Somit wird aber auch die Titelverteidigung für Marcel Hirscher, der vor zwei Jahren in Schladming vor 40.000Fans sein Meisterstück abgeliefert hatte, fast zur Mission Impossible. Zumal der Torlauf anders als in den Vorsaisonen heuer nicht mehr seine dominante Disziplin ist. Zwei Siegen (Aare und Zagreb) sowie drei Stockerlplätzen stehen ein Ausfall (Wengen) und ein enttäuschender 14. Platz im letzten Prä-WM-Rennen in Schladming gegenüber. "Ich bin schlecht Ski gefahren. Ich muss schauen, dass ich im Slalom zur Form finde. So mies war ich schon lange nicht mehr", diagnostizierte der Salzburger damals selbstkritisch. Wie der Überraschungserfolg in der WM-Kombination (mit Laufbestzeit im Slalom) sowie die starken Läufe im Teambewerb bewiesen, hat er seine Form längst wieder erlangt.

Und mit frischen Goldmedaillen um den Hals lässt es sich gewiss auch viel leichter Slalomfahren als vor zwei Jahren. Damals lastete der ganze Druck der Skination auf seinen Schultern - Hirscher musste es im letzten Bewerb richten und die einzige Einzel-Goldene bei den Heimspielen sichern. Damals war Gold Pflicht, am Sonntag wäre sie bloß Kür. Ein rot-weiß-rotes Gold unter vielen.

Matt: Der Erfolgreichste tritt ab

Das sollte aber auch die restliche, nicht unbedingt erfolgsverwöhnte heimische Slalom-Equipe beflügeln: Mario Matt etwa, der erfolgreichste österreichische Slalomfahrer der Ski-Geschichte mit Olympiagold 2014 sowie den beiden WM-Titeln 2001 und 2007. Es wäre allerdings eine mittlere Sensation, wenn sich der 35-Jährige zum dritten Mal WM-Gold holen würde, denn zu einer an Ausfällen reichen Saison gesellte sich ein kapitaler Sturz beim Training in Colorado, der ein Antreten in Frage stellte, sowie ein lästiger Infekt. Dabei ist es definitiv sein letztes Großereignis, denn ein Antreten bei der WM in zwei Jahren in St. Moritz schließt Matt heute "zu hundert Prozent" aus. "Natürlich ist das alles andere als positiv. Aber wenn ich halbwegs schmerzfrei in den Skischuh steigen kann und die Abstimmung treffe, dann weiß ich, dass ich es drauf habe. Mein Speed passt, auch wenn es die Ergebnisse in dieser Saison noch nicht gezeigt haben", meinte Matt. Ein Umstand wird ihn zusätzlich motivieren: In der ÖSV-Mannschaft steht neben ihm, Hirscher, Benjamin Raich und Reinfried Herbst auch noch sein 21-jähriger Bruder: Michael Matt.