Michaela Kirchgasser durfte über Kombi-Bronze jubeln. - © epa/Frey
Michaela Kirchgasser durfte über Kombi-Bronze jubeln. - © epa/Frey

Vail/Wien. In jedem Rennen eine Medaille. Die Ausbeute hätte bisher nicht besser sein können. Österreichs Skidamen sind schon vor dem "Finale" der WM 2015 in Vail/Beaver Creek - der Riesentorlauf am Donnerstagabend war zu Redaktionsschluss noch im Gang - eine Klasse für sich gewesen. Dementsprechend zufrieden ist auch ihr Damentrainer Jürgen Kriechbaum über seine Truppe, die dank Anna Fenninger, Nicole Hosp und Michaela Kirchgasser in drei Einzelrennen vier Medaillen geholt und sich im ebenfalls vergoldeten Teambewerb stark präsentiert hat. Am Wochenende spitzen die Damen auf den nächsten Erfolg - den Slalom, die letzte der insgesamt 13 zu belegenden Disziplinen bei dieser Weltmeisterschaft.

"Nahezu alle haben es bisher geschafft, sich am oberen Rand des Leistungspotenzials zu bewegen", sagte Kriechbaum voll des Lobes und streute vor allem Fenninger, die im Super G und in der Abfahrt zwei Medaillen, Gold und Silber, abgeräumt hat, Rosen. Am meisten habe ihm aber imponiert, "dass sie einen Zahn zulegen können und das ausgerechnet bei einem Großereignis, wo viele eher in Fehler verfallen", erklärte der Coach zufrieden. "Das ist unseren nicht passiert. Sie haben Selbstbewusstsein und spielen es auch aus", meinte er.

"Gesunde Einstellung siegt"

Was das Selbstvertrauen betrifft, so zeigte sich Kriechbaum daher auch für den Slalom optimistisch und hofft, dass Kirchgasser nach Bronze in der Kombination und Gold im Teambewerb in einen WM-Flow geraten ist. "Ihr hat die Abfahrt einen riesigen Selbstvertrauensschub gegeben. Dazu kam die Bestzeit im Kombislalom. Da ist sie die feine Klinge aus den Knien heraus gefahren", lobte der Damenchef die Slalom-Vizeweltmeisterin von Schladming 2013. Deshalb traue er Kirchgasser für den Slalom einiges zu, wolle aber lieber den Ball flach halten. "Fakt ist, dass sie Potenzial für ganz vorn hat, aber noch nicht am Stockerl war und insofern nur Außenseiterchancen hat. Außerdem wachsen bei einer WM immer einige über sich hinaus." Einen generellen Grund für die bisher für die ÖSV-Damen so überaus erfolgreich verlaufene WM konnte der Coach noch nicht nennen: "Es sieht so aus, als ob sie eine gesunde Einstellung haben und versuchen, alles zu riskieren und unterm Strich Erfolg zu haben", sagte er.

Konkurrenz unter Druck

Bei der Ski-WM alles andere als nach Wunsch verlaufen ist bis dato wiederum für das US-Damenteam. Lokalmatadorin Lindsey Vonn gewann zwar vor den Augen ihres Freundes Tiger Woods Bronze im Super G, in der Abfahrt und in der Kombination ging sie dann aber leer aus. Julia Mancuso, normalerweise bei Großereignissen eine Medaillenbank, steht ebenfalls noch mit leeren Händen da. Mit dem derzeit nur mäßig erfolgreichen US-Team leidet auch Vonns Ex-Mann Thomas. "Natürlich will auch ich gern die Amerikaner siegen sehen", erklärte er, gab sich aber zuversichtlich. "Wir haben ja noch Ted Ligety, Mikaela Shiffrin und einige andere."

Nicht anders als den USA erging es bisher auch der Konkurrenz aus Deutschland und Italien. Während Österreich groß abgeräumt hat, lief es für die Damenteams aus den Nachbarländern nicht wirklich gut. Beide Nationen sind noch ohne Medaille. "Eine bei den Damen, eine bei den Herren und eine im Team." Diese Losung hatte DSV-Alpindirektor Wolfgang Meier seinen Schützlingen vor dem Start der WM nach Vail mitgegeben. Um ein Debakel zu verhindern, müssen die Deutschen angreifen. Kriechbaum und seine Damen jedenfalls sind gewappnet.