Lahti. (may) Rune Velta. Wer sich an den amtierenden Weltmeister von der Normalschanze erinnert, darf sich zu den absoluten Auskennern des Sprungsports zählen. Der Bronzemedaillengewinner von Falun 2015 wird einem vergleichsweise eher einfallen - nämlich Stefan Kraft. Dieser schickt sich bei den aktuellen Titelkämpfen in Lahti am Samstag (16.30 Uhr/ORFeins) an, in die Sprungstiefel des längst zurückgetretenen Norwegers zu treten und seine erste Goldmedaille bei einer Großveranstaltung zu holen. Denn der 23-Jährige ist momentan in der Form seines Lebens, hat zuletzt im Weltcup bei drei Siegen sieben Stockerlplätze in Serie geschafft und am Freitag in der abschließenden Qualifikation bewiesen, dass er mit der ungewohnten kleinen Schanze bestens zurechtkommt.

Mit 99,5 Metern und der zweitgrößten Weite des Tages war der Pongauer nach zuvor verhaltenen Trainingssprüngen hochzufrieden - wiewohl er an den neuen Schanzenrekord von 103,5 Metern von Kamil Stoch bei weitem nicht herankam. Allerdings bezahlte der polnische Weltcup-Leader den weiten Satz in den Radius mit einem heftigen Stich ins Knie, der ihn sogar aus dem Stadion humpeln ließ.

"Dieser Tag war sehr wichtig", resümierte Kraft folglich, der diesmal ganz besonders auf einen perfekten Absprung achtete. "Man muss hier viel Höhe mitnehmen, um große Weiten zu erzielen. Das ist mir heute gelungen - und das gibt viel Selbstvertrauen", sagte der Salzburger. Das Ziel bei seiner dritten WM lautet klarerweise eine Medaille - und zwar mindestens eine. Vor zwei Jahren gab es für ihn auch noch Silber mit der Mannschaft - zudem sollte heuer auch im Team-Mixed-Bewerb (Sonntag, 16.30 Uhr) wieder Edelmetall möglich sein. Denn der momentane Team-Leader bei den ÖSV-Adlern liebt es, wenn es um viel geht: "Ich weiß, dass es mir taugt, wenn es um die Wurscht geht. Ich weiß, wie ich damit umgehen muss. Es taugt mir schon, dass ich zu den Favoriten dazugehöre."

Nicht mehr zu den Favoriten zählen darf sich Gregor Schlierenzauer. Der 27-Jährige ist nach einer Sturzverletzung gerade noch rechtzeitig für seine sechste WM fit geworden, richtig warm wurde er mit der Normalschanze aber noch nicht - in der Qualifikation kam er als 16. auf 92,5 Meter. "Ich habe noch einiges probiert, das müssen wir analysieren, ich muss geduldig bleiben", sagte er.

Eher auf der Medaillenrechnung muss man am Samstag Krafts Zimmerkollegen Michael Hayböck haben, zumal dieser im Vorjahr die WM-Generalprobe auf beiden Schanzen Lahtis souverän gewann. Doch Form und Gefühl sind noch nicht ident mit jenen zu den finnischen Februartagen anno 2016. "Aber ich bin knapp dabei und traue mir alles zu", sagte der Oberösterreicher nach seinem 95-Meter-Sprung. Einen halben Meter mehr schaffte der vierte ÖSV-Mann im Bunde, Manuel Fettner, der vom großen Coup namens erster Einzelmedaille träumt. "Ich bin absolut konkurrenzfähig", meinte der Tiroler.

Keine Medaille bei Damen

Das waren am Freitag auch die ÖSV-Springerinnen, die alle unter die Top-Ten sprangen. Zu Edelmetall fehlte aber doch einiges. Gold ging an die Deutsche Carina Vogt vor den beiden Japanerinnen Yuki Ito und Sara Takanashi. Die Oberösterreicherin Jacqueline Seifriedsberger wurde Sechste, Daniela Iraschko-Stolz unmittelbar vor Chiara Hölzl Neunte.

Nordische WM in Lahti, Programm:

Samstag:

Skiathlon Damen (15 km)11.00 Uhr

Skiathlon Herren (30 km)13.30 Uhr Normalschanze Herren16.30 Uhr

Sonntag:

Langlauf-Teamsprint Damen Langlauf-Teamsprint Herren12.30 Uhr

Nordische Kombination, Teambewerb

11.00/14.30 Uhr

Skispringen, Mixed-Team16.30 Uhr

Nord. Kombination, Normalschanze:

1. Johannes Rydzek (D) 26:19,6

2. Eric Frenzel (D) +14,9

3. Björn Kircheisen (D) +30,0

Weiters:

7. Bernhard Gruber (Ö) +39,1

8. Philipp Orter (Ö) +40,3