Beaver Creek. Skifahren und Mexiko, das klingt exotisch und nach Hubertus von Hohenlohe. Jahrelang hat der Society-Prinz innerhalb des mexikanischen Teams bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen den Alleinunterhalter gegeben und, egal ob mit seiner exzentrischen Bekleidung, seinen weltmeisterlichen Auftritten beim Après Ski oder den weniger weltmeisterlichen, dafür umso enthusiastischeren auf der Piste, als bunter Hund der Szene für Aufmerksamkeit gesorgt. Selbstredend ist Hohenlohe auch bei diesen Titelkämpfen in Vail/Beaver Creek vertreten - und doch wird er diesmal nicht nur im Schatten der Stars, sondern auch einer Teamkollegin stehen. Denn im mexikanischen Team scheint auch der Name Sarah Schleper de Gaxiola auf. Und dieser, zumindest der erste Teil davon, ist den Skifans noch mehr Begriff als Hohenlohe. Als Sarah Schleper hat die in einer Woche 36-Jährige bis 2011 für die USA an Weltcuprennen teilgenommen, ehe sie ihren Abschied vom aktiven Sport zelebrierte - damals in Lienz vor begeisterten Zuschauern und mit dem dreieinhalbjährigen Söhnchen Lasse, einem im Skisport klingenden Namen, auf dem Arm.

Doch schon damals sei ihr der Gedanke gekommen, dass es vielleicht irgendwann einmal eine "coole Option" wäre, noch einmal auf die große Bühne zurückzukehren, dann aber als Repräsentantin Mexikos, verriet sie nun der "Denver Post". Schleper, die in ihrer Karriere für die USA an vier Olympischen Spielen teilgenommen und einen Slalom-Weltcupsieg gefeiert hatte, hatte während einer Zwangspause zwischen 2006 und 2008 den Mexikaner Federico Gaxiola geheiratet und ihren Wohnsitz zum Teil nach Los Cabos verlegt. Inzwischen hat das Paar ein zweites Kind, die knapp zweijährige Resi, benannt nach ihrer ehemaligen US-Teamkollegin Resi Stiegler.

Doch trotz Mutterschaft "und drei Millionen Dingen, die man als Mom zu tun hat", ließ Schleper der Gedanke nicht los, in den Skisport zurückzukehren, wenn auch auf eigenen Füßen und ohne die Verpflichtungen des Profitums. Sie beantragte die mexikanische Staatsbürgerschaft und arbeitete auf ein Comeback bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi hin. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, auch in Mexiko. "Es dauert alles ewig", sagte Schleper der "Denver Post". Doch als sie schon gedacht habe, es würde sich auch bis zur WM in Vail/Beaver Creek nicht ausgehen, "habe ich mir gesagt, dann wenigstens bis zu den nächsten Olympischen Spielen".

Plötzlich wieder die Alte

Diese Lockerheit muss man ihr nicht zwangsläufig abnehmen: Zwar war die Zeit, in der der Skirennsport ihr Leben alleine bestimmte, lange vorbei. Doch gerade die WM in Vail spielte in Schlepers Gedanken eine große Rolle. Nicht nur, weil auch sie nicht jünger werden würde - sondern vor allem, weil es gewissermaßen und trotz allem ihre Heim-Titelkämpfe sind. In Vail ist sie aufgewachsen, hier ist sie im Sportgeschäft ihres Vaters erstmals mit Skiern in Kontakt gekommen, hier hat sie, wie auch Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin, ihre ersten Schwünge in den Schnee gezogen. Und: Als die bisher letzten Titelkämpfe 1999 hier ausgetragen wurden, stand sie nicht im Kader.

Umso größer war dann die Freude, als im April des vergangenen Jahres die Bestätigung kam, dass ihr Antrag auf die mexikanische Staatsbürgerschaft bewilligt würde; "wir waren extrem aufgeregt und haben gleich eine Party geschmissen", sagte sie. Freilich war’s mit dem Feiern bald vorbei, denn mit diesem Tag erwachte auch wieder die Rennleidenschaft in seiner Frau, erzählte Gaxiola der Zeitung: "Auf einmal wurde sie wieder die alte Sarah, die Rennläuferin, die ich kennengelernt habe."

Doch das Projekt Rückkehr in den Skisport begann nicht wirklich vielversprechend: Im Riesentorlauf in Sölden zum Saisonauftakt hatte Schleper de Gaxiola, wie sie sich nun auch formell nannte, als letzte nach dem ersten Durchgang fast elf Sekunden Rückstand auf die Bestzeit, in Aspen Ende November waren es dann noch immer mehr als neun.

"Etwas tun, weil man es liebt"

Gewiss, sie habe gezweifelt, habe sich gefragt, ob es das alles wert sei, gab sie damals zu. Doch der Zuspruch von Fans, vorwiegend von Frauen, habe sie überzeugt. "Ich bekomme so viel Feedback von anderen Müttern. Sie schreiben mir, ich sei eine Inspiration für die Kinder, nicht so sehr um des Sieges willen, sondern wegen des Spaßes und weil Skifahren eine wundervolle Sache sei. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mir das auch zum Ziel gesetzt: Menschen zu inspirieren, etwas aus Leidenschaft zu tun. Es geht nicht so sehr darum, wie viele Medaillen man macht, es geht darum, etwas zu tun, weil man es liebt", erklärte sie damals.

Und das will sie nun auch im Riesentorlauf von Beaver Creek am Donnerstag zeigen; wobei die Annahme, Schleper hätte jegliche sportlichen Ambitionen aufgegeben, dann auch nicht ganz so stimmt. Warum sie es nur im Riesentorlauf, nicht aber im Slalom probiere, liege daran, dass sie sich hier größere Chancen ausrechne, "ein bisschen erfolgreicher" zu sein, sagte sie. Ein bisschen erfolgreicher als ihr Teamkollege von Hohenlohe, könnte auch eine Motivation sein, das Daumenhalten ihres Doch-noch-immer-Heimpublikums ist es sowieso.

Denn dass man ihr den Nationenwechsel, der im Einvernehmen mit dem US- und dem Internationalen Skiverband erfolgte, übel nehmen könnte, glaubt Schleper nicht. "Die Menschen hier in Vail haben mich so unterstützt. Ich möchte mich bedanken und glaube, dass es auch ihnen Spaß machen wird, wenn sie mich zurückkehren sehen." Schließlich ist eine Heimkehr mit Exotenstatus dann doch etwas nicht Alltägliches.