Falun. (may/apa) Es muss ja nicht wieder so verflixt zugehen wie vor einem Jahr bei Olympia: Um lächerliche 1,2 Punkte verpasste Daniela Iraschko-Stolz damals die goldene Krönung ihrer Karriere - wiewohl sie mit Silber hinter der Deutschen Carina Vogt auch ganz gut leben konnte. Diesmal sollen beim WM-Auftaktbewerb der Skispringer am Freitag (17 Uhr/ORFeins) die fehlenden Meter, Stilnoten und Windpunkte möglichst wieder zurückkommen, zumal die 31-jährige Steirerin als Topfavoritin in das Springen von der Normalschanze geht. Denn Iraschko-Stolz ist nicht nur als souveräne Weltcup-Spitzenreiterin nach Falun gekommen, sondern auch als Ex-aequo-Siegerin der Generalprobe vor wenigen Tagen im slowenischen Ljubno. Druck erzeuge diese Situation aber nicht, beteuert sie: "Gott sei Dank zähle ich zu den Topfavoritinnen. Denn das bedeutet, dass ich gut in Form bin und diese Saison auch schon etwas erreicht habe", meinte die Steirerin.

Die Erfolgsbilanz der 31-Jährigen im bisherigen WM-Winter kann sich wahrlich sehen lassen. Nach fünf Siegen und fünf weiteren Stockerlplätzen führt sie die Weltcupwertung überlegen vor der Pokalverteidigerin Sara Takanashi aus Japan an. Beim Saisonfinale auf der Großschanze in Oslo am 13. März würde ihr schon ein 19. Platz zum erstmaligen Gewinn der Kristallkugel reichen. "Das schaut gut aus und macht mich auch hier bei der WM lockerer", meinte Iraschko-Stolz. "Nach der Erfahrung bei Olympia kann auch von der Nervosität her nichts Größeres mehr kommen. Ich weiß, dass es möglich ist, hier eine Medaille zu gewinnen."

Die Wahl-Tirolerin gilt als Grande Dame des Skispringens: Sie hat sich eingesetzt für die Gleichberechtigung der Springerinnen durch die Einführung des Weltcups, war bei der ersten WM 2009 ebenso dabei (Platz 4) wie bei der Olympia-Premiere in Sotschi. Sportlicher Höhepunkt war 2011 die WM in Oslo, wo sie sich den Titel holte; die Titelkämpfe 2013 verpasste sie allerdings wegen eines Kreuzbandrisses.

Das Ziel lautet Gold

Für Freitag gibt es nur ein Ziel, das sie selbstbewusst und klar formuliert: Gold. "Aber schöner als in Oslo kann es nicht werden", schränkt Iraschko-Stolz ein, schließlich ist der Holmenkollen der Holmenkollen und als solcher das Mekka des Sprunglaufs.

Wie die ersten Trainingssprünge zeigten, liegt der Eisenerzerin das moderne Profil der Lugnet-Schanze von Falun (Hillsize 100Meter): "Es taugt mir. Ich weiß, dass ich noch Potenzial habe und war trotzdem vorne dabei", erklärte sie nach dem Mittwoch-Training mit Bestweiten in zwei der drei Durchgänge. Zum Abschluss setzte sie bei 94 Meter einen sauberen Telemark und übertraf damit den bisherigen Schanzenrekord um einen Meter.

Doch auch die anderen Österreicherinnen haben das Potenzial, um eine Medaille mitzuspringen: Chiara Hölzl etwa, die vor zwei Jahren bei ihrem WM-Debüt mit Silber im Mixed-Teambewerb aufzeigte. "Aus dem Teamküken ist eine richtige Athletin geworden", lobte Damen-Trainer Andreas Felder die 17-jährige Salzburgerin. Auch die Spätstarterin Eva Pinkelnig (26) könne in Falun wieder überraschen. "Sie hat gewaltig eingeschlagen und gezeigt, dass sie ein Riesenpotenzial hat", meinte Felder. Etwas schwer tut sich indes Jacqueline Seifriedsberger, WM-Dritte in Val die Fiemme. "Ich weiß, woran es liegt. Aber ich tue mir schwer, das umzusetzen, was ich mir vorgenommen habe", erklärte die 24-Jährige, die nach einem Kreuzbandriss erst wieder in die Erfolgsspur zurückfinden muss.