Hinterstoder. Ein "Two-score game" nennt sich im American Football ein relativ komfortabler Vorsprung, der vor allem gegen Ende einer Partie die taktischen Spielchen des führenden Teams befeuert. Denn der Gegner benötigt, wie der Name schon sagt, noch zwei Punktezuwächse (Scores), um noch zu gewinnen. Was das alles mit dem alpinen Ski-Weltcup zu tun hat? Insofern sehr viel, als Marcel Hirscher seit Freitag den Kampf um die große Kristallkugel zu einer Art "Two-score game" gemacht hat. Sein wohl einzig verbliebener Konkurrent um den Gesamtweltcup, Henrik Kristoffersen, liegt nach dem ersten Riesentorlauf von Hinterstoder nämlich nunmehr 203Punkte hinter dem Salzburger. Das bedeutet, dass Hirscher zwei Mal ausfallen und der Norweger gleichzeitig zwei Mal gewinnen müsste, um einen solchen Vorsprung (beinahe) zu egalisieren. Da es heuer nur noch zwei Slaloms (Kranjska Gora und St.Moritz) gibt, wo ein solches Szenario theoretisch eintreten könnte, sind somit Hirschers Chancen auf die historische fünfte Kugel en suite schon sehr groß. Außerdem stehen für Hirscher noch vier Riesentorläufe (Hinterstoder, zwei Mal Kranjska Gora und St. Moritz) sowie zwei SuperG (Hinterstoder und St. Moritz) auf dem Programm, wo er seinen Vorsprung tendenziell vergrößern dürfte.

Es war am Freitag allerdings ein hartes Stück Arbeit für Hirscher, um in diesen Komfort eines Mehr-als-200-Punkte-Vorsprungs zu kommen: In beiden Durchgängen wäre ihm auf der extrem eisigen Hannes-Trinkl-Piste nämlich der für einen Riesenslalom untypische und zudem weit gehende Zielsprung fast zum Verhängnis geworden - beide Male rettete sich der 26-Jährige mit einer akrobatischen Einlage ins Ziel, während den gut 10.000 Fans ebendort der Atem stockte. Beide Fehler machten es dem Annaberger freilich unmöglich, mit Alexis Pinturault ernsthaft um den Sieg zu kämpfen. Der Franzose baute im Finaldurchgang auch einen kapitalen Schnitzer ein, am Ende betrug sein Vorsprung dennoch 79Hundertstelsekunden. Mit Rang vier (+1,32) wahrte Kristoffersen seine theoretische Chance auf den Gesamtweltcup.

Dass dieser etwas frustriert den Kampf um die Kugel bereits als erledigt bezeichnete, wollte Hirscher indes nicht recht glauben: "Ich kenne die Taktik. Es ist sicherlich viel zu früh, irgendetwas als fix zu bezeichnen, das wissen wir alle." Der zweite Platz sei am Freitag jedenfalls "das absolute Maximum" gewesen, da Pinturault - zuletzt auch Riesentorlauf-Sieger in Japan - derzeit eine Klasse für sich sei. "Es geht gerade nicht mehr so leicht, wie es einmal gegangen ist. Ich musste fast über das Limit gehen, um vorne dabei zu sein. Nur mit Glück habe ich das Ziel erreicht", resümierte Hirscher, der am Samstag (12 Uhr/ORFeins) auch wieder im SuperG punkten möchte. Österreichs Bester in dieser Disziplin ist momentan Vincent Kriechmayr, der im Stodertal als Absolvent der Skihauptschule Windischgarsten zudem absoluten Heimvorteil genießt: "Ich werde alles dafür tun, dass ich dort ganz oben stehe", versprach der Mühlviertler.

Herren-Riesentorlauf in Hinterstoder:

1. Alexis Pinturault (Fr) 2:31,72

2. Marcel Hirscher (Ö)+0,79

3. Thomas Fanara (Fr)+0,92

4. Henrik Kristoffersen (Nor)+1,32

Weiters:

14. Philipp Schörghofer (Ö)+2,83

16. Manuel Feller (Ö)+2,90

Programm am Wochenende:

Super G Samstag, 12.00 Uhr

Riesentorlauf Sonntag, 9.30/12.30 Uhr

Damen in Soldeu:

Super G Samstag, 10.30 Uhr

Kombination Sonntag, 10.30/13.30 Uhr