Falun. (may) Ist Dabeisein wirklich alles? Das Motto mag für Olympia ganz praktikabel sein, für eine WM aber schon nicht mehr so - und schon gar nicht, wenn es um das Aufgebot im ÖSV-Springer-Team geht. Wer da dabei ist, ist normalerweise ein seriöser Medaillenkandidat. Normalerweise. Denn außer Tourneesieger und Falun-Bronzemedaillengewinner Stefan Kraft hat sich von den anderen rot-weiß-roten Kandidaten in den Trainings auf der Großschanze keiner wirklich für den Einzelbewerb am Donnerstag (17 Uhr) aufgedrängt. Während der Salzburger auf dem Lugnet-Bakken weitenmäßig mit der Weltspitze mithielt und immer unter den besten Drei war, was ihn automatisch zu einem Mitfavoriten auf den WM-Titel macht, fielen die übrigen Adler leistungsmäßig extrem ab. Wenn nicht ein kleines Wunder passiert, werden sie über das olympische Motto nicht hinauskommen.

Faktum ist, dass manch einer die gute Frühform just zum Saisonhöhepunkt wieder verloren hat (Tournee-Zweiter Michael Hayböck) und andere in diesem Winter überhaupt noch nicht auf Touren gekommen sind (Gregor Schlierenzauer und Thomas Diethart). Und ein Dritter, der Schweden am Dienstag mangels Startchance entnervt verlassen hat, wird sich wohl demnächst damit auseinandersetzen müssen, ob er den Weg der anderen verdienstvollen Adler-Kollegen einschlägt und seine Karriere beendet: Andreas Kofler. Nach Thomas Morgenstern, Wolfgang Loitzl und Martin Koch wäre das goldene Springer-Quartett a.D. komplett.

Doch die Gegenwart heißt Falun, und da ist die ÖSV-Mannschaft verzweifelt gefordert, die (mit Ausnahme von Kraft) bisherigen schlechten Leistungen vergessen zu machen und spätestens bis zum Teambewerb am Samstag eine konkurrenzfähige Truppe zu stellen. Immerhin sind die ÖSV-Adler seit 2005 bei allen WM-Teamspringen siegreich geblieben - in der momentanen Form wäre jedoch selbst Bronze außer Reichweite. Denn während die Weltbesten im Training über 130 Meter weit segelten, landeten Schlierenzauer (115/115/121,5 Meter) und Hayböck (123/123/112 Meter) im geschlagenen Feld; auch Überraschungsmann Manuel Poppinger konnte am Dienstag seine Weiten vom ersten Trainingstag nicht wirklich bestätigen (126 und 122,5) - immerhin, wie für seine Teamkollegen reichte es für den Startplatz im WM-Aufgebot.

Zufrieden konnte damit niemand sein, auch Cheftrainer Heinz Kuttin nicht. "So wie die Ausgangslage momentan ist, kämpfen wir." Wenngleich auch der Kärntner die Hoffnung auf eine Trendwende noch nicht aufgegeben hat. "Wir wissen, wie schnell es gehen kann" -und daher werde er versuchen, das Negative "aus den Köpfen zu bringen". Ob es nur am Negativen in den Köpfen liegt? Denn wenn man den einstigen Seriensieger Schlierenzauer zuletzt so zugehört hat, dann hat er Optimismus pur versprüht und trotz seiner manifesten Setup-Probleme die Gold-Medaille als realistisches Ziel angegeben: "Wir reden vom Gewinnen", sagte er.

Hoffen auf die Kraft-Bombe

Vielleicht meinte er damit aber auch nur Teamkollege Kraft, der unter normalen Umständen der einzige rot-weiß-rote Anwärter auf Gold ist. Form und Fluggefühl stimmen beim 21-jährigen Salzburger, dazu gibt ihm die Schanze Sicherheit: "Ich mag die Schanze, wie man sieht, sehr gerne. Alles funktioniert sehr gut. Ich kann machen, was ich will, es funktioniert einfach. Das beruhigt natürlich. Wenn dann auch noch die berühmte Bombe kommt, dann kann es für etwas ganz Cooles reichen."