Anna Fenninger strahlt: Die Ausnahmetechnikerin holte ihre nächste Medaille. - © ap/Marco Trovati
Anna Fenninger strahlt: Die Ausnahmetechnikerin holte ihre nächste Medaille. - © ap/Marco Trovati

Vail. Dass der Erfolg befreit, ist ja eine der Binsenweisheiten des Sports. Umgelegt auf den Skisport heißt das, dass jede bereits gewonnene Medaille für die folgenden Bewerbe Druck nimmt und Rückenwind verleiht. Anna Fenninger bewies beim Riesentorlauf bei dieser Ski-WM in Colorado diese These. Die Salzburgerin, die bereits Gold im Super-G und Silber in der Abfahrt geholt hatte, eilte zum nächsten Triumph. Sie gewann den Riesentorlauf - und das mit dem Riesenvorsprung von 1,40 Sekunden. Hinter ihr landete die Deutsche Viktoria Rebensburg, die mit einem extrem starken zweiten Lauf nach dem 11. Platz im ersten Durchgang noch auf das Podest fuhr und die erste Medaille für Deutschland holte. Dritter wurde die Schwedin Jessica Lindell-Vikarby. Etwas bitter verlief das Rennen für Michaela Kirchgasser: Im ersten Durchgang war sie noch Zweite, schließlich wurde sie nur Sechste.

Dass Fenninger erneut triumphierte, lag freilich nicht nur am Rückenwind für die Psyche, mit dem sie in den Bewerb ging. Sondern auch und vor allem daran, dass die 25-Jährige wieder einmal bewies, was für eine komplette Skifahrerin sie ist, die nicht nur Speedrennen sondern auch den Technikwettbewerb Riesentorlauf beherrscht.

Großer Vorsprung schon nach dem ersten Durchgang

Schon im ersten Durchgang fuhr Fenninger einen Vorsprung von acht Zehntel auf die Zweitplatzierte, mit Michaela Kirchgasser ebenfalls eine Österreicherin, heraus. Es gelang ihr in einer hochkonzentrierten Fahrt, die Schwünge auszureizen, so bis zum letzten Moment zu beschleunigen und auch bei heiklen Stellen die Geschwindigkeit mitzunehmen.

Dabei meinte Fenninger nach dem Lauf gar, dass sie nicht einmal die optimale Linie erwischt hätte.

Der ausgezeichneten Technikerin kam auch entgegen, dass es ein sehr anspruchsvoller Riesentorlauf war, den die 116 für diesen Bewerb gemeldeten Fahrerinnen - die auch aus Ski-Exotenländern wie Indien, Peru, Mexiko oder Libanon kamen - zu bewältigen hatten. Gleich bei den ersten Toren gab es eine teuflische Welle, der etwa die als Mitfavoritin gehandelte Tirolerin Eva-Maria Brem oder die Schweizerin Lara Gut zum Opfer fielen.

Sonst erwies sich die Piste als griffig und hart. Der Kurs im ersten Lauf hatte weite Torabstände, und der Hang mit einen vielen Übergängen machte es den Läuferinnen schwer, den richtigen Rhythmus zu finden. Hinter Fenninger drängte sich nach dem ersten Durchgang in knappen Abständen das Feld. Auf Kirchgasser folgten die Schwedin Jessica Lindell-Vikarby und an vierter Stelle die bei dieser WM schon so erfolgreiche Slowenien Tina Maze, die aber am Ende nicht auf das Podest kam.

Der zweite Durchgang war ähnlich gesteckt wie der erste und auch die Wellen, die vielen Läuferinnen Probleme bereiteten, wurden nicht weniger. Die große Frage war aber eigentlich nur, ob bei Fenninger die Nerven halten würden. Und sie hielten. Erneut fuhr sie - bis auf einen Fehler im Schlussteil - einen starken Lauf und konnte sich über einen wahrlich überlegen Sieg freuen.

Mit dem Ergebnis setzte Fenninger nicht nur ihren persönlichen Erfolgslauf, sondern auch den des österreichischen Ski-Teams bei dieser Weltmeisterschaft in den USA fort. Die Goldene der Ausnahmekönnerin ist die bereits achte Medaille der österreichischen Auswahl bei dieser Weltmeisterschaft.