Bronze -, doch mehr noch ging es ihm um den perfekten Schwung, um die Grenzen der Physik. Auch an diesem Donnerstag.

Dann aber schlug diese Physik, die er so oft ausgetrickst hatte, zurück: Nach einem bis dahin famosen und bode-esken Rennen, in dem er mit verrenkten Gelenken durch die Tore geschlurft und trotzdem schnell gewesen war, blieb er mit dem Arm an einer Stange hängen und wurde ausgehebelt, sodass nicht einmal mehr er die Körperkontrolle behalten konnte. Zwar zog er sich bei seinem wilden Sturz keine Brüche oder Bänderrisse zu, mit der Kante eines Skis schnitt er sich aber eine tiefe Wunde samt Muskelsehnendurchtrennung in die Wade. Eine Operation, eine drei- bis viermonatige Pause und somit das Saisonende sind die Folge.

US-Team hofft

Doch bedeutet das auch das Ende der Karriere? Da wäre es wieder, das Rätsel Bode Miller. Zwar twitterte er unmittelbar nach der Operation aus dem Krankenhaus und schrieb davon, Glück gehabt zu haben, "weil es weit schlimmer hätte ausgehen können". Doch die Antwort auf die ungestellte Frage nach einem etwaigen Rücktritt ließ er offen. Nicht einmal US-Alpinchef Patrick Riml traute sich darüber eine seriöse Einschätzung zu. "Ich hoffe, er findet die Motivation, noch einmal Gas zu geben", meint der Tiroler. "Der Skisport braucht Typen wie ihn." Doch ob Miller, 37 Jahre alt, verheiratet und mehrfacher Vater, den Tanz am Limit noch braucht? Olympia in Südkorea ist noch weit weg, doch Riml sieht andere mögliche Ziele: "Kitzbühel hat er noch nicht gewonnen. Er hätte sich eine Gondel mit seinem Namen verdient", sagt er - und hofft auf den Jetzt-erst-recht-Reflex: "Es kann sein, dass es ihn jetzt so anzipft, dass er genau deswegen weitermacht. Bei Bode weiß man nie."