Lahti. (may) Zehn Medaillen, davon sieben in Gold, wie 2011 in Oslo werden es für Österreich mit Garantie nicht mehr. Zumal es weder Super-Adler bei den Springern noch Wunderläufer bei den Kombinierern gibt und zudem manche Bewerbe gar nicht mehr im Programm sind. Doch die aktuelle nordische WM in Lahti könnte eine der besseren für den ÖSV werden - da mit Gold, Silber und Bronze am zurückliegenden Wochenende das festgesetzte Plansoll mit drei Mal Edelmetall bereits erfüllt wurde. Gewann der derzeit beste Skispringer des Zirkus’, Stefan Kraft, am Samstag seine erste Goldmedaille auf der Normalschanze, so holten am Sonntag die Kombinierer im Mannschaftsbewerb und das ÖSV-Springerteam im Mixed mit Bronze beziehungsweise Silber das restliche Edelmetall für den kompletten Medaillensatz. Doch das sollte erst der Anfang gewesen sein.

Vor allem bei den Skispringern - die Damen sind bereits heimgereist - sollte noch etwas möglich sein. Auf der Großschanze stehen mit dem Einzelbewerb am Donnerstag und dem Mannschaftsspringen am Samstag noch zwei Bewerbe mit guten Medaillenchancen an. Bis auf Kraft und Michael Hayböck waren die ÖSV-Adler am Montag bereits am Trainieren und Schanzen-Austesten. Dabei kamen Manuel Fettner, Andreas Kofler und Markus Schiffner mit dem Bakken recht gut zurecht, während Gregor Schlierenzauer nach seiner Verletzungspause noch auf der Stelle tritt. Wer aus diesem Quartett zu den Fixstartern Kraft und Hayböck stoßen wird, entscheidet sich am Dienstag. "Dann werden wir eine Qualifikation springen für den ersten Bewerb auf der Großschanze", verriet Cheftrainer Heinz Kuttin.

Die Stimmung könnte nach Gold und Silber jedenfalls besser nicht sein. Der 23-jährige Kraft hat zudem das Potenzial, mit vier Medaillen einer der erfolgreichsten Sportler dieser WM zu werden. "Jetzt freue ich mich richtig auf die große, aber ich darf nicht zu euphorisch werden", meinte Kraft. Körperlich fühlt sich der nunmehr vierfache WM-Medaillengewinner bei nordischen Titelkämpfen sehr gut. "Ich bin wieder voll im Saft. Es hat sich sogar heute noch einmal besser angefühlt als gestern", bestätigte Kraft am Sonntagabend, als er bei der Siegerehrung seine beiden Medaillen umgehängt bekam.

Doch auch sein Zimmerkollege ist nach Rang sechs auf der kleinen Schanze und dem zweiten WM-Silber frohen Mutes. "Es ist gut, wenn man schon einmal eine Medaille auf der Habenseite hat. Jetzt kann ich befreit drauflosspringen, und da ist schon noch einiges drinnen", meinte Hayböck, der die Generalprobe im Vorjahr in Lahti dominiert hatte.

Goldene Generation kommt

In Hochstimmung sind naturgemäß auch die ÖSV-Kombinierer, die am Sonntag die erste WM-Team-Medaille seit 2011 holten, als Felix Gottwald, Mario Stecher und Co. gleich zwei Mal obsiegten. Die Bronzemedaille der rot-weiß-roten Equipe war in der Besetzung mit dem 34-jährigen Bernhard Gruber und den drei Jungen Mario Seidl (24), Philipp Orter (23) und Paul Gerstgraser (21) auch ein Beweis für den großen Talente-Pool im ÖSV in dieser Sparte. Gruber, der Weltmeister vom Großschanzen-Bewerb 2015 in Falun, der nun schon sechs WM-Medaillen sein Eigen nennen darf, freut sich sehr über den großartigen Nachwuchs im Team. "Das ist eine goldene Generation mit irrsinnig vielen Talenten. Diamanten, die man so herpolieren kann, dass sie richtig zu glänzen anfangen", erklärte Gruber enthusiastisch. Vor allem Schlussläufer Gerstgraser legte mehr als eine Talentprobe ab, als er im Duell um Bronze Japans Routinier Akito Watabe austrickste und erst im letzten Anstieg den entscheidenden Vorsprung herauslief. Auch in Hinblick auf die Heim-WM in zwei Jahren in Seefeld machen die Leistungen der Jungen Hoffnung, vielleicht dort die jahrelange deutsche Dominanz in der Kombination zu durchbrechen.

Vorher gilt es aber, in Lahti mit diesen mitzuhalten: Auf der Großschanze stehen das Einzel am Mittwoch und der Teamsprint am Freitag auf dem Programm.

Nordische WM in Lahti:

Nord. Kombination, Teambewerb:

1. Deutschland47:57,3 Minuten

2. Norwegen+41,7

3. Österreich+1:03,7

Skispringen, Mixed-Teambewerb:

1. Deutschland1035,5 Punkte

2. Österreich 999,3

3. Japan979,7

Langlauf, Damen 10 km klassischDienstag, 12.45 Uhr

Österreich mit Teresa Stadlober