Vail. Die 43. alpine Ski-Weltmeisterschaft in Vail/Beaver Creek ist seit Sonntag Geschichte - wie es sich gehört, wurde die WM-Fahne an den nächsten Ausrichter, St.Moritz in der Schweiz, weitergereicht. Die Latte für die Eidgenossen liegt in zwei Jahren hoch, denn die Amerikaner erwiesen sich als gute Gastgeber, die auch bei den Medaillenentscheidungen durchaus spendabel waren. Die "Wiener Zeitung" zieht Bilanz über die Tops und Flops der WM:

Marcel Hirscher: Der 25-jährige Salzburger ist ein Phänomen: Mit Rücktrittsgedanken in die Saison gestartet, führt er nicht nur wieder den Weltcup an, sondern war zum Saisonhöhepunkt auch am Höhepunkt seiner Form. Mit Kombinationsgold überraschte er alle, im Teambewerb führte er Österreich zum nächsten Titel, im Riesentorlauf lieferte er sich mit Ted Ligety einen Fight um den Sieg. Nur der ganz große Schlussakkord - wie vor zwei Jahren in Schladming - verpuffte im dichten Schneetreiben von Beaver Creek. Bei immer schwieriger werdender Sicht fädelte Hirscher im Slalom kurz vor dem Ziel ein - just, als sein Vorsprung auf den späteren Sieger Jean-Baptiste Grange wieder auf rund drei Zehntel angewachsen war. Doch Hirscher haderte nicht, sondern sorgte als erfolgreichster Athlet für einen pfiffigen Schlusssatz: "Jetzt gerade ist es zwar oarsch, aber im Grunde war es eine Super-WM."

Anna Fenninger: Die war es gewiss auch für Anna Fenninger, die so wie Hirscher zwei Mal Gold und ein Mal Silber mit nach Hause nahm. In Super G und Abfahrt lieferte sie sich mit Tina Maze ein Hundertstelduell, das sie einmal für sich entschied - im Riesentorlauf deklassierte sie dann den Rest der Welt mit einem Vorsprung von 1,40 Sekunden. Die 25-Jährige ist auf dem besten Weg, die große Dominatorin des Sports zu werden, wiewohl sie bereits acht Medaillen bei Großereignissen gewonnen hat.

ÖSV-Team: "Diese WM wird für uns als Erfolg in die Geschichte eingehen, wir sind happy", resümierte Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher. Die Debakel in Herren-Slalom und -Abfahrt (Rang 12 als bestes Ergebnis) trüben die Bilanz nur unwesentlich. Mit fünf Mal Gold, drei Mal Silber und ein Mal Bronze war dies die viert-erfolgreichste WM der Geschichte.

Die Veranstalter: Bis auf Kleinigkeiten war die WM perfekt organisiert: Trotz mitunter zweistelliger Plusgrade waren die Pisten in perfektem Zustand, dazu war endlich auch die Atmosphäre dem Ereignis angemessen. Insgesamt rund 130.000 Besucher bevölkerten an den Renntagen die riesige Tribüne im Zielstadion - ein gewaltiger Sprung gegenüber den Geisterrennen der Titelkämpfe anno 1989 und 1999.

US-Team: Ein Grund für das große Interesse waren freilich die US-Stars, die in Schladming noch das beste Ski-Team der Welt bildeten. Doch dem Druck der Favoritenrolle konnten die Amerikaner anfangs nicht standhalten. Erst am Schluss sorgten ein Husarenritt von Ligety und ein unwiderstehliches Finish von Mikaela Shiffrin im Slalom mit zwei Mal Gold für ein versöhnliches Ende. Eine Enttäuschung gab es hingegen für Lindsey Vonn: Statt Doppel-Gold in Abfahrt und Super G gab es nur ein Mal Bronze, viele Tränen und die Erkenntnis, dass (das steile) Beaver Creek eben nicht (das flache) Lake Louise ist.

Routiniers: Oldies but Goldies war zunächst das Motto, als sich Hannes Reichelt (34) und Maze (31) zu den ältesten Titelträgern der Historie kürten. Doch dann sahen die Old Men in Colorado kein Land mehr: Bode Miller (37) zerschellte im Super G, auch Mario Matt (35) und Benjamin Raich (36) kamen bei ihren letzten WM-Einsätzen nicht ins Ziel. Reinfried Herbst (36) wurde zum Abschied immerhin als Zwölfter bester Österreicher im Torlauf.

Schweiz: Ob der Heimvorteil in zwei Jahren beflügeln kann? In Vail hat die frühere Alpingroßmacht mit drei Medaillen bloß das Minimalziel erreicht, allerdings holte Patrick Küng mit Abfahrtsgold das wichtigste Edelmetall. Daher ist das eidgenössische Jammern vorerst auch vorbei.

Italien: Gejammert wird dafür im alpinen Kernland Italien: Wie 1980 in Lake Placid und schon 1989 und 1999 in Vail gab es kein Edelmetall. Bei den Herren ließen Christof Innerhofer und Dominik Paris aus, bei den Damen sucht man vergeblich Nachfolger vom Schlag einer Isolde Kostner.