• vom 26.04.2012, 16:15 Uhr

Sport & Wirtschaft

Update: 26.04.2012, 16:28 Uhr

Internationaler Fußball

Auf dem Weg zur Seriosität




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Von Simon Rosner

  • Die spanische Regierung einigt sich mit den Fußballklubs auf die Rückzahlung der enormen Steuerschulden
  • Klubs schulden Fiskus 752 Millionen, ein angedachter Erlass ist vom Tisch.

Atlético Madrid hat 200 Millionen Euro Steuerschulden. Etwa 40 Millionen Euro für Stürmer Falcao waren trotzdem noch drin.

Atlético Madrid hat 200 Millionen Euro Steuerschulden. Etwa 40 Millionen Euro für Stürmer Falcao waren trotzdem noch drin. Atlético Madrid hat 200 Millionen Euro Steuerschulden. Etwa 40 Millionen Euro für Stürmer Falcao waren trotzdem noch drin.

Madrid. Die vier täglich erscheinenden Sportzeitungen in Spanien haben derzeit andere Sorgen: die Trauer des FC Barcelona, die Tränen von Messi, der Ärger Real Madrids, der Frust von Ronaldo, die Tiraden des José Mourinho, die Zweifel des Pep Guardiola über seine Vertragsverlängerung. Angeblich will dieser am Freitag bekanntgeben, Barcelona im Sommer zu verlassen.


Die Einigung der spanischen Liga mit der Regierung über die Zahlungsmodalitäten der enormen Steuerschulden der Vereine hat es nur auf die hinteren Seiten der Zeitungen geschafft. Dabei hat der Beschluss große Auswirkungen auf die Klubs. Denn so, wie es bisher im spanischen Fußball lief, wird es in Zukunft nicht mehr gehen. Dass sich die Zeitungen mit der Einigung nur eher am Rande beschäftigen, illustriert das geringe Interesse bei diesem Thema recht gut. Und so hatten es ja auch die Vereine selbst gehalten.

Die Steuervorschreibungen sahen die Klubs als Vorschläge, aber nicht als Verbindlichkeiten. Sie wurden nur beglichen, wenn es wirklich keine Möglichkeiten mehr gab, das Geld in neue Spieler zu stecken. Und so sammelten sich laut einer Studie 752 Millionen Euro an kumulierten Steuerschulden an, wovon 90 Prozent auf die Vereine der ersten beiden Ligen entfallen.

Der kurz angedachte Erlass der Verbindlichkeiten hatte hohe Wellen geschlagen, weniger in Spanien als bei anderen europäischen Klubs. Bei der EU-Kommission ist deshalb gar eine Beschwerde eingegangen. Sie soll prüfen, ob selbst ein teilweiser Erlass als staatliche Beihilfe zu werten sei und gegen EU-Wettbewerbsrecht verstoße. "Wir haben die spanische Regierung um Information gebeten", sagt Kommissionssprecher Antoine Colombani.

"Gibt keine Beihilfen"
Aus Spanien kam aber ohnehin ein Rückzieher, zumindest vorläufig. "Es hat keine Beihilfen gegeben, und es wird keine geben", ließ die Primera División in einer Aussendung wissen. "Die Schulden des Fußballs werden auch vom Fußball beglichen." Ein Erlass wäre aber wohl auch in Spanien kaum durchsetzbar gewesen. Der für Sport zuständige Minister José Ignacio Wert ist auch für Bildung verantwortlich, und in diesem Ressort hatte er erst vor wenigen Tagen Einsparungen von drei Milliarden Euro angekündigt. Es wäre schwer für ihn zu argumentieren gewesen, warum die Studiengebühren angehoben werden müssen, 752 Millionen Euro den Fußballklubs aber geschenkt werden. "Nicht ein Cent wird den Klubs erlassen", sagt Wert nun.

Doch der Anpfiff für die Begleichung der Steuerschulden fällt erst mit der Saison 2014/15. So sich die Vereine nicht an die Modalitäten halten, drohen ihnen dann diverse Sanktionen. 35 Prozent der Einnahmen aus den TV-Rechten müssen die Vereine in jeder Saison als Garantie hinterlegen. Gegebenenfalls kann dieses Geld einbehalten werden. Klubs könnten auch zu Verkäufen von Spielern gezwungen werden, und sogar der Ausschluss aus den Bewerben droht ihnen. Ein eigenes Kontrollgremium soll die Vereine überwachen und bei Verstößen auch sanktionieren.

Nur Geld für neue Spieler
Manche Klubs werden ihr Niveau vermutlich nicht halten können. Atlético Madrid etwa ist Steuersünder Nummer eins mit kolportierten 200 Millionen offenen Verbindlichkeiten beim Finanzamt. Zwar hat Atlético im Sommer durch den Verkauf von Kun Agüero an Manchester City und David de Gea an United erstmals seit Jahren ein Plus bei Transfergeschäften gemacht, doch dieses hätte größer sein können. Allein 40 Millionen Euro flossen gleich wieder in den Kauf von Falcao.

Und wo wäre Atlético in der Europa League ohne Falcao, der sowohl gegen Hannover als auch im Halbfinal-Hinspiel gegen Valencia (Rückspiele nach Redaktionsschluss) jeweils zwei von vier Toren geschossen hat? Dass die Klubs aber nun weitere zwei Jahre Zeit bekommen, ehe sie mit den Schuldenrückzahlungen beginnen müssen, stellt die Ernsthaftigkeit dieses Beschlusses infrage. Vielleicht haben sich die spanischen Zeitungen ja aus gutem Grund nicht so eingehend mit dem Thema beschäftigt.




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Dokument erstellt am 2012-04-26 16:21:18
Letzte Änderung am 2012-04-26 16:28:51


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