Wien. Als wäre es erst gestern gewesen: Die elegante Verbeugung von Stephan Eberharter, nachdem er seinen Super-G-Goldlauf abgeschwungen hatte; der Husarenritt von Michael Walchhofer in der Herren-Abfahrt, in der er alle Asse überraschend ausstach; und das säuerliche Lächeln von Hans Knauß, dem wieder einmal nur Hundertstel zur Goldmedaille gefehlt haben. Vor 14 Jahren, als die Ski-WM letztmals im schweizerischen St. Moritz ausgetragen wurde, holten die ÖSV-Athleten insgesamt neun Medaillen - das ist im langjährigen Vergleich nur guter Durchschnitt. Doch 2003 war es tatsächlich das bis dato letzte Mal, dass sich die Abfahrernation Nummer eins - nämlich Österreich - die Krone im alpinen Rennsport aufsetzen durfte.

Die 37. alpinen Titelkämpfe begannen aus österreichischer Sicht fulminant: Zum Auftakt im Herren-Super-G krönte Eberharter eine perfekte Saison (Gesamtweltcupsieg und zwei kleine Kristallkugeln) mit der Goldmedaille - und das zwölf Jahre nach seinem Gold-Coup von Saalbach. Hermann Maier rundete das Ergebnis mit Silber - ex aequo mit Bode Miller - perfekt ab, nachdem er erst Wochen davor nach seinem schweren Unfall in den Ski-Zirkus zurückgekehrt war.

Auch am Tag danach ertönte das "Land der Berge" in den Schweizer Alpen: Michaela Dorfmeister, zwei Jahre zuvor in St.Anton bereits Abfahrtsweltmeisterin, war im Super G eine Klasse für sich - in einem Hundertstelkrimi siegte sie vor der US-Amerikanerin Kirsten Clark.

Doch das Highlight aus österreichischer Sicht sollte im Nobelskiort im Oberengadin erst kommen. Bei strahlendem Sonnenschein und perfekten Bedingungen gelang Walchhofer, der zwei Jahre zuvor von den kurzen Slalom-Latten umgestiegen war und zu jenem Zeitpunkt erst 17Weltcupabfahrten in seinen (langen) Beinen hatte, der Lauf seines Lebens. Während alle Stars zur Hochblüte des rot-weiß-roten Ski-Wunders an diesem 8. Februar 2003 versagten beziehungsweise mit der welligen Strecke nicht zurechtkamen, flog der Hotelier aus Altenmarkt-Zauchensee mit der hohen Nummer 31 förmlich Richtung Ziel. Titelverteidiger Hannes Trinkl (31.), 1999-Weltmeister Maier (8.), Olympiasieger Fritz Strobl (10.) und Eberharter (5.) landeten allesamt im geschlagenen Feld - und just der 1,92 große Außenseiter holte die Goldmedaille. "Es war eine wirklich gute Fahrt. Schon beim letzten Sprung habe ich gedacht, dass ich schnell bin und dass es sich vielleicht für den Titel ausgeht", sprach der damals 27-Jährige freudestrahlend in die Mikrofone. Mit 0,51 Sekunden Vorsprung auf den Norweger Kjetil-Andre Aaamodt und fast einer Sekunde auf Bronze-Mann Bruno Kernen aus der Schweiz war es die mit Abstand beste Fahrt von der Corviglia. Apropos Schweizer: Für die Gastgeber war die Heim-WM eine mittlere Enttäuschung, lautete die magere Ausbeute doch: kein Gold, je zwei Mal Silber und Bronze. Da haben die Eidgenossen heuer wahrlich einiges gutzumachen.