Pyeongchang. (art) Die Paralympics in Pyeongchang haben noch nicht einmal begonnen, da ging es für Österreichs Team schon einmal gut los: Bestzeiten für Claudia Lösch und Markus Salcher, dazu ein dritter Platz für Roman Rabl in den ersten Trainings, das lässt für die Abfahrt am Samstag, den ersten Höhepunkt der 12. Winterspiele für Körper- und Sehbehinderte, einiges erwarten.

Eine der bekanntesten und zugleich aussichtsreichsten Athletinnen in der 13-köpfigen rot-weiß-roten Equipe ist Lösch, 29 Jahre alt und siebenfache Paralympics-Medaillengewinnerin. Mit der Rolle als Favoritin - die sie mit ihrer deutschen Dauerkonkurrentin Anna Schaffelhuber teilt - hat sie kein Problem, im Gegenteil: "Sobald ich eine Startnummer oben habe, kann ich noch ein paar Prozent mehr geben." Schon ihr erster Trainer habe gemeint: "Claudia, du bist ein Rennpferd." Damals war Lösch gerade erst im Teenagerinnenalter. Nachdem sie im Alter von sechs Jahren bei einem Autounfall eine Querschnittlähmung erlitten hatte, war sie seit einem Bericht über die Ski-WM für Körper- und Sehbehinderte beseelt vom Gedanken, selbst Rennen zu fahren. Nur ein Jahr nach ihrem ersten Monoskikurs nahm sie an ihren ersten nationalen Wettkämpfen teil, kurz darauf erfolgte der Einstieg in den Europa- und später Weltcup.

Mittlerweile hat die 29-Jährige acht Mal WM-Gold gewonnen, wurde sechsmal - auch im vergangenen Jahr - zu Österreichs Behindertensportlerin des Jahres gekürt, hat in Turin mit Bronze ihre erste Paralympics-Medaille geholt, bei ihren erfolgreichsten Spielen in Vancouver folgten zwei Mal Gold, einmal Silber und einmal Bronze, in Sotschi kam sie auf zwei zweite Plätze. Ihre Erfahrung will sie nicht nur auf, sondern auch abseits der Piste als Sprecherin der Athletinnen einbringen. "Ich habe das Gefühl, dass das IPC (Internationale Paralympische Komitee; Anm.) wie viele andere große Sport-Organisationen es dringend notwendig hätte, noch mehr auf den Input der Sportlerinnen und Sportler zu hören." Und genau da würde sie ansetzen, sollte sie gewählt werden: "Ich habe viel Erfahrung und in meiner Karriere einiges gesehen, interessiere mich für Thematiken über den Skisport hinaus - und ich bin jemand, der sich nur recht schwer den Mund verbieten lässt", wird Lösch in einer Aussendung des Österreichischen Paralympischen Komitees zitiert.

"Abfahrtsgold fehlt noch"


Auf der Strecke tritt die Wahltirolerin in der Kategorie sitzend in allen fünf Disziplinen an, in allen rechnet sie sich Medaillenchancen aus. Das Beste kommt für sie aber gleich zu Beginn: "Die Abfahrt war und ist meine Herzendisziplin. Da fehlt mir die Goldene noch in meiner Sammlung", meint Lösch. Die Bestzeit im ersten Training im Jeongseon Alpine Center relativiert sie aber: "Anna (Schaffelhuber, Anm.) hat sich oben ins Netz reingelegt, ist aber weitergefahren und war unten schneller als ich." Ihre Fahrt sei "okay" gewesen, für das Rennen habe sie sich aber noch Reserven. "Ich habe mir von der Linie her noch viel Platz gelassen." Auch das zweite Training dürfte noch keine wirklichen Aufschlüsse geben, für Donnerstag ist Schneefall angesagt.

Auch für Markus Salcher, den zweifachen Paralympics-Sieger von Sotschi, gestaltete sich das erste Kennenlernen mit der Strecke höchst erfreulich, der zweitplatzierte Kanadier Alexis Guimond hatte schon 1,46 Sekunden Rückstand auf den Kärntner. "Es war ein guter Tag, aber zählen tut es am Samstag", erklärt der 26-Jährige. Es wäre ein guter Anfang für Österreichs Team. Denn die Messlatte liegt hoch: In Vancouver und Sotschi gab es jeweils elf Medaillen.