Marcel Hirscher. - © ap
Marcel Hirscher. - © ap

Zagreb. (may) "Im Jänner zählt es, da musst du in Topform sein", meinte jüngst Marcel Hirscher. Und vor den großen Klassikern im alpinen Ski-Weltcup, die am Samstag (10.30/13.30 Uhr/ORFeins) mit dem Riesentorlauf in Adelboden starten, stimmt auch weiterhin die Topform des Superstars. Beim Slalom von Zagreb feierte der 28-Jährige am Donnerstag seinem 50. Weltcuperfolg - und wie zuletzt in Madonna hauchdünn vor der Konkurrenz: Michael Matt als Zweiter hatte fünf Hundertstelsekunden Rückstand, der Norweger Henrik Kristoffersen gerade einmal elf. Den mannschaftlichen ÖSV-Triumph komplettierte Vizeweltmeister Manuel Feller als Vierter (+0,79).

Bereits im ersten Durchgang dominierten die ÖSV-Asse auf der aufgrund der Plusgrade weichen und entsprechend schwierig zu fahrenden Piste am Bärenberg: Mit einem Traumlauf hatte sich Matt 0,21 Sekunden vor den Weltcupspitzenreiter gesetzt; hinter Kristoffersen (+0,59) folgte Feller (+1,07) bereits mit Respektabstand. "Oben war es Kas, unten habe ich dann Gas gegeben", kommentierte Hirscher seinen Finallauf zum vierten Zagreb-Sieg. "Voriges Jahr war ich oft knapp hinter den Siegern, heuer sind die Hundertstel auf meiner Seite." Hirscher kann somit beruhigt ins Berner Oberland fahren, wo am Dreikönigstag der wohl schwierigste, jedenfalls der längste Riesentorlauf der Saison ansteht - und so wie in Alta Badia und Val d’Isère zählt das legendäre Chuenisbärgli zu seinen Lieblingshängen. Schon fünf Mal hat er dort gewonnen, zwei Mal davon den Riesentorlauf - sein letzter Sieg ist allerdings auch schon wieder drei Jahre her. Doch noch eine mit Adelboden zusammenhängende Bilanz des sechsfachen Gesamtweltcupsiegers ist beeindruckend: Seit seinem Steher anno 2013 im Zielhang aufgrund zuviel Risikos, den er (statt zu siegen) mit Rang 16 bezahlte, klassierte sich der Annaberger im Riesentorlauf stets unter die Top sechs - 17 von 40 Rennen gewann er übrigens. "Adelboden ist sicher eines meiner Lieblingsrennen - cooler Hang, super Stimmung", meinte Hirscher einmal und bezog sich dabei vor allem auf die atemberaubende Zieleinfahrt mit Blick auf ein enthusiastisches Publikum und ein Meer aus Schweizer Flaggen. Skifahrerisch zu genießen gibt es dabei aber genau gar nichts, denn diese Passage ist möglicherweise die schwierigste im gesamten Weltcup. Bei einer Neigung von 60 Prozent wird jeder kleinste Fahrfehler bitter bestraft. Zum Vergleich: Die Kitzbühler Mausefalle ist mit 85 Prozent zwar um einiges steiler, aber dort müssen die Fahrer kurz nach dem Start "nur" drüberspringen und nicht wie in Adelboden nach einer Minute Fahrzeit im vollen Riesentorlaufschwung um die Tore hecheln. Die nun wieder kürzeren Riesentorlauf-Ski sollten es den Athleten heuer zumindest etwas leichter machen. Dafür tauchten für die Organisatoren am Horizont andere Probleme auf. Denn das Sturmtief Burglind, Dauerregen und Plusgrade haben der Piste ordentlich zugesetzt, laut Rennleiter Hans Pieren ist am Wochenende aber Wetterberuhigung angesagt. Schon 2016 hatte ein ähnlicher Warmwettereinbruch zur Absage des Riesentorlaufs gesorgt, einzig der Slalom konnte über die Bühne gehen - dieser folgt am Sonntag. Ehe es dann auf der Jänner-Klassiker-Tour weiter nach Wengen, Kitzbühel, Schladming und Garmisch geht.