St. Moritz. (may) Drei Hundertstel fehlten beim City-Event in Stockholm zum Aufstieg; vier Hundertstel waren es in Riesentorlauf von Adelboden auf den Triumph; neun beziehungsweise 15 Hundertstel fehlten bei den Slaloms von Schladming und Wengen zum Sieg. Und jetzt bei der WM in St.Moritz war es sogar der im Ski-Rennsport kleinstmögliche Abstand, der Marcel Hirscher zum Verhängnis wurde: eine Hundertstelsekunde. Platz zwei statt Sieg, Silber statt Gold, verpasste statt erfolgreiche Titelverteidigung in der alpinen Kombination. "Die Hundertstel reißen mir heuer die letzten Haare vom Kopf aus", erklärte der Superstar aus Salzburg darob auch leicht entnervt ob des in dieser Saison besonders schicksalshaft Ausschlagens der Zeitnehmung. Dass diese Hundertstel irgendwann wieder zurückkommen - an diesen Spruch glaubte der 27-Jährige im Zielraum der Corviglia stehend schon nicht mehr: "Es muss gar nicht unbedingt im Sport sein", fügte er letztlich aber doch leicht optimistisch an.

Der, der ihn am Montag nach gut zweieinhalb Minuten Fahrzeit bloß um eine Skispitze bezwang, war wie Hirscher vor zwei Jahren als Erster in den Slalom gegangen und hatte wie der Salzburger in Beaver Creek im Frühlingsschnee die perfekten Pistenbedingungen auszunutzen gewusst: Luca Aerni. "Ich kann es gar nicht richtig glauben", stammelte der 23-jährige Schweizer, der nur einmal richtig um die Goldmedaille zittern musste, als nämlich Landsmann Mauro Caviezel die Bestzeit angriff, letztlich aber mit sechs Hundertstel Rückstand Bronze holte. Womit sich der WM-Gastgeber anschickt, erstmals seit 2009 wieder die Medaillenwertung zu gewinnen - mit dreimal Gold liegen die Eidgenossen vor dem Teambewerb am Dienstag und den Technik-Disziplinen (ab Donnerstag) klar vor Österreich in Front.

Hirscher hatte am Vormittag für seine Verhältnisse eine solide, aber aufgrund eines Fehlers keine wirklich optimale Abfahrt hingelegt. 2,3 Sekunden Rückstand auf den Halbzeitführenden Romed Baumann bedeuteten Rang 28 und somit Startnummer drei im Slalom. Dort steuerte er dann auch scheinbar ungefährdet auf eine Bestzeit zu, doch ein kleiner Fahrfehler im Schlussabschnitt kostete letztlich fast eine halbe Sekunde und somit sein drittes WM-Einzelgold. "Ich habe einfach auch nicht das Beste gezeigt, was möglich ist. Da ist es dann ruckzuck vorbei", gestand Hirscher am Ende auch ein und gratulierte dem Sieger. Nach dem ersten Ärger glänzte für ihn aber Silber doch noch irgendwie: "Die Medaille kommt unverhofft. Ich bin ziemlich happy." Schließlich habe er auch überlegt, sich zu schonen und gar nicht erst anzutreten.

Allerdings ließ Hirscher nicht unerwähnt, dass die Piste keine fairen Verhältnisse für die Besten nach der Abfahrt zuließ. "Grundsätzlich ist hier alles top. Die Slalompiste heute war aber ein Flop. Da war für die hinteren Nummern nichts mehr drin", meinte Hirscher. So verlor Baumann, der nach der Abfahrt noch als aussichtsreichster Medaillenanwärter aus heimischer Sicht gegolten hatte, im Slalom fast vier Sekunden auf Aerni - Platz zwölf für den Tiroler. Auch Top-Favorit Alexis Pinturault war chancenlos, er landete nach verhaltener Fahrt im Torlauf auf Rang zehn. Am besten schlug sich im Slalom von den Österreichern noch Vincent Kriechmayr, der letztlich Achter wurde, jedoch seine Edelmetallchancen schon in einer etwas verpatzten Abfahrt begraben hatte.

Baumann selbst bestraft

Außer Hirscher haderte vor allem auch Baumann mit dem Ergebnis: "Mit einer guten Abfahrt hast du dich heute selber bestraft. Schade, dass nicht mehr drinnen war. Ich war machtlos", betonte der WM-Dritte in der Kombination vor vier Jahren in Schladming. Nachsatz: "Deshalb sehe ich es relativ sportlich, gegen das Wetter kannst du nichts tun." Die Abfahrtsbestzeit war aber Balsam auf seinen Wunden, war Baumann doch für das Spezialrennen zum bereits sechsten Mal in seiner Karriere in der Qualifikation gescheitert. "Ich habe auf einen Startplatz gepocht und ihn nicht bekommen. Das war zumindest eine Bestätigung, dass ich nicht nur laut geschrien habe, sondern dass, was dahinter gewesen wäre."

Ergebnis alpine Kombination:

1. Luca Aerni (Sui) 2:26,33

2. Marcel Hirscher (Ö)+0,01

3. Mauro Caviezel (Sui)+0,06

Weiters:

8. Vincent Kriechmayr (Ö)+0,75

12. Romed Baumann (Ö)+1,12

17. Matthias Mayer (Ö)+1,59

Teambewerb Dienstag, 12 Uhr