Sölden. Zum 53. Mal beginnt am Wochenende die Jagd nach den großen Kristallkugeln im alpinen Ski-Weltcup, die Titelverteidiger Mikaela Shiffrin aus den USA und Marcel Hirscher aus Salzburg sind auch im Winter 2018/19 wieder die großen Favoriten auf die Gesamtsiege. Sölden feiert zum Auftakt 25 Jahre Ski-Weltcup, für die Damen soll es das 21. Rennen auf dem Rettenbachferner werden, für die Herren das 19. Doch ob das Gletscher-Jubiläum überhaupt reibungslos über die Bühne gehen kann, ist aufgrund der Wetterprognose mehr als unsicher: Für Samstag sind große Schneemengen angesagt, für Sonntag dann Sturmböen. Zuletzt musste im Vorjahr der Herren-Riesentorlauf wegen eines Sturms ersatzlos gestrichen werden.

Vor dem Kaltstart in den Winter gibt es auch sonst viele Fragezeichen: Auf Herren-Seite lautet die große Frage vor allem, ob sich Hirscher zum achten Mal in Folge die große Kristallkugel schnappen wird oder sich - wie selbst ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel nahe legt - als Jung-Papa nicht eher auf ausgewählte Rennen fokussiert. Im Damen-Lager startet indes Lindsey Vonn den letzten Angriff, den Rekord des Schweden Ingemar Stenmark mit 86 Weltcup-Siegen zu toppen. Die US-Amerikanerin hält bei 82, nach der Saison will sie sich selbst im Nichterfolgsfall in die Sport-Pension begeben.

Wie immer kommt Sölden vielen Athleten zu früh, die Ski-Industrie indes sehnt den Winter-Start herbei. Die viel zu warmen Temperaturen und teilweise problematischen Bedingungen auf den Gletschern haben heuer die Vorbereitung zusätzlich erschwert. Trainingsläufe fielen kurz aus, die Schneeverhältnisse waren suboptimal. "Den Ernstfall kann man also, wenn der Sommer so lange andauert, schwer simulieren", sagte ÖSV-Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum. Topsport wird man wie immer wohl trotzdem schon zu Saisonbeginn sehen. "Marcel und Manuel hatten eine sehr gute Vorbereitung, sind verletzungsfrei durchgekommen und in guter Form", bescheinigte Herren-Chef Andreas Puelacher beispielsweise Hirscher und Feller.

Beim Damen-Riesentorlauf am Samstag (10/13 Uhr/ORFeins) trägt eine Rekonvaleszente Österreichs Hoffnung: Stephanie Brunner steht nach einer schweren Knieverletzung erstmals wieder am Start. Solange die ehemaligen Siegläuferinnen Anna Veith und Eva-Maria Brem den Anschluss an die Weltspitze suchen, trägt die 24-jährige Tirolerin die Hauptlast im Team. Und dennoch habe sie nichts zu verlieren. "Der Riesentorlauf war unsere dominante Disziplin", erinnerte Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum an die Kugelgewinne von Veith (2014/15) und Brem (2015/16). "Und dahinter waren gute Leute, wie etwa Kathrin Zettel." Im Schatten dieser Stars habe sich Brunner zwar gut entwickelt. Weil es nach Rücktritten und Verletzungen aber keinen "fließenden Übergang" gab, hat sie nun "die Hauptlast zu tragen. Das ist halt einmal so."