Altenmarkt/Levi. Wenn Atomic-Chef Wolfgang Mayrhofer daheim in Altenmarkt im Pongau derzeit aus dem Fenster schaut, schlägt sein Herz höher. Der Grund sind weiße Berge, verschneite Hänge und mit Glück auch noch etwas Sonne. Mayrhofer weiß, nichts kurbelt den Verkauf von Skiern und allem, was dazugehört, so an wie ein frühzeitiger Saisonstart.

Der alpine Ski-Weltcup startet schon traditionell verfrüht in den Winter. Seit etwa 20 Jahren steigt der Saisonstart Ende Oktober auf dem Gletscher, seit zehn Jahren folgen Mitte November nördlich des Polarkreises in Levi mit zwei Slaloms bereits die nächsten Rennen. An diesem Wochenende ist es wieder so weit, nachdem ja die Rennen in Finnland im vergangenen Winter bereits zum dritten Mal wegen Schneemangels abgesagt werden mussten.

Gefahren wird auch heuer auf einem dicken Kunstschneeband, der Winter hat den nördlichen Polarkreis aber schon erreicht, sodass ein Hauch von Schnee auch neben der Piste für Winterstimmung sorgt. Somit kann sich die Skiindustrie auf verkaufsfördernde Fernsehbilder freuen. Der Frühstart des Winters, der auch in den Großstädten des Alpenraums für kalte Temperaturen sorgte, ist in Sachen Verkaufszahlen aber viel bedeutender, als es die Weltcuprennen in Finnland sind.

Nicht einmal ein Ausfall seines Werbeträgers Nummer eins, Marcel Hirscher, könnte Atomic-Chef Mayrhofer am Sonntag wohl die Laune verderben. "Angesichts der niedrigen Temperaturen entwickelt sich ein gutes Gefühl in der Bauchgegend", erklärt Mayrhofer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Denn der Saisonstart für die Skiverkäufer ist fast schon geglückt. Je länger es kalt bleibt, umso besser für die Skiindustrie. "Die Stimmung", sagt Mayrhofer, "ist super wichtig. Wenn es in den Ballungszentren nahe der Alpen, in Wien, München und Mailand kalt wird, dann kaufen die Leute ein." Der Effekt eines frühen Wintereinbruchs gehe schon in die Millionen Euro, so Mayrhofer.

Wenn bei Atomic Dienstagfrüh die weltweiten Verkaufszahlen hereinkommen, braucht Mayrhofer keinen Wetterbericht mehr. Er sieht zu dieser Jahreszeit bereits an den Verkaufszahlen, wie das Wetter in den wichtigsten Märken Europa, Nordamerika und Japan ist. In den vergangenen beiden Saisonen ließ der Winter in dieser Hinsicht aus. Das wirkte sich auch auf die Geschäftszahlen aus. Atomic gibt als Teil des finnischen Amer-Sports-Konzerns selbst keine Geschäftszahlen öffentlich bekannt. Die Wintersport-Sparte von Amer Sports, zu der Atomic ebenso wie die Marke Salomon gehört, verlor von 2013 auf 2014 laut Geschäftsbericht aber 30 Millionen Euro an Umsatz. Das Plus von 13,5 Millionen Euro auf aktuell rund 400 Millionen Euro im jüngsten Geschäftsjahr 2015 konnte das Minus des Vorjahres nicht aufholen. Hauptkonkurrent Head konnte seinen Umsatz 2014 im Wintersportsegment um knapp fünf Millionen auf 164,7 Millionen Euro steigern. Aktuellere Zahlen sind für Head nicht verfügbar. Im Bereich Alpinski ist Atomic mit rund 500.000 verkauften Paar Ski freilich nach wie vor und seit langem die Nummer eins.