Maze (l.) und Fenninger lieferten einander erneut einen packenden Zweikampf. - © ap
Maze (l.) und Fenninger lieferten einander erneut einen packenden Zweikampf. - © ap

Vail/Beaver Creek. (klh) Es sind bei dieser Ski-WM große Themen, das Kommen und Gehen des großen Erfolgs und die Gerechtigkeit im Spitzensport. Und für die bisher bei dieser WM besten Skifahrerinnen scheint dabei das Schicksal eine Waage zu sein, die immer wieder ins Gleichgewicht kommt. Einmal würde die eine gewinnen, einmal die andere, meinte die Slowenin Tina Maze, nachdem sie im Super G nur drei Hundertstel hinter Anna Fenninger Zweite geworden war. "Die zwei Hundertstel, um die es gegangen ist, kommen im Leben zurück" sagte Anna Fenninger, nachdem sie am Freitag in der Abfahrt genau um diesen Hauch eines Augenblicks hinter Maze geblieben war.

Die Slowenin gewann die Abfahrt bei dieser WM in Vail/Beaver Creek vor Fenninger, die beiden überragenden Athletinnen haben damit bei ihrem Hundertstelduell die Plätze getauscht. Dritte in der Abfahrt wurde die Schweizerin Lara Gut mit 0,34 Sekunden Rückstand auf die Siegerin. Eine große Enttäuschung erlebte die Lokalmatadorin und Favoritin Lindsey Vonn. Angefeuert von tausenden enthusiastischen Fans wurde die US-Amerikanerin, die im Weltcup schon so viele Rennen gewonnen hat wie keine andere Läuferin vor ihr, nur Fünfte und ging somit leer aus. Den vierten Rang holte sich die Österreicherin Nicole Schmidhofer - was die Steirerin, die sich erst in letzter Sekunde qualifizierte, nicht als undankbaren Platz, sondern als großen Erfolg wertete. "Ich komme super damit aus. Platz vier ist Weltklasse für mich", meinte sie. Elisabeth Görgl landete auf Platz sechs, Cornelia Hütter wurde 15.

Es war vorauszusehen, dass auf der anspruchsvollen Damenstrecke "Raptor" nur die Läuferinnen mit der besten Technik vorne mitfahren können. Zumal die Bedingungen fair und gut waren: Es war nahezu windstill, die Piste, die sich im Abschlusstraining noch als weich, ja laut vielen Fahrerinnen als zu weich präsentiert hatte, war nach einer kalten Nacht am Tag des Rennens wieder hart.

Maze und Fenninger fuhren
ein perfektes Rennen

Maze gewann das Rennen im steilen, kurvenreichen Mittelteil, in dem sie einen Vorsprung auf Fenninger herausfuhr, der im Schlussteil zwar schmolz, aber gerade noch hielt. Fenninger fuhr eine ein bisschen engere Linie als Maze, beide Läuferinnen absolvierten aber eigentlich ein perfektes Rennen. Und auch bei der Drittplatzierten Gut waren kaum Fehler ersichtlich, es waren Nuancen, die entschieden.

Ganz anders war die Lage bei Vonn, die in dieser Abfahrt für ihre Verhältnisse ungewöhnlich viele Fehler machte, es schien fast, als könnte sie sich während des Laufes nicht entscheiden, wie sie diesen anlegen sollte. "Ich habe nicht die richtige Linie gefunden", sagte sie auch nach dem Rennen. Am Druck der Heim-WM sei sie aber keinesfalls gescheitert, betonte Vonn.

Sie musste zusehen, wie in ihrer Heimat andere auf dem Podest die Gratulationen entgegen nahmen. Maze kämpfte dabei sichtlich mit den Tränen, und auch für Fenninger war die Silbermedaille "emotionaler als die Goldmedaille im Super G", wie sie selbst sagte. "Dass ich auch in der Abfahrt so eine Leistung zeigen kann, das hätte ich mir eigentlich nicht zugetraut", meinte die Salzburgerin, die den Erfolgslauf des ÖSV-Teams fortsetzte, das nun in drei Bewerben zweimal Gold (auch Hannes Reichelt gewann ja den Super G) und einmal Silber geholt hat.

Das Duell Fenninger-Maze könnte nun beim Riesentorlauf am Donnerstag in die nächste Runde gehen - auch hier zählen die beiden zum Kreis der Favoritinnen. Vorher will Maze aber rasten. "Meine Füße wollen nicht mehr stehen, ich bin müde und brauche Ruhe", erklärte sie nach dem Rennen. Schließlich ist sie mit 31 Jahren und neun Monaten die bisher älteste Weltmeisterin der Skigeschichte.