Wien. Head-Boss Johan Eliasch ist Geschäftsmann, und hat in seiner bisherigen mehr oder weniger erfolgreichen Karriere als Investor im Ski-Business schon einiges erlebt. Als aber vor 14 Tagen ausgerechnet die beste Skirennläuferin im Team, Lindsey Vonn, vor laufender Kamera auf ihren Head-Ski einschlug, dürfte selbst ihm das Schnitzel im Hals stecken geblieben sein. Dass ihre Wut eigentlich der Bindung galt, die während der Abfahrt von La Thuile aufgegangen war, konnte man auf dem Social-Media-Video nicht sofort erkennen - weswegen für viele Nutzer der Schluss nahelag: Fährt Vonn, die sich für ihren emotionalen Aussetzer entschuldigte, vielleicht einen schlechten Ski?

Die Antwort lautet nein. Denn tatsächlich läuft es für das Unternehmen, der 1995 den einst maroden österreichischen Wintersportausrüster HTM geschluckt hatte, sportlich und wirtschaftlich ganz gut. So ist die Liste an prominenten Stars, die regelmäßig beim Interview ihre Eliasch-Latten in die Kameras halten, - darunter große Namen wie Kjetil Jansrud, Alexis Pinturault, Lara Gut oder auch die verletzten Vonn, Aksel Lund-Svindal und Matthias Mayer - beeindruckend lang. Jeder einzelne Erfolg dieser Athleten bringt Head nicht nur wertvolle Publicity, sondern stärkt auch das Vertrauen in die Marke.

Leih-Ski, Klima und Russland als Herausforderungen

Dass da freilich auch beim Material und im operativen Geschäft alles passen muss, ist keine Frage. Um im direkten Wettstreit mit seinem schärfsten Konkurrenten in der Branche, Atomic, zu bestehen, hatte der Head-Chef 2015 gleich mehrere strukturelle Maßnahmen gesetzt. Im April wurde Head NV nach 15 erfolglosen Jahren an der Börse - immerhin wurde der Ausgabekurs von 11,20 Euro seitdem nie mehr erreicht - in eine GmbH (Head BV) umgewandelt. Weiters wurde der Geschäftssitz von Head Österreich nach München verlegt, lediglich Marketing und Vertrieb blieben am Standort Wien-Schwechat. Ob das auch in Zahlen ausgedrückt etwas gebracht hat - aktuelle Ergebnisse liegen nicht vor -, wird sich weisen. 2014 hatte die Firma den Umsatz im Wintersportsegment um 2,9 Prozent auf 165 Millionen Euro steigern können.

Dennoch sind die goldenen Zeiten der Ski-Industrie vorbei. Wurden vor 25 Jahren weltweit bis zu neun Millionen Paar Alpinski verkauft, so sind es heute nur noch 3,2 Millionen - davon 350.000 in Österreich. Das hat zunächst mit dem geänderten Freizeitverhalten der Leute zu tun. Winterurlaub ist nicht automatisch Skiurlaub, und Wintersport ist nicht automatisch Alpinskilauf. Weswegen viele lieber an den Strand fliegen als in die Berge. Auch, dass jährlich immer noch rund eine Million Snowboards verkauft werden, geht auf Kosten der Skiproduktion. Die zweite Ursache ist - neben dem immer milderen Winterwetter - der Trend hin zu Leihski. Wer nur einmal im Jahr Ski fährt, kommt so günstiger.