Lahti. Die Dominanz der Deutschen hat am Freitag im ersten WM-Bewerb der 51. Nordischen Titelkämpfe keinen Medaillenplatz übrig gelassen. Auch nicht für die ambitionierten Österreicher, die allerdings als Team mit den Rängen sieben, acht, 16 und 18 und wegen diverser anderer Indikatoren am Sonntag im Kampf um eine Mannschaftsmedaille gute Karten in der Hand haben.

Großschanzen-Weltmeister Bernhard Gruber, dem am Ende als Siebenten nur 9,1 Sekunden auf Bronze fehlten, hat sich in den ersten drei Runden auf der Loipe rausgehalten. "Ich wollte mein Tempo durchziehen. Es ist dann eine recht große Gruppe entstanden. Aber wie man sieht, Bronze ist eben wieder an Deutschland gegangen", sagte der Salzburger. "Die haben einfach am Ende einen irrsinnig starken Antritt. Das gibt es ja nicht, dass wir das nicht auch draufhaben! Wir haben das auch trainiert und wir haben das auch drauf", glaubt Gruber.

Bei ihm seien die Bedingungen auf der Schanze wechselhaft gewesen. In der Loipe habe er sich "von Runde zu Runde stärker" gefühlt. "Als dann die Post abgegangen ist, haben mir die Haxn zum Brennen angefangen", haderte er mit sich und dachte an Dominik Landertingers gezeigtes Finish in Hochfilzen. "So eine Attacke wie der Landi bei der Biathlon-WM, das würde ich mir einmal wünschen, das hat mir imponiert."

Philipp Orter war nach seiner zweiten Laufbestzeit des gesamten Feldes nach der Ramsau sehr zufrieden. "Ich habe es in den letzten paar Wochen schon gespürt, in Pyeongchang war ich schon richtig schnell mit der zweiten und der vierten Zeit", erinnerte der WM-Achte vom Freitag. "Ein bisserl ärgern tut es mich, dass im Springen nicht mehr drinnen war, da war ich ein bisserl verkrampft."

Für den Teambewerb sieht Orter eine gute Medaillenchance für Österreich. "Die Sprungergebnisse sind auf dieser Schanze ziemlich knapp beieinander. Wir müssen schon geschlossen gut springen, aber gut laufen. Die Chancen stehen ganz gut."

Die beiden WM-Debütanten Mario Seidl und David Pommer bilanzierten nach den Rängen 18 bzw. 16 dennoch zufrieden. "Ich war bis zur letzten Runde voll gut positioniert. Ich habe gewusst, es geht um eine Medaille. Leider habe ich mich mit irgendjemandem verhakelt, weiß selbst nicht mehr wer", sagte Seidl zum Tumult in der großen Verfolgergruppe. Danach waren alle Chancen dahin. "Nach dem Aufstehen habe ich gedacht, ich habe Betonhaxn."

Für den Mannschaftsbewerb am Sonntag ist er zuversichtlich. "Wir sind als Team sehr gut aufgestellt, wir waren zu viert in der Verfolgergruppe. Wir sind gut drauf. Wenn jeder seine Leistung bringt, können wir sicher um die Medaillen mitfighten."

Auch für Pommer war die Premiere "natürlich nicht ganz nach Wunsch, aber der Auftakt ist geglückt. Im Endeffekt war ich bis einen Kilometer vor dem Ziel in der Gruppe um die Bronzemedaille voll dabei. Es waren dann einige Stürze, wo ich einmal über den Seidl Mario drübersteigen habe müssen", erzählte Pommer. "Ich habe riskiert und ein bisschen was verloren, aber genauso auch gewonnen nämlich an Erfahrung."

Von einer bereits an die mächtigen Deutschen vergebenen Goldmedaille auch im Teambewerb wollte der Youngster aber nichts hören. "Das würde ich nicht sagen, gerade die Staffelbewerbe haben eigene Gesetze wie jeder WM-Wettkampf. Wenn wir sagen, die Deutschen gewinnen sowieso, dann können wir eh gleich im Zimmer bleiben."

Cheftrainer Christoph Eugen sah den ersten Bewerb nüchtern: "Natürlich ist es enttäuschend. Es war halt einfach die Konstellation so, dass der Frenzel vorne weg war, und einen richtig guten Sprung gemacht hat. Rydzek hat auch ein bisserl Windglück gehabt. Dann war klar, dass hinten Kircheisen und Rießle nichts tun, wenn zwei Deutsche vorne sind. Die haben sich hinten ausgeruht und dann angerissen. Das war für alle zu viel, auch für unsere." Ob das ÖSV-Quartett am Sonntag auch im Teambewerb gleich bleibt, wollte Eugen noch nicht fixieren.